Stand: 18.12.2018 16:40 Uhr

Andreas Beitin wird Leiter des Kunstmuseums Wolfsburg

Das Kunstmuseum Wolfsburg bekommt einen neuen Chef: Der Kunsthistoriker Andreas Beitin übernimmt die Leitung zum 1. April 2019, das haben die Verantwortlichen bestätigt. Das Museum hatte sich von dem bisherigen Direktor Ralf Beil im Unfrieden getrennt. Nun gibt es eine Interimsphase und dann kommt im Frühjahr der neue Chef, der jetzt noch Direktor des Ludwig Forums für Internationale Kunst in Aachen ist.

Herr Beitin, wie groß ist die Herausforderung, das Kunstmuseum Wolfsburg quasi von jetzt auf gleich zu übernehmen?

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Andreas Beitin stammt aus Uetersen und studierte Kunstgeschichte in Münster.

Andreas Beitin: Die Herausforderung hält sich in Grenzen, weil ich schon einen gewissen Vorlauf hatte. Ich habe mir auch viele Gedanken gemacht, was für Ausstellungsmöglichkeiten oder Programme ich entwickeln könnte. Insofern bin ich vorbereitet. Das Team arbeitet ja auch schon an einer Jubiläumsausstellung, die die Sammlung in den Fokus rücken wird. Es ist schon abgepuffert und genug Zeit, auch Weiteres vorzubereiten.

Die Ausstellungen, die Sie machen, werden hochgelobt - im vergangenen Jahr haben Sie für die Ausstellung "Mies van der Rohe: Die Collagen aus dem MoMA" den renommierten Justus Bier Preis für Kuratoren gewonnen. Das Ludwig Forum ist auch Museum des Jahres. Sie haben die Besucherzahlen deutlich gesteigert. Was machen Sie anders als die Konkurrenz?

Beitin: Gute Frage - die kann ich vielleicht selber am schwersten beantworten. Also, ich würde darauf antworten: die richtigen Themen zum richtigen Zeitpunkt und unter den richtigen Bedingungen zu präsentieren. Ich habe ja im Sommer auch eine große 68er-Ausstellung gemacht, das war immerhin die einzige Ausstellung in einem Kunstmuseum zu dem revolutionären Jahr 1968, die eben auch entsprechend gut aufgenommen worden ist. Auch die wurde als Ausstellung des Jahres ausgezeichnet. Es ist schon die bestimmte Mischung, bestimmte Positionen aus dem künstlerischen Bereich zu präsentieren, die einfach eine hohe gesellschaftliche oder sogar gesellschaftspolitische Relevanz haben. Das ist das, was mich eigentlich interessiert. Vielleicht kann ich mir das zugute halten, dass ich da eine gewisse Sensibilität habe, die dazu beiträgt, die richtigen Dinge zum richtigen Zeitpunkt zu machen.

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Sie sind noch keine drei Jahre Direktor des Ludwig Forums - was hat das Kunstmuseum Wolfsburg, was sie in Aachen vielleicht nicht haben?

Beitin: Zuerst mal sind die Rahmenbedingungen insgesamt sehr gut. Ich kenne das Haus von vielen Besuchen und war immer wirklich sehr begeistert, was man mit dieser riesengroßen Halle alles machen kann. Das Team hat in den letzten Jahren wirklich tolle Ausstellungen gemacht, auch schon vor Herrn Beils Leitung. Wenn ich beispielsweise an die wunderbare Giacometti-Ausstellung zurückdenke, die vor einigen Jahren dort gelaufen ist, die wirklich dazu beigetragen hat, Giacometti ganz neu zu sehen. Diese großen Räume stellen für mich jetzt auch keine so große Herausforderung dar, weil ich, bevor ich nach Aachen gekommen bin, elf Jahre im Zentrum für Kunst und Medien gearbeitet habe. Dort hatten wir auch riesengroße Lichthöfe, die ich ganz gut in den Griff bekommen habe. Ich freue mich wirklich sehr, mit dem Team zusammen ein tolles Programm zu entwickeln, um einfach die Menschen in der Stadt, in der Region aber natürlich auch darüber hinaus das internationale Publikum anzusprechen.

Ihr Vorgänger Ralf Beil hat mit einer anklagenden E-Mail darauf reagiert, dass er freigestellt wurde. Ich könnte mir vorstellen, dass es nicht gerade einfach ist, das Haus in so einer Grundstimmung zu übernehmen - und das auch noch im 25. Jubiläumsjahr. Aber die künstlerische Freiheit, die ihr Vorgänger in Wolfsburg vermisst hat, die sehen Sie im Gegensatz zu ihm offenbar gegeben?

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Beitin: Ich habe keine Bedenken, dass ich da nicht die ausreichende Freiheit bekomme. Für die "Oil"-Ausstellung, die von Ralf Beil vorbereitet worden ist, gibt es im Januar ein Treffen, da werden wir schauen, ob und wie wir die Ausstellung realisieren können. Von meiner Seite aus ist da eine große Offenheit. Und was die grundsätzlichen Bedingungen des Ausstellungmachens dort angeht, auch da habe ich keine Anhaltspunkte, dass ich da nicht ausreichend genug Freiheit habe.

Sie sind gelernter Gärtner, haben ihr Abitur auf dem Abendgymnasium gemacht und dann Kunstgeschichte studiert. Inwieweit prägt Sie dieser Lebensweg als Ausstellungsmacher?

Beitin: Relativ wenig. Ein Psychologe würde es vielleicht anders interpretieren. Natürlich ist es kein gradliniger Lebensweg. Man kann es aber auch nicht zurückdrehen. Einerseits waren das sicherlich gute und entscheidende Erfahrungen, die ich gesammelt habe. Ich würde mich auch heute noch als sehr naturverbunden bezeichnen. Aber trotz allem würde ich schon sagen, dass das mit meinem aktuellen Interesse oder wie ich Ausstellung konzipiere dennoch relativ wenig zu tun hat.

Andreas Beitin vor einem Werk von Jean Michel Basquiat Ishtar, 1983. © VG Bild-Kunst Foto: Carl Brunn

Andreas Beitin wird Chef im Kunstmuseum Wolfsburg

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Andreas Beitin wird neuer Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg. Im Gespräch mit Philipp Cavert erzählt er, was ihn nach Niedersachsen zieht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 18.12.2018 | 16:40 Uhr

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