Blick auf die Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK). © picture alliance/Daniel Bockwoldt/dpa Foto: Daniel Bockwoldt

Die Frida Kahlo von morgen: Kunst-Studium in der Corona-Krise

Stand: 15.02.2021 13:19 Uhr

Die Jahresausstellung der Hochschule für Bildende Künste Hamburg fällt 2021 wegen der Corona-Pandemie aus. Wie wird man trotzdem der Picasso oder die Frida Kahlo von morgen?

von Franziska Storch

In der Hochschule für Bildende Künste Hamburg entsteht die Kunst von morgen. Eine Vorschau bietet jeden Februar die Jahresausstellung. Was bedeutet Corona für die Studierenden und die Jahresausstellung? Kristina Savutsina ist Fotografie-Studentin. "Ich musste mein Auslandssemester in New York abbrechen wegen Corona, aber dann konnte ich von Deutschland aus weitermachen", berichtet sie. Sie konnte über Videokonferenzen und Online-Angebote sogar in New York und Hamburg gleichzeitig Kunst studieren. Sie besuchte Theorie-Seminare zu Frauen in der Kunst oder Bildern von Viren. Im Zentrum ihres Studiums steht aber das Kunstmachen.

Corona-Krise: Online-Shop statt Jahresausstellung

"Das Studium an der HFBK ist sehr praxisorientiert. Also, ein Student hat immer ein Vorhaben und entwickelt dieses Projekt, indem er Skizzen oder schon irgendwelche Objekte schafft, und dann entwickelt sich dieses Projekt im Gespräch mit Professoren und Kommilitonen." Gerade durch diesen Austausch lernen die Studierenden. Sie merken, wie andere ihre Arbeiten sehen, welche Fragen sie haben, bekommen Tipps und Kritik. Jetzt in Corona-Zeiten läuft das über Videokonferenzen von zu Hause. Als klar wurde, dass durch Corona die Hamburger Kunsthochschule ihre Jahresausstellung nur online machen kann, entstand in der Foto-Klasse die Idee zu einem Online-Shop, denn für den muss man Fotos machen.

Neue Sichtweise: Kunst als Produkt anbieten

"Diese Idee mit Web-Shop und Foto-Klasse zeigt, dass es eine sehr neue Sichtweise gibt. Für mich war es überraschend, über manche Sachen nachzudenken, über Edition, über Preise, über Produktform, über die Präsentation dieser Produktform." Kunst zu verkaufen spielt sonst im Studium keine Rolle, genauso wenig wie der Berufseinstieg nach dem Studium. Damit ist Kristina Savutsina einverstanden, denn das schränke die Freiheit und Experimentier-Lust ein.

Savutsina entwickelt Lineal zum Messen von Hämatomen

Für den Internet-Shop hat sie ein ganz besonderes Aluminium-Lineal gebaut und fotografiert. "Ein medizinisches Lineal, womit man Hämatome, also blaue Flecken misst, deren Größe und Alter. Denn diese Lineal hat nicht nur Millimeter- und Zentimeteranzeige, sondern auch eine Farbpalette. Und mit dieser Farbpalette kann man abgleichen, wie alt dieses Hämatom ist", erklärt Savutsina ihr Produkt. "Solche Lineale gibt es schon, aber ihres fängt erst bei der Zahl 16 an, ist also als Verlängerung für riesige blaue Flecken gedacht, denn diese Arbeit beschäftigt sich mit Polizeigewalt in Belarus, dem Land, wo ich herkomme und wo seit August und bis jetzt immer noch eine aktive demokratische, anti-autoritäre Bewegung stattfindet, die ganz hart mit Polizeigewalt unterdrückt wird."

Geld aus Online-Shop an Hilfsorganisation in Belarus

Von den heftigen Blutergüssen der Opfer gibt es viele Fotos online. Ein paar davon sieht man auch im Shop der Foto-Klasse, wo man das besondere Lineal kaufen kann. Das Geld will die Studentin an Hilfsorganisationen in Belarus spenden. Ihre Kunst ist kein Hirngespinst, sondern reagiert auf harte Realität. "Kunst erlaubt, in viele Bereiche Einblick zu bekommen oder zu verschaffen. Grundsätzlich habe ich von Kindheit an sehr vielfältige Interessen und interessiere ich mich einen Tag für Biologie und am anderen Tag für Fremdsprachen. In der Kunst kann ich das alles verbinden."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 12.02.2021 | 19:00 Uhr