Stand: 14.05.2018 11:41 Uhr

Kultautor Hesse neu entdecken in Wedel

von Robert Tschuschke

Ein Mann mit Nickelbrille raucht genüsslich - ein Foto von Hermann Hesse. "Dichter, Maler, Kultfigur": Unter diesem Motto gibt es seit dem 13. Mai eine Ausstellung mit mehr als 200 Exponaten von und über den Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse im Ernst Barlach Museum in Wedel in Schleswig-Holstein. Dabei steht vor allem Hesses Einfluss auf die 1968er Generation im Fokus.

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Hat gern genüßlich geraucht: der Kultautor Hermann Hesse.

"Der Knüller ist natürlich die Vollständigkeit", sagt Kurator und Hesse-Experte Jürgen Doppelstein. Er meint damit die Verbindung zwischen dem literarischen Werk, dem malerischen Schaffen und den vielen Fotos, die vor allem Hesses Sohn geschossen hat. Das Leben und Wirken wird im Erdgeschoss anhand eines Zeitstrahls erzählt. Er führt auch an Vitrinen mit Erstausgaben und Übersetzungen aus aller Herren Länder vorbei. Gefühlt hängt alle zwei Meter ein mannshohes Porträtfoto an den weißen Wänden. "Er ist praktisch Zeuge an dem, was wir hier machen. Er nimmt an allem teil."

Das Museum hat sehr eng mit der Familie zusammengearbeitet. Viele Fotos sind vom Sohn Hesses. So erhält der Besucher intime Einblicke in das Leben des Schriftstellers: Hesse als Schuljunge, Hesse als alter Mann im schweizerischen Tessin, Hesse nackt im See mit Sohn: "als Nacktkletterer in den Alpen. Es gibt Beschreibungen über Hesse, der sich am Monte Verita nackt eingraben hat lassen. Er hat, was die lebensreformerischen Bemühungen der Zeit anging, was Architektur, alternative Heilmethoden und Lebensformen anging, das alles durchprobiert."

 

Räume zu den Romanen "Siddartha" und "Steppenwolf"

Ein Raum widmet sich einer Fotostrecke zu "Siddhartha" und zeigt darüber hinaus auch eine Verfilmung: "Zack ist man in Indien, weil Siddartha nun mal in Indien spielt und weil wir uns gesagt haben, das, was Hesse zur Kultufigur gemacht hat, sind im Wesentlichen die Romane 'Siddharta' und 'Steppenwolf' gewesen.", so Doppelstein.

Hesses psychedelisches Pop-Art-Image

Seiten eines Kalenders © fotolia.com Foto: naftizin

Kultroman der Hippie-Generation

NDR Info - ZeitZeichen -

Am 1.Juni 1927 erscheint Hermann Hesses Roman "Der Steppenwolf". Mit der Niederschrift wollte der Literaturnobelpreisträger eigentlich seinen geplanten Suizid aufschieben

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So kommt zu "Siddhartha" ein weiterer Raum über den "Steppenwolf" hinzu. Vier Maler und Zeichner mit ihren bildnerischen Interpretationen des Romans werden gezeigt. In einem dritten Raum sind Schallplatten von Santana, frühere Presseartikel und riesige Hippiefotos ausgestellt. Hier hängen auch die Kopien der Suhrkampcover-Bilder von Andy Warhol und Milton Glazer: "Dieser hat stark das Bild von Hesse geschaffen - mit seinen grafischen Entwürfen, dieser Blumen-Hesse-Hippie, dieser psychedlische Hesse. Das ist die psychedelisch orientierte Pop-Art der Zeit." sagt Doppelstein. Wie könne es eine solche Synergie geben zwischen einem Schriftsteller des frühen 20. Jahrhunderts und der Hippiebewegung der 68er-Zeit? Dann stelle man fest, ein Teil der Rezipienten hätten Hesse gelesen, als jemand, der heute für sie neu spricht und sie nach vorne bringt, erzählt Doppelstein: "Es gibt hier Filmauszüge, da wird Hesse als Gott bezeichnet. Hermann Hesse is god."

Der Dichter als Maler

Ein Gott, der bereits seit 1962 tot war und zuvor als alter Mann auch Bilder gemalt hatte. In der obersten Etage der Ausstellung sind originale Aquarelle, Bleistiftzeichnungen und Briefe von Hesse ausgestellt. Die Motive: Landschaftsbilder, Bäume und Häuser im Tessin. Abgerundet wird die Ausstellung durch ein Halbrund mit vielen Fotos und Zitaten von Hesses Zeitgenossen. Zum Beispiel Nelly Sachs, Thomas Mann oder noch lebende Personen wie Eugen Drewermann: "An seiner Person lässt sich lernen, dass sich nichts mehr lohnt auf Erden als gegen alles Verdrehen, Missverstehen und Verleumden, gegen alles Verehren, Verklären, Vermarkten, den Weg nach Innen zu gehen und den Bau der Persönlichkeit niemals abzubrechen. Das ist auf den Punkt. Da kann man sagen: 'Also Hesse sollte man heute unbedingt neu lesen'."

Kultautor Hesse neu entdecken in Wedel

Das Ernst Barlach Haus in Wedel zeigt ab Mitte Mai die Ausstellung "Hermann Hesse - Dichter, Maler, Kultfigur". Bis November kann man mit mehr als 200 Exponaten den Autor neu entdecken.

Datum:
Ende:
Ort:
Ernst Barlach Haus Wedel
Mühlenstraße 1
22880  Wedel
Preis:
8 Euro / ermäßigt 6 Euro
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag (an Feiertagen auch Montag) 11 bis 18 Uhr
Hinweis:
Telefon: (040) 41 03 / 91 82 91
E-Mail: kontakt@ernst-barlach.de


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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 14.05.2018 | 06:20 Uhr

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