Stand: 04.09.2020 11:38 Uhr

Hannover im Zeichen der Kunst

von Agnes Bührig

"Neues aus hannoverschen Ateliers", so lautet der Untertitel einer Ausstellungsreihe, die in Hannover in der Weißen Halle der Eisfabrik einmal im Jahr neue Werke von Künstlerinnen und Künstlern zeigt. In diesem Jahr geschieht dies in Kooperation mit der städtischen Galerie Kubus, die zugleich einer von 65 Orten ist, die heute und morgen am Zinnober-Wochenende der Kunst in Hannover besichtigt werden können.

Zu sehen ist das Werk "Im Brei" von Siegfried Neuenhausen (2019). © NDR Foto: Agnes Bührig
Zu sehen ist das Werk "Im Brei" von Siegfried Neuenhausen (2019).

Zinnober, so nannte Kurt Schwitters in den 1920er-Jahren seine Künstlerfeste in Hannover. Und gefeiert werden soll in diesem Jahr wieder: Die 23. Ausgabe des Zinnober-Wochenendes markiert eine Art konzentrierten Neustart der Kunstszene nach den starken Einschränkungen durch die Corona-Pandemie.

In den Werken der Künstlerinnen und Künstler spielte diese jedoch keine große Rolle, sagt Anne Prenzler vom Kulturbüro der Stadt Hannover: "Es gab in den Bewerbungen Arbeiten, die sich auf Corona bezogen haben. Ich würde mal sagen, es waren maximal zehn Prozent." Sie glaubt, dass sich für die meisten Künstlerinnen und Künstler, mit denen sie gesprochen hat, gar nicht so viel geändert habe. Sie würden auch sonst alleine in ihrem Atelier und unter prekären Bedingungen arbeiten, meint Prenzler.

Förderung der Stadt Hannover zeigt Wirkung

Zu sehen sind Tragetaschen aus Glasperlen, Sicherheitsnadeln und Draht, hergestellt von Shige Fujishiro. © NDR Foto: Agnes Bührig
Shige Fujishiro hat Tragetaschen aus Glasperlen, Sicherheitsnadeln und Draht hergestellt.

Anders das Verkaufen von Kunst, das in den letzten Monaten ohne Publikumsverkehr stark eingeschränkt war. Und so hat das Zinnober-Wochenende auch die Funktion einer großen Messe. Unter den 65 Orten sind Ateliers, Galerien und Ausstellungshäuser. Bekannte Akteure wie die Galerien Robert Drees, die Gedok und dieGalerie für Fotografie sind darunter, aber auch vier neue Kunstorte. Die "Meta Copy - Zentrale für Künstlerpublikationen" etwa will das aus der Mode gekommen Kunst-Buch wiederbeleben, "Tanke" nennt sich ein neuer Projektraum für Kunst in der Südstadt. Die vor vier Jahren verstärkte Atelier- und Projektraumförderung der Stadt Hannover zeige Wirkung, sagt Anne Prenzler:   

"Das Miteinander unter den jungen Künstlerinnen und Künstlern und auch unter denen, die hier sind und die schon länger hier sind und die von diesen neuen Impulsen vielleicht angeregt werden, das ist tatsächlich ein anderes geworden", erzählt sie. "Es hat sich auch so eine Interessensgemeinschaft der Projekträume und freie Kunst in Hannover gegründet, die sehr aktiv ist. Da ist ein Trend, würde ich sagen", so Prenzler.

Kubus Kooperativ gerade eröffnet

Zu sehen ist das Werk "Big Data" von Jan Neukirchen (2019). © NDR Foto: Agnes Bührig
Jan Neukirchens Kunstwerk trägt den Namen "Big Data" (2019).

Die Vielfalt der hannoverschen Kunstszene präsentiert die gerade eröffnete Ausstellung "Kubus Kooperativ" mit 27 unterschiedlichen Arbeiten. Sie reichen von der Textilarbeit in Form einer Kette aus Pferden von Anna Eisermann über Jan Neukirchens 3D-Plastiken auf gestapelten Archivkästen, wie wir sie aus archäologischen Sammlungen kennen, bis zur Textreihung BANF mit drei Fragen in drei verschiedenen Rahmungen von Constanze Böhm.

"Ich arbeite sehr seriell und mache mir immer Settings, wo ich mir verschiedene Dinge erprobe und mich nicht so sehr auf eins fokussiere, sondern wirklich versuche, etwas an mehreren Blättern zu entwickeln", erklärt Böhm. "Da mache ich mir dann ein Setting mit einem Format, überlege mir Farben und exerziere das dann durch." Das sei ihr bei ihrer Arbeit sehr wichtig.

Sehnsucht nach dem Analogen

Joanna Schulte trägt einen Mund-Nasen-Schutz und steht vor drei in Bilderrahmen ausgestellten Ersttagsbriefen. © NDR Foto: Agnes Bührig
Bei Joanna Schultes Kunstwerk geht es um die Vergeblichkeit, demanden zu suchen, den man nicht finden kann.

Die Serie ist das Thema der Ausstellung. Joanna Schulte, Jahrgang 1969, zeigt sie an einer beeindruckenden Sammlung von Ersttagsbriefen aus der DDR. Bunt und verschieden groß prangen da Briefmarken aus verschiedenen Jahrzehnten auf dem Papier.

Als Adressat hat die Künstlerin schlicht "An Oliver" draufgeschrieben und sie erneut auf den Postweg geschickt. "Ich habe die dann mit aktuellen Briefmarken, die inhaltlich oder farblich, ästhetisch zusammen passen kombiniert. Es geht auch um diese Vergeblichkeit, jemand zu suchen, den man nicht finden kann, es geht um einen Ort, den es nicht mehr gibt und um eine Person, die es nicht mehr gibt", erläutert die Künstlerin.

Es ist die Sehnsucht nach dem Analogen, die aus den Arbeiten dieser Ausstellung spricht. Zu hoffen bleibt, dass jetzt auch der persönliche, analoge Kontakt mit dem Publikum wieder in Gang kommt.

Hannover im Zeichen der Kunst

Am Zinnober-Wochenende der Kunst präsentieren Künstlerinnen und Künstler in Kooperation mit der städtischen Galerie Kubus an 65 Orten in Hannover ihre Kunstwerke.

Datum:
Ende:
Ort:
Innenstadt Hannover
30159Hannover
Preis:
kostenlos, wenn im Programm nicht anders aufgeführt
Öffnungszeiten:
11 bis 19 Uhr
Hinweis:
Das Programm kann auf der Website der Stadt Hannover heruntergeladen werden.
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 05.09.2020 | 06:40 Uhr