Stand: 19.02.2019 15:08 Uhr

Hamburg: Ausstellung mit antiken Superhelden

von Anette Schneider

Wenn eine Museumsausstellung antike Vasen ankündigt, reihen sich vor dem inneren Auge endlose Wände mit verstaubten Vitrinen voller Objekte aneinander. Dass es auch anders geht, zeigt das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe. In der Ausstellung "Antike Bilderwelten" werden 80 etwa 2.500 Jahre alte griechische Vasen mit Motiven von Herkules, Achilles und Aphrodite präsentiert, über die es einiges zu erzählen gibt.

Von Zeus, Herkules und Aphrodite

Mit diesem Mann sollte man sich lieber nicht anlegen: In der erhobenen Hand schwingt er drohend ein Blitzbündel, über ihm fliegt - als Inbegriff seiner Stärke - ein Adler! Gleich auf der ersten Vase demonstriert Göttervater Zeus seine einschüchternde Macht. Neben der Welt der Götter zeigen die Malereien Mythen- und Heldentaten sowie den Alltag der Herrschenden.

Herakles: Superheld mit menschlichen Schwächen

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Auf dieser Malerei raubt Herakles gerade den Dreifuß aus dem Heiligtum des Apollon in Delphi.

Während Zeus fremden Frauen hinterherjagt, muss nur ein paar Vitrinen weiter sein unehelicher Sohn Herakles (oder Herkules) die ihm auferlegten zwölf Heldentaten vollbringen: Mit Keule und Löwenfell kämpft der antike Superheld gegen Raubtiere und Kentauren, dringt vor in fremde Welten und klaut eine Herde Rinder. Er war in der Antike besonders beliebt: "Weil er auch ein Menschenfreund war: Er bewahrte die Menschen vor Monstern, vor wilden Tieren, ihm war keine Arbeit zu schwer, er war jähzornig, er betrank sich auch ganz gerne mal", erklärt Kurator Frank Hildebrandt. "Er benahm sich daneben, aber er wusste auch immer wieder, wo sein Platz war. Und am Ende seiner Taten war er ganz ermattet. Man sieht ihn auf einem Gefäß, wie er so einen Trinkbecher Richtung der Göttin Athena, die ihn immer begleitet, hält und sagt: 'Oh, jetzt muss ich erst einmal ausruhen!' Auch das: sehr menschlich."

Ausstellung nimmt Scheu vor den antiken Dokumenten

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Aias war ein großer griechischer Kämpfer vor Troja, den nur Achilleus übertraf. Hier sitzen beide an einem Tisch bei einem Brettspiel.

Die meisten der bis zu 60 Zentimeter großen Gefäße stammen aus einer der wichtigsten westeuropäischen Privatsammlungen antiker Vasen, die der Altphilologe Hildebrand gerade als spektakuläre Dauerleihgabe ans Museum für Kunst und Gewerbe holen konnte. Nun präsentiert er sie so wunderbar selbstverständlich, dass einem jede Scheu vor den antiken Dokumenten genommen wird. Statt auf effektvolle Inszenierung setzt er auf das Licht der Aufklärung: Durch die hohen Saalfenster fällt Tageslicht. Die Vitrinen stehen großzügig verteilt im Raum. Einige Banner informieren über Hauptthemen und -figuren der Bilderwelten und die Attribute der Helden, sodass sie sich immer wiedererkennen lassen. Und für den, der noch mehr wissen möchte, ordnen klug-unterhaltsame Vitrinentexte das Dargestellte historisch ein.

"Was ist so reizvoll an diesen Vasen? Es sind teilweise diese einfachen grafischen Elemente, eine ganze Story zu verkürzen, in einem Bild darzustellen", sagt Hildebrandt. "Es sind diese feinen Nuancen, so ein gewisser süffisanter Humor. Die Frage der Moralvorstellungen über eine Elite in Athen, die dahintersteckt, über Rollenbilder, über Heroenkonstellationen. Man kann sich aber auch einfach nur auf die Kunst einlassen."

Nur die Allerreichsten konnten sich die Stücke leisten

Die edlen Schalen, die amphorenförmigen Vasen und die bauchigen Gefäße wurden von den besten Töpfern und Vasenmalern ihrer Zeit hergestellt. Nur die Allerreichsten konnten sie sich leisten und nutzten sie für stundenlange Trinkgelage: Paarweise lagerten die Männer dabei auf niedrigen Liegen, so Frank Hildebrandt, neben sich ein glimmendes Kohlebecken und vor sich die bemalten Gefäße. "Mit einem Mal, durch das Aufflackern der Kohle, wird auf einer Vase der Held Herakles beleuchtet. Im nächsten Moment versinkt er im Dunkeln. Im zweiten Moment kommt der Löwe zum Vorschein. Im dritten sieht man beide miteinander ringen. Dann ist wieder alles in Schwarz getaucht", beschreibt Hildebrand, wie es 400, 500 Jahren vor Christi möglicherweise gewesen ist. "Es werden kleine Filmchen daraus. Die Elite in Athen konsumierte gemeinsam aus diesen Gefäßen - und man kam über diese Bilder ins Gespräch."

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Gesellschaftliche Veränderungen: Statt Frauenraub ist auf dieser Schale das Werben eines Mannes um eine junge Frau zu sehen.

200 Jahre umspannen die Objekte und spiegeln so auch gesellschaftliche Veränderungen: War unter den Tyrannen noch der Frauenraub ein beliebtes Motiv, bildete sich mit der beginnenden Demokratie das Thema des klassischen Liebeswerbens heraus.

Motive zeigen Parallelen zum Heute

Auch andere Motive muten recht heutig an: Auf der Außenwand einer großen Schale etwa lässt sich ein Reicher seine Pferde vorführen - heute posiert er neben seinem Porsche. Vor allem aber offenbaren die vielen Sportszenen sehr aktuelle menschliche Abgründe: Etwa die sich prügelnden Faustkämpfer, bei denen es ganz und gar nicht rund läuft. "Einer der Boxer verstößt gegen die Regeln, weshalb ihn der Schiedsrichter mit einer großen zweizinkigen Rute von hinten auf die Schultern tippt, damit er aufhört", beschreibt Hildebrandt ein Motiv. "Man sieht in diesen Vasen auch, wie betrogen wurde, damit man gewann. Man sieht, wie trainiert wurde. Alles das, was wir heute auch im Sportgeschehen haben, wird schon auf den antiken Vasen in Details geschildert."

Hamburg: Ausstellung mit antiken Superhelden

Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zeigt in "Antike Bilderwelten" 2.500 Jahre alte griechische Vasen - und erklärt unterhaltsam, was Herkules und Aphrodite darauf so treiben.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Museum für Kunst und Gewerbe
Steintorplatz
20099  Hamburg
E-Mail:
service(at)mkg-hamburg.de
Preis:
12 Euro, ermäßigt 8 Euro, Do ab 17 Uhr 8 Euro, bis 17 Jahre frei
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag: 10-18 Uhr
Donnerstag: 10-21 Uhr
Donnerstag an oder vor Feiertagen: 10-18 Uhr
Kassenschluss jeweils 30 Minuten vor Schließung des Museums.

Geöffnet: Gründonnerstag, Karfreitag, Ostersonntag, Ostermontag, Himmelfahrt, Pfingstsonntag, Pfingstmontag, Tag der deutschen Einheit und sonstige Feiertage: 10-18 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 19.02.2019 | 19:00 Uhr

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