Zuschauer in einem Theaterraum mit coronabedingtem Abstand im Zuschauerraum. © picture alliance/dpa Foto: Fabian Strauch

Corona-Öffnungen im Kulturbereich: Nicht alle machen mit

Stand: 04.06.2021 11:25 Uhr

Dank sinkender Corona-Zahlen dürfen in Niedersachsen nach den Museen und Galerien in dieser Woche auch Kinos, Theater und Clubs unter Auflagen wieder öffnen. Euphorie macht sich aber nicht bei allen Kultureinrichtungen breit - einige wollen oder können noch nicht öffnen.

von Janek Wiechers

"Das Kult" ist ein kleines Theater neben einer ehemaligen Klavierfabrik in Braunschweig. 90 Plätze hat der Saal mit dem abgeschabten Holzboden und hohen, geteilten Industrie-Fenstern. Theoretisch könnte der Ein-Mann-Betrieb von Theaterbetreiber Thomas Hirche jetzt wieder eigene Produktionen zeigen und Gastspiele beherbergen. Allein, die Gäste wollen noch nicht so recht wiederkommen. Es seien kaum Karten für die Angebote verkauft worden, die im Juni auf der Internet-Seite des Theaters angeboten wurden, sagt Hirche. "Da habe ich alle Künstler angerufen und gesagt, 'ihr braucht jetzt nicht aus Berlin, Köln, Bonn anreisen, weil kaum jemand sich traut ins Theater zu gehen.'"

Corona-Lockerungen: Publikum ist noch zurückhaltend

Theatermacher Hirche kann die Zurückhaltung seines Publikums durchaus verstehen - trotz vorgeschriebener Abstände, Maskenpflicht und Lüftungskonzepten. Zu groß sei offenbar die Skepsis, dass es vielleicht schon bald wieder vorbei sein könnte mit den guten Inzidenzwerten. Und auch, wenn Hirche seinen Theatersaal lieber heute als morgen wieder aufmachen würde - er hat reagiert und hegt jetzt andere Pläne. Eine Open-Air-Veranstaltung im Juli und August ist in Vorbereitung. "Damit die Leute sich sicherer fühlen."

Braunschweiger Kunsthaus bleibt vorerst noch zu

Auch andernorts lassen Kulturschaffende in Braunschweig eher Vorsicht walten, als die Dinge zu überstürzen. Beispiel: der Bund Bildender Künstlerinnen und Künstler für Niedersachsen. Er macht seine Ausstellungsgalerie, das Kunsthaus BBK, noch nicht wieder auf. In dem klassizistischen Torhaus werden bis auf Weiteres erst einmal keine Ausstellungen zu sehen sein, wie Geschäftsführerin Julia Taut erklärt: "Unser Kunsthaus hat fünf kleine Räume und knappe 100 Quadratmeter. Und dementsprechend ist das schon schwierig, hier eine Ausstellung einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Wir werden auch im Juli wieder öffnen. Aber weiter mit großer Vorsicht." Derzeit habe es auch logistische Gründe, dass noch nicht geöffnet würde. "Aber auch, dass wir eben anders denken."

"Anders denken" heißt beim BBK Braunschweig, auch dann zu bleiben, wenn andere längst aufmachen. Eine besonders vorsichtige Haltung, die bereits seit Monaten die Arbeit bestimmt: "Das hieß, dass wir zu einem Zeitpunkt, als das Öffnen schon wieder möglich war, gesagt haben, 'wir bleiben noch zu, ansonsten müssen wir in zwei Wochen ohnehin wieder schließen.' Und genauso war es dann auch. Dieses Pendeln um diese 100er-Inzidenz-Grenze - wir hatten uns entschlossen, das nicht mitzumachen.

Ausstellungen in Braunschweiger Kirchen geplant

Diese spezielle, besonders ausgeprägte Vorsicht kommt nicht ganz von ungefähr. Sie hat auch mit dem engen Kontakt zu einem prominenten deutschen Epidemiologen zu tun. "Unsere erste Vorsitzende ist mit Michael Meyer-Hermann verheiratet, dem Leiter für System-Immunologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Und ein sehr kompetenter Berater." Bei ihm habe sich in der vergangenen Zeit immer wieder rückversichert, sagt Taut. Meyer-Herrmann sei ein Verfechter der Null-Covid-Theorie - "und dementsprechend mahnt er, auch weiterhin vorsichtig zu sein."

Die nächste große Schau des BBK Braunschweig mit Arbeiten von Künstlerinnen und Künstler aus Niedersachsen wird Ende des Monats unter dem Titel "art to believe" in Kirchen der Stadt zu sehen sein. Die bieten im Sinne der Ausstellungsmacher viel Platz und Luft - und somit genügend Sicherheit.

LOT-Theater: Vorsicht als alles bestimmende Maxime

Vorsicht ist auch bei der freien Bühne LOT- Theater in Braunschweig die alles bestimmende Maxime. Sie würde gerne jetzt wieder für das Publikum öffnen, sagt Sprecher Moritz Geneit. Doch dass das jetzt noch nicht geht, sondern die ersten analogen Vorstellungen erst im Juli kommen werden, hat beim L.O.T. Theater ganz praktische Gründe: "Die aktuellen Produktionen, die jetzt im Juli gelaufen wären, sind digital vorproduziert, auf Online-Formate. Es wäre zu aufwendig, das jetzt auf die Bühne zu bringen." Von jetzt auf gleich sei das nicht ohne Weiteres machbar.

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NDR Kultur | Matinee | 04.06.2021 | 06:20 Uhr