Stand: 08.04.2020 09:28 Uhr  - NDR Kultur

Museen online: Das Städel in Frankfurt

von Anette Schneider

Bei den Online-Auftritten von Museen merkt man gleich, welches Museum Geld hat und welches nicht. Das gut ausgestattete Frankfurter Städel Museum etwa lockt auf seiner Website nicht nur mit seiner online gestellten Sammlung oder Angeboten für Kinder, sondern auch mit einem Archiv der ganz besonderen Art, und aktuell mit einem Blick in die gerade eröffnete Ausstellung "En passant - Impressionismus in der Skulptur".

Dem knapp 15-minütigen Film gelingt es anschaulich, das Irritierende der Fragestellung vorzuführen: Man blickt in prächtige, dunkelblau gestrichene Säle mit impressionistischen Gemälden und Skulpturen. Die Kamera nähert sich einigen Tierskulpturen und verharrt dann vor einer Reihe kleiner Baletttänzerinnen in klassischen Tanzposen von Edgar Degas. Was meint nun Impressionismus in der Skulptur? Wo doch das Charakteristische vom Impressionismus in der Malerei gerade das Flüchtige ist? Die Wahrnehmung von Licht und Schatten etwa, von flirrender Luft und sich auflösenden Formen.

"Aber kann man so etwas in der Skulptur darstellen?", fragt Kurator Alexander Eiling. "Oder müssen sich nicht Bildhauer im Impressionismus auf ganz andere Themen konzentrieren? Nämlich viel mehr auf Materialität, auf Oberflächenbeschaffenheit?" Dabei deutet er auf die unebenen Oberflächen der kleinen Tänzerinnen: "Die Kleinplastiken von Degas, die mit Wachs gearbeitet sind, wo man die Fingerspuren sieht, die nicht verstrichen, nicht geglättet sind, wo man einfach merkt, man ist fast bei der Erschaffung dieser Skulpturen dabei, die sind eigentlich der viel impressionistischere Anteil seines Werkes."

Ausführlich zeigt dann ein Künstler in seiner Werkstatt, wie genau das Arbeiten mit Wachs funktioniert.

Digitale Angebote zur Kunstgeschichte

Wer sich mehr für die jüngere Kunstentwicklung interessiert, dem bietet das Städel ein in Deutschland wohl einmaliges Online-Archiv: Das "Café Deutschland" - benannt nach einem Bild von Jörg Immendorf - versammelt 70 Gespräche zeitgenössischer Künstlerinnnen und Künstler, Galeristen, Kunstwissenschaftler und -wissenschaftlerinnen, Kritikerinnen und Sammlern, die über das Kunstgeschehen von der Nachkriegszeit bis heute erzählen.

Es geht um Akademie-Ausbildung, Männerbünde, die Durchsetzung von Künstlern, Starallüren - und immer wieder um die Aufbruchstimmung der 60er-Jahre. So erinnert sich auch der Künstler Dieter Ruckhaberle, der auch die IG-Medien und die anti-documenta gründete, an die Forderung "Kunst für alle!": "Und wir haben Aufsätze geschrieben. Einen habe ich neulich wieder gefunden, der hießt: 'Kunst für alle - aber wie?'. Weil uns hat es interessiert: Wie macht man das? Wie kommt man an die Leute ran?"

Aktuelle Fragen an die Gesellschaft

Auch andere Fragen sind noch immer aktuell: So beschäftigte sich Jürgen Klauke bereits Mitte der 60er-Jahre mit dem Thema Geschlechterzuschreibung, inszenierte sich zum Entsetzen der engen Nachkriegsgesellschaft geschminkt, mit Federboa, sinnlich und androgyn: "Gegen diese Dinge - 'Hinsetzen!', 'Aufstehen!', 'Ab in die Ecke!', 'Schnauze!', 'Ruhe!', 'Darüber spricht man nicht!' und so - hatte man die Schnauze voll. Und insofern habe ich ja nicht eine bestimmte Gruppe jetzt provozieren wollen, sondern es in die Gesellschaft hineintragen, meine Gedankengänge, meine bildlichen Vorschläge oder Reflektionen."

Georg Baselitz, Günther Uecker, Timm Ulrichs, Katharina Sieverdings, Ulrike Rosenbach - es sind die großen Namen der bundesdeutschen Nachkriegskunst, deren Statements man in kurzen Auszügen hören, und in ganzer Länge lesen kann. Schade nur, dass Künstler und Künstlerinnen aus der DDR fast völlig fehlen.

Eine Frau betrachtet auf einem Computer die Digitale Sammlung des Städel Museums Frankfurt. © Städel Museum

Museen online: Das Städel in Frankfurt

NDR Kultur

Das Frankfurter Städel Museum bietet ein umfangreiches Online-Angebot zu seinen Sammlungen. Auch zur gerade eröffnete Ausstellung "En passent - Impressionismus in der Skulptur".

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 08.04.2020 | 09:20 Uhr

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