Stand: 15.06.2020 14:20 Uhr

"Alle Sachen, die ich mache, sind langsam"

von Benedikt Scheper

Junge Künstler stehen manchmal vor einem Dilemma. Einerseits wünschen sie sich, dass ihre Kunst gesehen wird. Andererseits sind viele so selbstkritisch, dass sie sich ungern den Medien präsentieren. Besonders ein Besuch im Atelier ist für viele ein Tabu. Doch bei einem Hamburger Maler ist das anders. Timo von Eicken ist über die Jahre vom Streetart-Künstler zum veritablen Maler mit Auslandsausstellungen aufgestiegen. Benedikt Scheper hat ihn für NDR Kultur getroffen.

Der Künstlers Timo von Eicken schaut auf einer Messe in Hamburg in die Kamera. © Imago /dpa Foto: Georg Wendt
Timo von Eicken wurde 1977 in Hamburg geboren.

Kräftiger Duktus und grelle Farben - der Stil Timo von Eicken ist einmalig und erinnert, wenn überhaupt, an Neo Rauch oder Norbert Bisky. Seine neueste Arbeit ist dabei unbewusst aktuell: Sie zeigt maskentragende Wesen im Supermarkt. Eine sozialkritische Lesart ist bei einzelnen Bildern möglich, aber nicht unbedingt beabsichtigt.

Anfangs sprayte Timo von Eicken, war Teil der Hamburger Subkultur. Doch Graffiti gehöre nicht in eine Galerie, fand der Hamburger. Zunächst produzierte er unter dem Pseudonym "Mr. Nonski" Grafik. Ein aus geometrischen Flächen zusammengesetzter Mann mit schmalem Oberlippenbart erinnert an der Atelier-Wand an diese Zeit, über die der Maler heute kaum noch spricht.

Bildliche Spannung statt Perfektion

Zu lange liegt sie für den 43-Jährigen schon zurück. Denn bald schon folgte damals, als von Eicken parallel als Illustrator in der Werbung erfolgreich war, der nächste kreative Impuls: Er wollte freier Künstler werden. Die Anfänge aber sind bis heute in seiner Malerei sichtbar.

Die Gemälde entstehen oft nach Collagen alter Fotos. So steht mal ein Bergsteiger in orangefarbener Expeditionskleidung einer schönen Frau aus den 50er-Jahren in Rollschuhen gegenüber. Mal springt ein Känguru aus einem alten Golf, auf dessen Dach ein junger schwarzer Mann sitzt, dessen Kleidung ebenfalls einem anderen Jahrzehnt entstammt. Gegensätzliches zu kombinieren, fasziniert Timo von Eicken. Er will bildliche Spannung statt Perfektion erzeugen.

Intensive Farben, vieldeutige Inhalte, fantastische Bilderwelten

Schnelle Erfolge mit den Bildern auf dem Kunstmarkt waren dem Maler nie wichtig, auch wenn ihn das zunehmende internationale Interesse freut. So wurden seine Bilder bereits in Schweden gezeigt und gerade läuft eine Ausstellung in Dänemark. Vielleicht liegen die Qualität und die Begeisterung von Sammlern für seine Werke an der Zeit, die Timo von Eicken sich und seiner Kunst gerne lässt: "Alle Sachen, die ich mache, sind langsam. Wenn man damit weiter in der Welt erfolgreich wird, bin ich zufrieden", stellt er fest.

Intensive Farben und vieldeutige Inhalte prägen die fantastischen Bilderwelten, die Timo von Eicken in seinem kleinen Altonaer Atelier produziert. Die nächste große Solo-Ausstellung in Hamburg ist bereits für den Spätsommer geplant.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 15.06.2020 | 14:20 Uhr