Eine Kirche direkt vor drei Windrädern © picture alliance / PHOTOPQR/LE COURRIER PICARD/MAXP Foto: Dominique Touchart

Welterbe und Windräder: Tagung der Denkmalpfleger in Schwerin

Stand: 01.06.2021 18:44 Uhr

Rund 250 Experten haben in den vergangenen Tagen über neue Konzepte im Denkmalschutz beraten. Gastgeberin der digitalen Tagung der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger (VdL) war die Landeskonservatorin von Mecklenburg-Vorpommern Ramona Dornbusch.

von Karin Erichsen

Wie passen Windräder in die Kulturlandschaft? Das ist nicht nur eine politische und ökologische Frage, sondern auch ein Problem des Denkmalschutzes. Und um solche neuen Herausforderungen ging es bei der digitalen Jahrestagung der Denkmalpfleger zu Beginn dieser Woche. Normalerweise wird die Tagung der Denkmalpfleger von Stadtrundgängen und Exkursionen umrahmt. Die Landeshauptstadt Schwerin, die sich bei der Unsesco als Weltkulturerbestätte bewirbt, sollte erkundet werden. Auch das ging in diesem Jahr nur digital - mit aufwendig gefertigten Filmen in den Vortragspausen.

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Schweriner Residenz-Ensemble soll Welterbe werden

Das gesamte Schweriner Residenz-Ensemble soll ab 2024 auf der Liste der Welterbestätten stehen. Stadt und Land versprechen sich davon nicht zuletzt positive Effekte für Wirtschaft und Tourismus. Die Denkmalpfleger erhoffen sich jedoch in erster Linie ein wachsendes Bewusstsein für das einmalige Kulturerbe. "Man merkt, wie die Bevölkerung da mitfiebert und sich dafür interessiert", sagt Landeskonservatorin Ramona Dornbusch. "Dann muss aber die internationale Verpflichtung, die man dadurch eingeht, auch eingehalten werden." Dabei komme es auf eine reibungslose Zusammenarbeit von Wirtschaft, Tourismus, Stadtverwaltung, Stadtplanung und Denkmalpflege an. Auf gute Kommunikation und Managementkonzepte.

Für all dieses Themen hat die Tagung Leitlinien diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht. Internationale Fehlentwicklungen kamen da ebenfalls zur Sprache. "Salzburg legt wenig Wert auf seinen Welterbe-Status, zu hoch ist der Druck der Festspiele und der zahlungskräftigen Zweitwohnungsbesitzer aus aller Herren Länder", referierte Sigrid Brandt, Leiterin der Abteilung Kunstgeschichte an der Uni Salzburg und Vorstandmitglied des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz. Neben Luxuswohnvierteln wurden vielfach Infrastruktur- und Hochbauprojekte als Gefährdung für den Charakter von Welterbestätten genannt.

Kulturlandschaften und Energiewende: Wie passt das zusammen?

Von den Strategien der Welterbestätten sollen in Zukunft auch die Kulturlandschaften im Umland profitieren. Eine Vernetzung der Denkmalpfleger und ihrer Konzepte zu Sichtbeziehungen sei auch bei der Energiewende wichtig - Stichwort Windräder. "Wenn man auf Bayern schaut, wie da die Kulturlandschaftsräume untersucht, erfasst und als Schutzgüter in die Planung eingestellt werden - davon sind wir sehr weit entfernt", sagt Landeskonservatorin Ramona Dornbusch. In Mecklenburg-Vorpommern fehle es vor allem an Personal, besonders in den unteren Denkmalschutzbehörden. "Wir sind einfach zu wenige, um diese kompakten Aufgaben zu erfüllen, und es wird immer mehr von uns abverlangt: Wir sollen integrativ arbeiten, beraten, vernetzen und vermitteln." Das Aufgabenspektrum werde immer größer und dem müsse auch Rechnung getragen werden. Dringend erforderlich sei eine personelle, finanzielle und politische Aufwertung des Denkmalschutzes, so ein zentrales Fazit der Tagung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 01.06.2021 | 19:00 Uhr