Stand: 20.08.2020 15:13 Uhr

Wasser, Tiere und viel Grün im Bürgerpark Braunschweig

von Janek Wiechers

Parks sind nicht nur Erholungsräume, sondern häufig echte Kunstwerke. NDR Kultur stellt Ihnen in diesen Sommermonaten in der Serie "Mein Lieblingspark" die schönsten vor. Reporter Janek Wiechers hat seinem persönlichen Favoriten, nämlich dem Bürgerpark in Braunschweig, einen Besuch abgestattet.

Ein Paddelboot fährt über die Oker im Bürgerpark Braunschweig.  Foto: Janek Wiechers
Die vielen Wasserläufe laden zu Paddel- und Tretboot-Touren ein.

Besonders idyllisch lässt sich der Bürgerpark in Braunschweig mit dem Tretboot erkunden. Sanft über das Wasser gleitend, unter Brücken hindurch, im Schatten alter Bäume. Mitten durch die langgestreckte grüne Oase im Süden der niedersächsischen Stadt schlängeln sich zwei Arme des Oker-Umflutgrabens. Es sind künstlich angelegte Flussläufe, die sich aus der Oker speisen, die im Harz entspringt.

Jörg Ulber vom Grünflächenamt der Stadt Braunschweig kennt die Besonderheiten des Parks: "Was ungewöhnlich für den Park ist, sind die beiden Wasserläufe. Und dann gibt es noch die beiden Teichanalagen: der Südteich und der Portikus. Es gibt eine Verbindung zwischen Grün, Bäumen und Wasser."

Silberahorne, Geweihbäume und chinesische Götterbäume

Baumexperte Jörg Ulber kennt hier gleichsam jeden Ast. Hunderte Bäume - manche mehr als 120 Jahre alt - gedeihen in der weitläufigen, rund 42 Hektar großen Parkanlage. Darunter Silberahorne, Geweihbäume aus Nordamerika, chinesische Götterbäume, Eichen aus Ungarn, neben Douglasien, Platanen und Pappeln. Nicht zuletzt diese Baumvielfalt macht den Park so einzigartig.

Beeindruckend ist eine massive Hybridpappel mit einem besonders dicken Stamm, die Ulber extra nochmal nachgemessen hat: "Sie hat einen Stammumfang von 7,75 Meter. Und sie hat eine Kronenhöhe von 35 Metern. Vor den letzten Stürmen, die uns ereilt haben, hatte die Krone einen Durchmesser von 38 Metern."

Viele Bewohner der Stadt nutzen den Bürgerpark als schnell erreichbares, grünes Naherholungsgebiet am Rande der Innenstadt. Manche kommen schon seit Jahrzehnten hierher. Wie ein Ehepaar, das gerne auf einer Parkbank entspannt, etwa um Graureiher am Flussufer zu beobachten.

Lebensraum für viele Tierarten

Blick auf Wasser, Wiese und Bäume im Bürgerpark Braunschweig.  Foto: Janek Wiechers
Verspielt und natürlich gewachsen soll der Park im Sinne des Erbauers Friedrich Kreiß wirken.

Der Bürgerpark in Braunschweig ist Refugium für viele Tierarten. Auf der Parkbank, auf einem der vielen Stege am Wasser oder gemütlich von der Picknickdecke aus lassen sich die Tiere aus nächster Nähe beobachten. Die Erholungsqualität des Braunschweiger Bürgerparks schätzt auch eine Studentin, die ihn mindestens drei Mal pro Woche aufsucht. Sie mag die abwechslungsreiche Aufteilung: "Man hat die Oker und die alten Bäume. Es ist im Sommer auch schön, dass man sich mal in den Schatten setzen kann. Und ich habe immer das Gefühl, dass es sich ganz gut verläuft. Der Park hat was Uriges, ein bisschen so, als wenn man auf dem Land ist. Nicht so gewollt."

Verspielt und natürlich gewachsen

Genau diesen Effekt hat der Erbauer des Braunschweiger Bürgerparks so kalkuliert. Tatsächlich hatte der Landschaftsarchitekt Friedrich Kreiß eine gartenähnliche Anmutung im Sinn, als er 1868 den Park entwarf und 1891 schließlich fertigstellte. Verspielt und natürlich gewachsen sollte der Park wirken, gleichzeitig aber streng komponiert sein. Mit Wegen, Alleen, Teichen und Sichtachsen, erklärt Thomas Baumgarten, Stadtführer und Parkkenner: "Es entsteht immer dieser räumliche Eindruck. Wir haben Sichtachsen, dass so eine Tiefenwirkung erzeugt wird. Und das macht es auch so spannend fürs Auge, dass man einfach mal die Seele baumeln lassen kann."

Ruine eines Säulenportals im Bürgerpark Braunschweig.  Foto: Janek Wiechers
Das halb verfallene Säulenportal ist eines der Markenzeichen des Braunschweiger Bürgerparks.

Eine dieser Sichtachsen gibt den Blick auf ein halb verfallenes Säulenportal frei. Es ist der Rest einer Kaserne aus dem 18. Jahrhundert. Einst stand es an anderer Stelle in der Stadt, wurde im 19.Jahrhundert aber als Gestaltungsmittel im Bürgerpark wiedererrichtet und dann im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, schildert Baumgarten: "Ausgerechnet dieser Portikus bekam auch einen Bombentreffer und war also zerstört. Und man hat entschieden: Wir bauen den nicht komplett wieder auf, wir lassen ihn so als Trümmerportikus."

Der mit Trauerweiden bewachsene kleine See neben der Ruine trägt sinnigerweise den Namen Portikusteich. An lauen Sommerabenden sind Teich und Säulenportal beliebter Treffpunkt. Zum Beispiel als Platz zum Salsa-Tanzen unter freiem Himmel. Einst nur fürs gehobene Bürgertum gedacht - deshalb auch der Name - ist der Braunschweiger Bürgerpark inzwischen natürlich längst für alle da.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 21.08.2020 | 07:20 Uhr