Stand: 05.06.2020 12:10 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Büdelsdorf ohne NordArt: Kunst gibt es trotzdem

von Iris Guhl
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Die NordArt mit zeitgenössischer Kunst wird es dieses Jahr in Büdelsdorf nicht geben.

Eigentlich war die Eröffnung in Büdelsdorf für Sonnabend geplant, mit festlichen Grußworten, prickelnden Getränken und vielen "Ahhs" und "Ohhs". Doch schon im März fiel die Entscheidung, die NordArt in diesem Jahr aufgrund der Coronavirus-Pandemie abzusagen. Dass das riesige Event mit Künstlern aus aller Welt ausfällt, die in der Carlshütte ihre teils spektakulären Werke zeigen und Jahr für Jahr mehr als 100.000 Gäste anlocken, schmerzt sowohl die Macher als auch viele Kunstfreunde. Doch Kunst wird in Büdelsdorf dennoch geboten.

Normalerweise kein Sommer ohne NordArt

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Chefkurator Wolfgang Gramm rechnet mit einer Million Euro Verlust.

Das Tor zum Skulpturenpark ist zu, die Türen zur alten Gießerei abgeschlossen. Die großen Industriehallen sind leer geräumt bis auf ein paar Kunstwerke, die noch nicht abgeholt sind. Dick in Folie verpackt und auf Paletten verschnürt warten sie auf den Rücktransport. Einen Sommer ohne NordArt, das habe es in 20 Jahren noch nicht gegeben, sagt Chefkurator Wolfgang Gramm: "Die Planungsteams sind natürlich traurig, das ist ja logisch." Unter Auflagen oder "nur ein bisschen" zu öffnen wäre aus seiner Sicht nicht möglich gewesen, der Aufwand allein an Sicherheitspersonal in den riesigen Fabrikhallen zu groß.

Auch Skulpturenpark bleibt geschlossen

Denn die NordArt rechnet sich nur, wenn die Besucherzahlen stimmen. Darum bleibt auch der Skulpturenpark in diesem Jahr geschlossen. "Wenn ich das umrechne, müsste jeder unserer Besucher rund 200 Euro bezahlen, damit er überhaupt in den Park dürfte." Die finanzielle Lage sei grausam, sagt Gramm, der mit einer Million Euro Verlust rechnet. Trotzdem laufen die Planungen fürs nächste Jahr, wo der Länderfokus auf der Ukraine liegen soll. Mit einem filmischen Rückblick auf die vergangenen Jahre wird die Wartezeit verkürzt.

Kunst gibt es in Büdelsdorf trotzdem

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Dafür gibt es im Eisenkunstguss Museum Büdelsdorf Kunst aus dem 19. Jahrhundert zu sehen.

Gegenüber der NordArt liegt das Eisenkunstguss Museum, das mit zeitgenössischer Kunst gar nichts zu tun hat. Dafür aber mit der Carlshütte: Das Museum, das zu den Landesmuseen Schleswig-Holstein gehört, zeigt viele Stücke der Sammlung von Käte Ahlmann, der bekannten früheren Gießereichefin. Und das in einem sehr modernen Ambiente. Museumsleiterin Thekla Hansen erklärt die Kunstwerke: "Wir haben hier eine ganz schöne Installation. Gläserne Würfel, die wie schwebend aufgehängt sind im Raum, in den einzelnen Würfeln werden einzelne zarte Schmuckstücke präsentiert." Anhand dieser Schmuckstücke könne man zeigen, "wie bewundernswert die Technik im 19. Jahrhundert war".

Eisenkunstguss als politisches Statement

Begeistert zeigt Hansen ein zartes, aufwendig gearbeitetes Collier mit Blättern und Rosenblüten: "Das war nicht nur künstlerisch hochwertig und wahnsinnig technisch versiert, sondern das war auch ein politisches Statement", erklärt sie. Hintergrund sei ein Aufruf zu den Befreiungskriegen gewesen: Die Männer hätten ihren Goldschmuck abgeben sollen und als Belohnung den Eisenschmuck bekommen. "Wenn dann eine Frau in der Gesellschaft ihren Eisenschmuck präsentierte, dann wusste man: Ah, sie hat die Befreiungskriege unterstützt und ist eine Patriotin."

Geschichten aus dem 19. Jahrhundert

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Hirsche aus Eisen gaben vor 200 Jahren Landhäusern einen herrschaftlichen Touch.

Diese und eine ganze Reihe anderer Geschichten sind in dem kleinen, aber feinen Eisenkunstguss Museum zu entdecken. Dazu Gartenmöbel, reich verzierte Öfen oder knieende Hirsche, die einem Landhaus einen herrschaftlichen Touch geben sollten. Kaum vorstellbar: Vor 200 Jahren war Eisenguss so alltäglich wie heute Plastik. "Es war damals wirklich das Mittel der Wahl, es war günstig und konnte in alle möglichen Formen gegossen werden", erzählt Hansen. "Vom Haushaltsgegenstand bis zum feinen Kunstgegenstand, alles aus Eisenguss."

Das Eisenkunstguss Museum in Büdelsdorf ist täglich außer montags von 12 bis 17 Uhr geöffnet.

Eisenkunstgussmuseum

Ahlmannallee 5
24782 Büdelsdorf
(04331) 43 70 340

Öffnungszeiten:
Di - Sa 12 bis 17 Uhr
So 10 -17 Uhr

Eintrittspreise und weitere Informationen auf der Website des Museums

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 05.06.2020 | 20:00 Uhr

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