Stand: 11.04.2019 09:32 Uhr

Rundgang durch Bauhaus-Schätze in Celle

Vor 100 Jahren wurde das Bauhaus gegründet. Im Jubiläumsjahr machen viele Einrichtungen in ganz Deutschland bei den Veranstaltungen rund um die Architektur-Bewegung mit. Allen voran: Weimar und Dessau. Aber auch Celle hat so einige Schätze des sogenannten Neuen Bauens zu bieten.

Eine Reportage von Juliane Bergmann

Einen Katzensprung vom Celler Schlossgarten entfernt liegt die Siedlung "Italienischer Garten". Würfelartige Wohnhäuser, schlicht, elegant - schon auf den ersten Blick machen sie mächtig Eindruck. Rudolf Becker, pensionierter Architekt, führt mich durch Celle. Er engagiert sich ehrenamtlich für das Erbe des Architekten und Baumeisters Otto Haesler, der den Bauhaus-Gedanken in der Celler Architektur verwirklichte. Neben Walter Gropius und Hannes Meyer gehört Haesler zu den Pionieren und Wegbereitern des Neuen Bauens. Seine sieben Bauten und Siedlungen entstanden Mitte der 1920er-Jahre, sind überwiegend im Originalzustand erhalten und werden fast alle in ihrer ursprünglichen Funktion genutzt. Das gilt für die Wohnhäuser, das Kaffeehaus Kiess und Krause und auch die damalige "Glasschule".

So viel Bauhaus hat Celle zu bieten

Klare Linien, mitunter starke Farben, abgerundete Ecken, Fenster über Eck, viel Tageslichteinfall: Nicht nur optisch war Haeslers Architektur damals etwas völlig Neues. Mit seinen Sozialbauten gab er auch eine Antwort auf die enorme Wohnungsnot seiner Zeit - zum Beispiel in der Siedlung "Blumläger Feld". Mit historischen Einrichtungsgegenständen, wie etwa der stromlosen Türklingel, hat das Haesler-Museum die Kleinstwohnungen hergerichtet. Vier bis sechs Menschen lebten dort auf 46 Quadratmetern. Haesler hatte auch die Innengestaltung übernommen.

Einigen Bauhaus-Gebäuden droht der Abriss

Die Restaurierung der alten Gebäude ist teuer und aufwendig. Einigen leerstehenden Häusern könnte bald der Abriss drohen. Die Direktorenvilla am Celler Schlosspark erstrahlt hingegen wieder in neuem "alten" Glanz. Zuletzt als Jugendclub genutzt, ziemlich heruntergekommen, voller Graffiti und mit abbröselndem Putz, ist sie nun originalgetreu restauriert worden und seit 2006 ein Ort der Kunst.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 11.04.2019 | 11:20 Uhr