Stand: 12.05.2020 13:44 Uhr

Museen in Mecklenburg-Vorpommern öffnen wieder

Nach zwei Monaten Schließung dürfen seit diesem Montag auch in Mecklenburg-Vorpommern Museen, Ausstellungen und Gedenkstätten unter strengen Auflagen wieder öffnen. Da der Montag für Museen klassischerweise ein Schließtag ist, hielt sich die Anzahl der teilnehmenden Häuser zunächst in Grenzen. Es öffneten unter anderem das Grenzhus Schlagsdorf und das Freilichtmuseum Groß Raden. Wie im ganzen Norden ziehen aber immer mehr Museen nach, so auch die Kunsthalle Rostock.

Die Kunsthalle in Rostock - eine Außenansicht © Kunsthalle Rostock Foto: Bernd Borchard 2014
Für die Kunsthalle Rostock wird die Öffnung nur von kurzer Dauer sein. Ab Herbst steht eine Sanierung an.

In der Rostocker Kunsthalle sollte eigentlich gerade unter dem Titel "Udoversum" die große Lebenswerk-Ausstellung von und über Udo Lindenberg zu sehen sein. Auf Wunsch des Künstlers selbst findet sie aber erst einmal nicht statt. Kunsthallen-Chef Jörg-Uwe Neumann bedauert das sehr: "Die Ausstellung ist fertig und sie hätte eigentlich auch ein gutes Signal gegeben. Aber ich finde die andere Haltung vielleicht auch besser: Wir feiern das erst, wenn alle keine Angst mehr um ihre Arbeit und um ihre Gesundheit haben."

VIDEO: Wiedereröffnung: Museen nach dem Lockdown (5 Min)

Lindenberg-Ausstellung verschoben

Nun wird die Lindenberg-Ausstellung auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Kunsthalle Rostock zeigt ab Freitag wieder die Werkschau der Fotografen Ute und Werner Mahler. Im September schließt das Haus für eine mindestens zwei Jahre dauernde Sanierung.

Museen eröffnen an unterschiedlichen Tagen

Die Rostocker Museen haben sich auf Freitag als gemeinsamen Eröffnungstag verständigt. Bereits am Dienstag hat das Pommerschen Landesmuseums in Greifswald wiedereröffnet. Der Schutz für das Kassenpersonal ist montiert, die Bodenmarkierungen vor den Kassen sind geklebt. Eine Museumsmitarbeiterin hat für alle im Haus Stoffmasken genäht.

Auch das Staatliche Museum Schwerin und die landeseigenen Schlösser zeigen wieder Ausstellungen. Zwei Wochen lang wird der Eintritt in diesen Häusern frei sein, ordnete der Finanzminister des Landes an. Kathrin Möller vom Museumverband Mecklenburg-Vorpommern findet das Signal an die Mecklenburger und Vorpommern durchaus positiv, aber: "Es zeigt auch, wie heterogen unsere Landschaft ist. Die staatlich geförderten Einrichtungen können das ja auch machen. Auf der anderen Seite haben wir viele Einrichtungen, die vom Eintritt leben, die jetzt schon Signale senden, wir eröffnen gar nicht, beziehungsweise, wir eröffnen erst, wenn wieder Saison ist."

Fehlende Touristen machen die Planung schwierig

Durchschnittlich 80 Prozent der Besucherinnen und Besucher in den Museen sind Touristen. Das besucherstärkste Haus, das Ozeaneum in Stralsund, weiß aktuell noch nicht, wann sich eine Öffnung lohnt. Das komplett private getragene Kunstmuseum Ahrenshoop auf dem Darß geht bisher von Einnahmeverlusten von 100.000 Euro aus. Geschäftsführerin Marion Schael plant zu Pfingsten eingeschränkt wieder zu öffnen. "Ich bräuchte 3.500 Gäste im Monat und nur die Einheimischen, also das, was hier auf der Insel lebt, davon krieg' ich keine 3.500 Gäste ins Haus."

Wie sieht der Museumsbesuch der Zukunft aus?

Niemand rechnet in den nächsten beiden Wochen mit Besucherströmen. Und der Kunstgenuss mit Maske wird ein eingeschränkter sein. Alles, wofür Museen in den letzten Jahren umgebaut haben, ist nicht mehr erlaubt: Statt Interaktion, Hörstationen und Gesprächen über die Kunst - stummes Anbeten mit Distanzwahrung. Kathrin Möller vom Museumverband Mecklenburg Vorpommern fragt sich: "Wird der Besucher irgendwann mit einem Desinfektionsmittel ausgestattet? Also: Desinfiziere, was Du benutzt hast - o weia, ich weiß noch nicht, worauf müssen wir uns da einstellen!"

Museen im Norden müssen Auflagen erfüllen

Voraussetzung für die Wiedereröffnung der Museen war die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln zum Schutz der Besucher und des Personals vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. So werden beispielsweise Plexiglasscheiben vor den Kassen fortan zur Standardausrüstung aller Museen gehören.

Hamburger Kunsthalle: Nur 200 Leute gleichzeitig

In der Hamburger Kunsthalle wurden die Vorkehrungen für die Eröffnung am 7. Mai schon vor mehreren Wochen getroffen. Laut Direktor Alexander Klar dürfen nur 200 Menschen gleichzeitg im Haus sein. Er habe die Erfahrung gemacht, dass die Menschen sich nicht anstecken wollen: "Das heißt, sie verhalten sich richtig." Man müsse nur dafür sorgen, dass sie sich richtig verhalten können. "Das heißt, die richtigen Signale senden: Wo man sich hinstellen kann, sehen, dass es keinen Frust gibt, wenn sich irgendwie Schlange bilden." Man müsse außerdem gewährleisten, dass sich die Besucher in alle Richtungen verteilen können. Das gewohnte Veranstaltungsprogamm bleibt bis auf weiteres ausgesetzt.

Kunsthalle zu Kiel: Neue Ideen für den Dialog mit Besuchern

Kunsthalle zu Kiel © Kunsthalle zu Kiel Foto: Bernd Perlbach
Die Kunsthalle zu Kiel überlegt, wie sie die direkte Kommunikation mit den Besuchern ermöglichen kann.

In anderen Häusern wird es Wegeleitungen geben, die die Besucherströme in eine Richtung lenken, zum Beispiel in der Kunsthalle zu Kiel, die zur Zeit noch geschlossen ist. Da auf absehbare Zeit alle Gruppenführungen, Workshops und Schulklassen-Besuche entfallen, hat man sich in Kiel überlegt, ob man nicht die Kolleginnen von der Vermittlungsabteilung als Life-Speaker einsetzt. In bestimmten Räumen positioniert, würden sie Interessierte mit Informationen versorgen.

Sprengel Museum: Besucher-Zeitfenster für Risikogruppen

Wie kann man trotz Abstandsgebot Dialog ermöglichen, wie Kunstvermittlung von Angesicht zu Angesicht betreiben - auch im Sprengel Museum in Hannover hat man nach Lösungen gesucht, berichtet Sprecherin Isabelle Schwarz. Im Sprengel Museum soll der Sonnabendvormittag den Risikogruppen vorbehalten sein: Ein Besucher-Zeitfenster speziell für ältere Menschen und solche mit Vorerkrankung - eine Maßnahme, die auch der deutsche Museumsbund vorschlägt.

Viele weitere norddeutsche Museen und Ausstellungshäuser haben den Publikumsbetrieb wieder aufgenommen - eine Auswahl: das Archäologische Museum Hamburg - Stadtmuseum Harburg/Helms-Museum, das MARKK, das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, das Kunstmuseum Wolfsburg, die Kunsthalle Emden, die Kunsthalle Osnabrück, das Kunsthaus Stade, das Hansemuseum Lübeck.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 12.05.2020 | 06:40 Uhr