Stand: 18.06.2019 09:42 Uhr

Maritimes Museum Hamburg zeigt Fluchtgeschichten

von Danny Marques Marcalo

Das Maritime Museum in der Hamburger Hafen City widmet sich in einer neuen Ausstellung einem der wichtigsten Themen unserer Zeit - der Flucht. Die Ausstellung "Flucht übers Meer" zeigt: Das Phänomen ist nicht neu, sondern spielte schon in der Antike eine Rolle - und die Ursachen für Flucht sind vielfältig.

Einblick in die Ausstellung "Flucht übers Meer". © NDR/Kulturjournal

Was macht Flucht mit dem Leben von Menschen?

Kulturjournal -

Schon immer sind Menschen geflüchtet, um zu überleben, um in eine bessere Welt zu gelangen. Was Flucht mit dem Leben von Menschen macht, zeigt die Ausstellung "Flucht übers Meer" in Hamburg.

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Die sogenannten Boat People - Flüchtlinge aus Vietnam - verlassen 1982 in Hamburg das Schiff Cap Anamour.

Appetitlich sieht diese Kartoffel nicht aus. Sie hat blaue Flecken, das Fleisch ist an einigen Stellen braun. Ungenießbar. Im Maritimen Museum ist es nur ein Foto. Mitte des 19. Jahrhunderts war die Kartoffelfäule in Irland aber so verbreitet, dass vielen Menschen nicht anderes übrigblieb als zu fliehen: "Das war keine Auswanderung, das war Flucht vor dem Tod, vor dem Hunger. Irland hat damals innerhalb von Jahrzehnten fast die Hälfte seiner Bevölkerung verloren."

Viele Fluchtursachen - von Hunger, Krieg bis zur Politik

Interview

Lindner über die Ausstellung "Flucht übers Meer"

Die Ausstellung "Flucht übers Meer" im Maritimen Museum Hamburg beschäftigt sich mit Fluchtgeschichten. Ein Gespräch mit dem Historiker Erik Lindner, der die Schau kuratiert hat. mehr

Wer konnte, sei damals per Schiff nach Amerika gegangen, sagt Kurator Erik Lindner. Das irische Beispiel zeigt, dass es viele Fluchtursachen gibt: Hunger, Krieg, existenzielle Bedrohungen, politische Unterdrückung. So lange es Menschen gibt, mussten Teile der Menschheit ihre Heimat aus diesen Gründen verlassen. "Wir haben hier einige Beispiele, in denen Flüchtende mit Applaus angenommen wurden. Das allerdings nur, wenn es um einzelne Menschen geht - oder wenn man etwa aus dem Kommunismus in den Westen entkam. Wenn es allerdings um Hunderttausende geht, ist es etwas anderes."

Ein besonders eindrückliches historisches Beispiel dafür ist die Flucht vieler Kubaner vor dem Regime von Fidel Castro. Nach seiner Machtübernahme 1959 gibt es kein legales Mittel in die freieren, sicheren USA auszuwandern. Also bauen sich viele selbst ein Balsero, ein Floß: "Wir haben hier das Baumaterial für so ein kubanisches Floß: Autoschläuche, Holzleinen und Seile. Daraus bauen sich die Balseros in den 90er-Jahren ein Floß zusammen, um damit in die USA zu kommen. Diese Verhältnisse herrschten bis 2017." In dem betreffenden Jahr unterband der scheidende US-Präsident Barak Obama diese Fluchtmöglichkeit.

1940: Flucht in Dünkirken vor der Wehrmacht

Weitere Informationen

Eine erbarmungslose Kriegssituation: "Dunkirk"

Hunderttausende französische und britische Soldaten werden 1940 in Dünkirchen eingekesselt. Christopher Nolans Film "Dunkirk" erzählt die Evakuierung aus Sicht dreier Soldaten. mehr

Die Ausstellung des Museums ist übersichtlich, dennoch beeindruckend und kraftvoll. In einer kleinen Sandkiste liegen eine Gasmaske, ein verrostetes Gewehr, ein Soldatenhelm. Zurückgelassen von britischen Soldaten, die sich 1940 in Dünkirchen am Ärmelkanal vor der Wehrmacht retten. Ein paar Jahre später, müssen viele Deutsche vor sowjetischen Soldaten fliehen. "Die Leute sind mit dem geflohen, was sie hatten. Mit dem Fahrrad, mit dem Pferdewagen, mit Schlitten, den simpelsten Mitteln - einfach nur ab in die Häfen auf irgendwelche Schiffe."

Ein Schlitten, auf dem zwei Koffer stehen ist in der Ausstellung zu sehen. Die Koffer stehen für eine gesamte Existenz. Die erklärenden Texte sind leicht verständlich. Einige Exponate mehr hätten die Ausstellung noch greifbarer machen können. Denn das Thema ist packend. Rettungswesten in knalligen Farben zeigen am Ende der Ausstellung, dass die Flucht übers Meer kein Problem ist, das schon gelöst wäre. Sondern eins, dass seit 3.000 Jahren aktuell ist.

Maritimes Museum Hamburg zeigt Fluchtgeschichten

Das Maritime Museum Hamburg befasst sich in der Ausstellung "Flucht übers Meer" mit einem Jahrtausende alten Kapitel der Menschheitsgeschichte: der Flucht und den vielfältigen Gründen.

Datum:
Ende:
Ort:
Internationales Maritimes Museum Hamburg
Kaispeicher B, Koreastraße 1
20457   Hamburg
Preis:
Erwachsene 13 Euro, ermäßigt 9,50 Euro
Öffnungszeiten:
Täglich 10 bis 18 Uhr
Hinweis:
Am 2.7.2019 bleibt das Museum wegen Wartungsarbeiten ganztägig geschlossen.
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 04.06.2019 | 19:00 Uhr

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