Stand: 06.11.2013 21:18 Uhr  | Archiv

"Entartete Kunst": Angriff auf die Moderne

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Beschlagnahmt, vernichtet und veräußert: Kunst des Expressionisten Franz Marc.

Im Dritten Reich war "entartete Kunst" die offizielle und auf der Rassentheorie beruhende Bezeichnung, mit der nahezu die gesamte Moderne Kunst diffamiert werden sollte. Kunstwerke, die mit dem Kunstverständnis und dem Schönheitsideal der Nationalsozialisten nicht in Einklang zu bringen waren: Expressionismus, Dadaismus, Neue Sachlichkeit, Surrealismus, Kubismus oder Fauvismus. Als "entartet" galten unter anderem die Werke von George Grosz, Ernst Ludwig Kirchner, Max Ernst, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein, Paul Klee, Otto Griebel oder Ernst Barlach.

Propaganda-Ausstellung sollte Abscheu erregen

Mehr als 16.000 Werke der "Verfallskunst" wurden in deutschen Museen beschlagnahmt. 1937 initiierte Joseph Goebbels in München eine Ausstellung mit dem Titel "Entartete Kunst". 650 konfiszierte Exponate wurden dabei mit Zeichnungen von geistig Behinderten gleichgesetzt und mit Fotos verkrüppelter Menschen kombiniert, die bei den Besuchern Abscheu und Beklemmungen erregen sollten. Bis April 1941 wanderte sie in zwölf weitere Städte und zog über drei Millionen Besucher an.

Ein Teil der beschlagnahmten Werke wurde 1939 in einer öffentlichen Auktion der Galerie Fischer in Luzern versteigert, andere Werke wurden im selben Jahr in Berlin verbrannt. Viele der deutschen Künstler erhielten Ausstellungs- und Arbeitsverbot, einigen gelang es zu emigrieren.

Auch Musik der Moderne diffamiert

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Auch Swing, Jazz und Musik jüdischer Künstler widersprach der Nazi-Ideologie und wurde als "entartet" verfolgt.

Neben den bildenden Künstlern wurden auch Komponisten als "entartet" gebrandmarkt. Moderne Musik wie der Swing oder der "Nigger-Jazz" wurden auf der am 24. Mai 1938 eröffneten Ausstellung "Entartete Musik" ebenso rücksichtslos diffamiert wie der "Musikbolschewismus" von international bekannten Komponisten wie Hanns Eisler, Paul Hindemith oder Arnold Schönberg.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | ZeitZeichen | 29.06.2015 | 20:15 Uhr

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