Stand: 28.02.2019 08:55 Uhr  - NDR Kultur

Künstliche Intelligenz im Film

von Hartwig Tegeler
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Al Pacino im Gespräch mit seiner Simone.

Im Kinofilm "S1m0ne" von Andrew Niccol aus dem Jahr 2002 besetzt Al Pacino in seiner Rolle als Regisseur Viktor Taransky seinen Film mit der per Computer erschaffenen Simone. Diese Geschichte über den künstlichen Star mit der Stimme einer jungen Jane Fonda, dem Körper von Sophia Loren, der Grazie von Grace Kelly und dem feinen Gesicht von Audrey Hepburn spiegelt alle Ängste vor der Künstlichen Intelligenz: Urängste, dass die Maschinen, die Roboter, die Androiden die Macht über uns übernehmen. Und die Realität über ihre Fähigkeit, selbst zu lernen, eben: intelligent zu sein, in eine andere verwandeln.

Schauspieler werden nie durch KI ersetzt

Noch ist es nicht soweit, dass selbsterlernende Algorithmen Filme schreiben oder drehen. KI-Software wird inzwischen zwar in der Postproduktion eingesetzt, bildet aber noch nicht den Standard. Und die Besorgten setzt Kathleen Schröter vom Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut entgegen: "Nur der Mensch ist kreativ, nicht eine Künstliche Intelligenz. Und Schauspieler werden nie durch KI ersetzt werden."

Greenscreen längst etabliert

Wirklich? Dass die Arbeit der Darsteller sich massiv dadurch verändert hat, dass Computertechnologien immer mehr Einfluss auf die Schaffung von Filmwelten nimmt, ist offensichtlich. Nehmen wir nur das Stichwort Greenscreen-Technik. Der Schauspieler spielt vor einer grünen Leinwand, der später in der Postproduktion im Computer durch einen beliebigen anderen Hintergrund ersetzt wird.

Im Bonusmaterial zur "Der Kleine Hobbit"-DVD-Edition ist die Verzweiflung des großen Theater-Mimen Ian McKellen dokumentiert, wenn er sich für die Darstellung des Zauberers Gandalf vor einer grünen Leinwand abquält - ohne das Gegenüber der Schauspieler-Kollegen. Auch Ewan McGregor machte keinen Hehl daraus, was für eine unerquickliche Arbeit es für ihn war, als Jedi-Ritter Obi Wan Kenobi am Ende der "Star Wars"-Trilogie Baby Luke Skywalker seinem Onkel zu übergeben.

Lebendigkeit produziert Magie

"Das Baby war eine grüne Kiste", erinnert sich Ewan McGregor und ergänzt: "Das ganze Set war grün. Und ich hatte ein Plastik-Baby im Arm, ich war ja auf einer Eidechse hierher geflogen. Und der Regisseur schrie: 'Schau zu den Monden!'"

Eidechse und Monde waren im Kino dann natürlich in perfekter Realitätsanmutung zu sehen, und Baby Luke lebte. Klar! Ewan McGregor empfand es als langweilig, vier Monate lang "ins Nichts" zu agieren, ohne die Möglichkeit, mit anderen Menschen zu spielen. Ob CGI (Computer Generated Image) oder bald, in naher Zukunft KI - "Künstliche Intelligenz": Vielleicht sollte man nie unterschätzen, dass die Wirkung von Film-Geschichten vor allem auf dieser geheimnisvollen, mitunter magischen Kommunikation zwischen Schauspielern und ihrem Gegenüber beruht. Egal, ob es ein anderer Schauspieler, ein Tier, ein Baum, ein Fluss ist.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 28.02.2019 | 16:20 Uhr

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