Stand: 28.02.2020 10:53 Uhr  - NDR Kultur

Kunst oder Propaganda? MKG zeigt Ausstellung zum Plakat

von Anette Schneider

Plakate können manipulieren, hetzen, informieren, aufklären und unterhalten: Ihre Kunst besteht darin, bestimmte Dinge oder Sachverhalte auf den Punkt zu bringen. Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe besitzt mit Tausenden Blättern aus den Bereichen Kunst, Werbung und Politik eine der ältesten und umfangreichsten Plakatsammlungen Deutschlands. Jetzt widmet es dem Medium eine große Ausstellung mit Plakaten aus 200 Jahren.

Knapp 400 Plakate umfasst die Ausstellung "Das Plakat". Kurator Jürgen Döring will zeigen, dass Plakate mehr sind als bloße plumpe Werbung: "Plakate sagen viel über ihre Zeit aus, sie können tolle Kunstwerke sein und international sehr vielfältig auftreten." Chronologisch geordnet hängen die Arbeiten nicht nur dicht an dicht an den kräftig-farbigen Wänden der Ausstellungsräume, sondern auch noch an großen, in den Sälen verteilten Kuben.

Beim Gang durch die Ausstellung hat man das Gefühl, als ginge man durch eine Stadt voll beklebter Häuserwände: Da werben Plakate aus dem Jahr 1880 für luxuriöse Dampfer, Eisenbahnen für Fernreisen und exotistische Wimmelbilder für Hagenbecks rassistische Völkerschauen.

Bild und Text sind aber stets strikt getrennt. Ganz anders sieht es bereits im Frankreich des späten 19. Jahrhundert aus. Der Grafiker Jules Chéret gilt als Erfinder des modernen Plakats. "Er hat im Alleingang die Drucktechnik vereinfacht und Bild und Schrift zusammengefügt", erklärt der Kurator. Zudem habe Chéret den modernen weiblichen Blickfänger erfunden.

"Das Plakat": Verschiedene Welten nebeneinander

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"I want you for U.S. Army" - Farblithografie aus dem Jahr 1917 von James Montgomery Flagg (102 x 75,8 cm, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg).

Die Ausstellung zeigt, wie Henri de Toulouse-Lautrec der Halbwelt rund ums Moulin Rouge ein Denkmal setzt, Alfons Mucha in überbordendem Jugendstil schwelgt und präsentiert zudem unglaublich modern wirkende Theaterplakate des britischen Künstlerduo Beggarstaff aus den 1890er-Jahren. "Die gleichberechtigt nebeneinander hängenden Kunst-, Werbe- und Politikplakate fügen sich zu Gesellschaftsbildern einzelner Epochen, lassen vorherrschende Werte, Moden und Missstände erkennen", erklärt Jürgen Döring. So treffen Propagandaplakate für den 1. Weltkrieg auf Antikriegsplakate. Die Aufbruchstimmung nach 1. Weltkrieg und Oktoberrevolution spiegelt sich international in waghalsigen Perspektiven und Ausschnitten. Bei den knallbunten Pop-Plakaten für Woodstock und den Demonstrationsaufrufen gegen den Vietnamkrieg steht man dann auf einmal wieder inmitten der 60er- und 70er-Jahre.

Rätsel oder Wiedererkennung?

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"5 Finger hat die Hand, mit 5 packst Du den Feind, wählt Liste 5 Kommunistische Partei", Lithografie von John Heartfield aus dem Jahr 1928 (Autotypie, 90,2 x 61 cm, MKG).

Ob Art Deco, John Heartfields politische Fotomontagen, der sachliche Bauhaus-Stil oder die aus Polen stammenden, phantastischen Plakate von bunten Zirkuslöwen - die Phantasie der Plakatkünstler scheint endlos. "Die Werbebotschaft lautet heutzutage: 'Du musst mich innerhalb von 1/10 Sekunde erkennen, weil du so schnell vorbeifährst'", erklärt Döring. Das müsse aber bei Plakaten nicht immer so sein. Es gebe ganz viele Plakate, die funktionieren genau anders rum, meint der Kurator: "Da steht man davor und rätselt, was das soll. Man findet aber das Bild so spannend, dass wenn man es einmal enträtselt hat, sich dann merkt"

Heutzutage ist Werbung vielerorts digital geworden. Im kulturellen Bereich gebe es aber nach wie vor viele Plakate, meint Museumskurator Döring. "Wenn man da über den Tellerrand hinausschaut, entstehen wunderbare Beispiel rund um die Welt."

Kunst oder Propaganda? MKG zeigt Ausstellung zum Plakat

Das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg widmet dem Plakat eine eigene Ausstellung. Die Schau zeigt, wie sich das Medium über die vergangenen 200 Jahre stetig verändert hat.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Steintorplatz
20099  Hamburg
Telefon:
040 4 28 13 48 80
E-Mail:
service@mkg-hamburg.de
Preis:
12 Euro (ermäßigt 8 Euro)
Öffnungszeiten:
Montag: geschlossen
Dienstag bis Sonntag: 10-18 Uhr
Donnerstag: 10-21 Uhr
Donnerstag an oder vor Feiertagen: 10-18 Uhr
Kassenschluss jeweils 30 Minuten vor Schließung des Museums.

1. Mai, Heiligabend und Silvester ist das Museum geschlossen.
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 28.02.2020 | 19:00 Uhr

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