Stand: 24.10.2018 08:40 Uhr

Ernst Barlach, Visionär des 20. Jahrhunderts

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Der Bildhauer, Grafiker und Dichter Ernst Barlach (1870-1938) in einer Aufnahme aus dem Jahr 1928.

Der Sieg des Geistigen über das Irdische - ein Grundmotiv im bildnerischen und dichterischen Schaffen Ernst Barlachs. Am 24. Oktober 1938 starb der Künstler in Rostock. Seine Kunst, die zwischen Realismus und Expressionismus angesiedelt ist, verkündetet die Botschaft von der Geburt eines neuen Menschen. Neben Skulpturen aus Holz und Bronze, umfasst sein Werk Druckgrafiken, Zeichnungen sowie Theaterstücke und Romane.

Die Entdeckung des eigenen Stils

Geboren wurde Ernst Barlach am 2. Januar 1870 in Wedel bei Hamburg als Sohn eines Arztes. In Hamburg besuchte er die Allgemeine Gewerbeschule und in Dresden die Königliche Akademie der Bildenden Künste bis 1895.

Nach Aufenthalten in Paris und Berlin brachte eine Russlandreise im Jahre 1906 die entscheidenden Anstöße für seine bildhauerische Arbeit. Schon bei seinen ersten Arbeiten nach diesem künstlerischen Erlebnis, dem sitzenden "Steppenhirten", dem "Sitzenden Weib" oder der "Russischen Bettlerin" wurde deutlich, dass er seinen eigenen Stil, seine eigene Form gefunden hatte.

Den Norddeutschen zog es nach Mecklenburg

1907 schloss Barlach mit dem Kunsthändler Paul Cassirer einen Vertrag ab, der ihm ein gesichertes Leben ermöglichte. 1909 ging er als Stipendiat des Deutschen Künstlerbundes nach Florenz. Neun Monate lang hat sich Barlach im dortigen deutschen Künstlerhaus aufgehalten. Zu den Hauptwerken, die Barlach in Italien schuf, gehören: "Der Zecher" sowie die "Sternendeuter" I und II (stehend und sitzend).

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Das Atelierhaus des Bildhauers Ernst Barlach in Güstrow. Seit 1978 werden in dem als Museum eingerichteten Haus Arbeiten Barlachs gezeigt.

Aber der Norddeutsche fühlte sich in Mecklenburgischer Landschaft, in Güstrow, wohler. 1910 ging er nach Güstrow, wo er achtundzwanzig erfüllte, aber zuletzt auch leidvolle Jahre verbrachte. Holzarbeiten entstanden, wie etwa "Der Wanderer im Wind", "Lesende Klosterschüler", der "Fries der Lauschenden" und der berühmte "Schwebende Engel", eine bronzene Skulptur, deren Erstguss verloren ist und von der heute drei Nachgüsse existieren.

Es entstanden auch Theaterstücke, die eine Botschaft trugen: die Verzweiflung über die Degradierung des Menschen, das Verbannen in die Hölle des Lebens, wo Freiheit zumindest fraglich ist. Diese Stücke: "Der blaue Boll", "Die gute Zeit", "Der tote Tag" oder "Der arme Vetter" erwiesen sich auf der Bühne jedoch als zu sperrig.

Plastische Darstellung menschlichen Leids

1924 wurde Barlach mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet. Er war inzwischen zu einem der etabliertesten Künstler in Deutschland geworden. Bei der Umsetzung von Kriegerehrenmalen hatte er einen ganz neuen Weg beschritten, weg von der Heroisierung des Soldatentodes, hin zur Darstellung von Leid, Tod und Unterdrückung. Die berühmten Ehrenmale in Hamburg, Magdeburg und Güstrow aus den 1920er-Jahren zeigen deshalb auch keine Helden, sondern leidende Menschen.

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Der "Geistkämpfer" - die weltberühmte Skulptur von Ernst Barlach vor der Kieler Nikolaikirche.

Genau das passte den erstarkenden Nationalsozialisten nicht. Anfang der 30er-Jahre beginnt für den Künstler eine schlimme Zeit. Die Werke Barlachs gerieten zunehmend in die Kritik. Rechte Kreise griffen sie als "entartet" an. 1937 wurden 381 seiner Arbeiten aus Museen und öffentlichen Räumen in Deutschland entfernt, darunter auch der "Schwebende Engel" aus dem Güstrower Dom und der "Geistkämpfer" in Kiel. Ernst Barlach zog sich zunehmend zurück.

Am 24. Oktober 1938 starb der Bildhauer, Schriftsteller und Zeichner nach einem Herzinfarkt in einer Rostocker Klinik. Die Stadt Güstrow ernannte ihn posthum zum Ehrenbürger.

Ein altes Radio © picture-alliance/KPA/Wolfram Weber Foto: Wolfram Weber

Ernst Barlach und die Nazis

NDR Info -

Sieben Tage vor Hitlers Machtantritt 1933 hält Barlach die Rundfunkrede gegen den Faschismus "Künstler zur Zeit". Eine Dokumentation des NDR vom 16.11.1986.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 13.10.2018 | 11:00 Uhr

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