VIDEO: Im Waschsalon mit Jimi Hendrix (3 Min)

Jimi Hendrix und die Schmutzwäsche: Skurriles im Waschsalon

Stand: 26.02.2021 10:05 Uhr

Jimi Hendrix war einer der größten Rockmusiker des vergangenen Jahrhunderts, ein Revolutionär an der E-Gitarre. Auf Hamburg-St.Pauli zeigt Jimis Waschsalon - Corona-konform - Fotos, Ausstellungsstücke, Skurriles aus Jimis Leben.

von Peter Helling

In Jimis Waschsalon schleudern die Waschmaschinen bis abends um 22 Uhr. 365 Tage im Jahr. Aber dieser Waschsalon ist anders, er ist nicht nur ein Ort für dreckige Wäsche. Jimis Waschsalon ist ein Kraftort, irgendwie elektrisch geladen. Jimi Hendrix hätte er wahrscheinlich gefallen, er hätte ihn seine "Electric Church" genannt, wie sein Album von 1970. "Im Moment sind wir sehr stolz, das ist das einzige Museum in Hamburg, das im Lockdown geöffnet hat", sagt Rasmus Gerlach, Künstler und Ausstellungsmacher. "Was aber natürlich damit zusammen hängt, dass die Leute hier ihre Wäsche waschen."

Zeitreise in die 60er-Jahre

Ausstellungsmacher und Künstler Rasmus Gerlach vor den Waschmaschinen. © NDR Foto: Peter Helling
"Das ist das einzige Museum in Hamburg, das im Lockdown geöffnet hat", freut sich Ausstellungsmacher Rasmus Gerlach.

Die psychedelischen Tapeten mit den Hippie-haften Spiralen in Rosa, die großen Fotos von Jimi Hendrix, auf denen er über die Bühne tobt: Alles hier ist eine Zeitreise in die späten Sechziger. Mit dem Charme einer WG. Ob er hier jemals seine Klamotten waschen ließ? Wer weiß? Immerhin, Jimi war ein paar Mal in Hamburg. Sogar auf der Fahrt zu seinem letzten Konzert auf Fehmarn 1970. "Genau eine Woche, bevor er nach Fehmarn reiste, da hat er gesagt, er möchte gerne in einem Waschsalon spielen. Und das war eben das Motto, warum dieser Waschsalon vor vielen Jahren als Kunstprojekt gegründet wurde."

"Elektrische Kirche" auf dem Kiez

Irgendwie hat dieser Ort etwas Magisches. Ein etwas vergilbter Stuhl, darauf hat er vor seinen Auftritten gesessen. Hendrix in Lebensgröße mit der Geste eines Bischofs und Sonnenblume als Pappkamerad auf einer der Maschinen. Hier, in dieser "elektrischen Kirche" auf dem Kiez, kommen ganz besondere Menschen zusammen, wie Rasmus Gerlach sagt. "Wie zum Beispiel einer, der sich Jesus nennt, manchmal kommt er im Sommer in einer Art Lendenschurz, und der wäscht dann seine Kleidung und meditiert hier in dieser besonderen Atmosphäre."

Erinnerungen an Jimi Hendrix

Rockmusiker Randall J. Brown und seine Produzentin Carol Pritchard © NDR Foto: Peter Helling
Randall J. Brown lässt sich von Jimi Hendrix inspirieren, Carol Pritchard kannte den Musiker persönlich.

Ein anderer Kunde versucht gerade, eine Münze in den Automaten zu stecken. Es klemmt erst, dann aber klappt's. In der Ecke des Salons sitzen ein Rockmusiker und seine Produzentin, beide hat Rasmus Gerlach eingeladen. Denn: Die beiden haben viel mit Jimi Hendrix zu tun. Er lässt sich von Jimis Musik inspirieren, sie hat ihn sogar mal getroffen: Carol Pritchard aus England. Das war Ende der Sechziger in Tanger in Marokko. Damals hat sie Jimi, der eigentlich ein ruhiger Mensch war, öfter auf der Straße gesehen. Sie hätten geplaudert, er habe immer mit einer Band namens Rolling Stones herum gehangen. Die seien ihre Nachbarn gewesen, sagt Carol mit leuchtenden Augen. Für sie war Jimi Hendrix einfach ein normaler, ein schöner Mensch. Mit Charisma.

Neben Carol Pritchard sitzt der US-amerikanische Musiker Randall J. Brown, der seit 2000 in Hamburg lebt. Er hat lange Rastafari-Locken, trägt einen schwarzen Cowboyhut. Er war in derselben militärischen Einheit wie Jimi Hendrix, 15 Jahre nach ihm - und entging nur knapp dem Einsatz in Vietnam. "Er hat Frieden gesucht, und er wollte unbedingt, dass der Krieg zu Ende ging", erzählt Brown.

Nur ein Flipper fehlt noch im Waschsalon

Wenn nicht Corona ist, tritt Randall J. Brown sogar in Jimis Waschsalon auf. Rasmus Gerlach lächelt, als passiere das hier öfter: Elektrisierende Begegnungen mit Hendrix-Fans. Für seine Ausstellung hat er noch einen Traum: "Wir träumen immer von einem Flipper, weil Jimi Hendrix so gerne geflippert hat, auf St. Pauli gab's eben einen bevorzugten Flipper, den er aufgesucht hat - und eigentlich gehört in einen gepflegten Waschsalon ein Flipper."

Wer beim Wäschewaschen tief in die Aura von Jimi Hendrix eintauchen will: Der St. Pauli Waschsalon in der Hein-Hoyer-Straße 12 ist 365 Tage im Jahr geöffnet, zwischen 9 und 22 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen
Jimi Hendrix auf der Bühne des "Love + Peace"-Festivals auf Fehmarn 1970. © picture-alliance / dpa Foto: Dieter Klar

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Kulturjournal | 25.02.2021 | 19:05 Uhr