Stand: 15.04.2020 14:54 Uhr

"Henni Hams" und das Corona-Tagebuch für Kinder

von Antonia Reiff

Das gab es niemals zuvor: zu Hause bleiben, Homeoffice, Homeschooling und keine Freunde treffen. Aber wie erleben eigentlich Kinder in Zeiten von Corona ihren Alltag? Das Kinderbuchhaus im Altonaer Museum hat sich diese Frage gestellt und das Projekt Corona-Tagebuchentwickelt. Deutschlandweit sind Kinder dazu aufgerufen, dem Hamster "Henni Hams", der Briefe, Bilder und Fotos hamstert, zu schreiben und ihm von ihrem Alltag zu berichten. In einer Ausstellung soll am Ende ein großes gemeinsames Tagebuch an diese außergewöhnliche Zeit erinnern.

Comic eines Hamsters der in Büchern liest. © Lena Winkel
"Henni Hams" möchte mit allen Kindern auf der großen weiten Welt ein gemeinsames Corona-Tagebuch gestalten.

Von der 10-jährigen Marlene Weber aus Bayern ist schon eine erste Einsendung in Hamburg eingetroffen. Sie schreibt in ihrem Brief: "Hallo lieber Henni Hams, gestern ist mein Hamster Freddy gestorben. Ich war sehr, sehr traurig. Heute war im Garten die Beerdigung. Ich vermisse ihn. Er war echt sehr witzig. Ich wünsche dir noch ein langes Leben, deine Malene." Ihre Mutter habe von dem Projekt über Instagram erfahren und ihr davon erzählt. Die Idee dem Hamster "Henni Hams" in Hamburg zu schreiben und ihm ein Bild zu malen, habe sie sofort begeistert: "Ich habe ein Bild von meinem Hamster Freddy geschickt, der ein Tag zuvor gestorben ist. Ich war sehr traurig und das wollte ich Henni Hams erzählen", sagt das Mädchen.

Ausstellung soll Corona-Pandemie mit Kinderaugen zeigen

Dagmar Gausmann vom Kinderbuchhaus in Altona leitet das Projekt rund um das Corona-Tagebuch. Sie erzählt, dass in Tagebücher immer dann ganz besonders oft geschrieben werde, wenn etwas anders sei als sonst. Also in Zeiten von großem Glück, aber auch in anstrengenden oder traurigen Zeiten, oder wenn etwas ganz und gar Ungewöhnliches, Außergewöhnliches geschehe, wie im Moment während der Corona-Pandemie. In einer Ausstellung im Altonaer Museum soll es am Ende ein großes gemeinsames Tagebuch zu sehen geben. So kann man später noch einmal nachschauen, wie Kinder diese Krise erlebt haben. Im Mittelpunkt steht ihre individuelle Sicht auf eine Zeit, die wir alle so vorher noch nicht erlebt haben. Dagmar Gausman möchte durch die Aktion von den Kindern erfahren, wie es sich anfühlt, wenn man den ganzen Tag mit den Eltern zusammen ist und für eine Weile ohne Freundinnen, Freunde und Verwandte auskommen muss: "Wie Kinder diese Tage erleben, das möchten wir in unserem Corona-Tagebuch festhalten."

Kinder haben Langeweile und sehnen sich nach Alltag

Comic eines Hamster, der in einem Buch schreibt. © Lena Winkel
Dem Hamster kann man in allen Sprachen schreiben, etwas malen oder basteln.

Auch die 12-jährige Teija Czwikla aus Tangstedt hat schon mitgemacht und einen Tagebucheintrag geschrieben. Sie wollte gerne teilnehmen, weil sie es toll findet, die eigenen Gefühle und das, was sie gerade alles erlebe, festzuhalten. In ihrem Text schildert sie ihren Alltag, der momentan aus Klavierunterricht per Skype oder Tanzvideos besteht: "Als erstes habe ich Ballett nachgetanzt und dann Akrobatik-Hip-Hop. Ich bin schon etwas eingerostet und der Schulterstand hat auch nicht so gut geklappt. Aber es hat mir, trotzdem alles etwas seltsam war, Spaß gemacht." Sie berichtet in ihrem Text außerdem von Langeweile, die immer wieder aufkomme und der netten Abwechslung, einen Tagebucheintrag zu schreiben, in dem man mal sein Herz ausschütten könne. Sie vermisse ihre Freunde immer noch sehr und hoffe, dass sie bald wieder in die Schule gehen könne, denn das sei alles ziemlich ungewohnt.

So einen persönlichen Brief nach Corona dann im Museum zu sehen, ist für Teija Czwikla außerdem ganz schön aufregend. Stolz erzählt sie: "Ich finde es sehr toll, dass ich Teil von diesem Projekt bin, weil es eine schöne Abwechslung ist." Auch für Marlene Weber aus Bayern war das Corona-Tagebuch bei dem vielen Homeschooling und der Langeweile aufregend und spannend: "Langsam wird es langweilig. Ich möchte endlich wieder in die Schule gehen und endlich wieder die Omas und den Opa besuchen." Bis die Langeweile vorbei ist und wieder mehr Normalität einkehrt, freut sich der Hamster "Henni Hams" in Hamburg weiter über Post von Kindern jeden Alters und in allen Sprachen. Der Kreativität sind laut dem Kinderbuchhaus dabei keine Grenzen gesetzt

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 15.04.2020 | 19:00 Uhr