Thorben Diederichsen spielt Cello © NDR.de Foto: Miriam Stolzenwald

20 Jahre IFF: Wo schon Levit und Mallwitz gefördert wurden

Stand: 25.11.2020 17:19 Uhr

Es war in Deutschland das erste seiner Art - und hat schon Talente wie Igor Levit und Joana Mallwitz gefördert. Nun feiert das Institut zur Frühförderung musikalisch Hochbegabter in Hannover Jubiläum.

von Miriam Stolzenwald

Vor genau 20 Jahren hat die Musikhochschule in Hannover das Institut zur Frühförderung musikalisch Hochbegabter (IFF) ins Leben gerufen. Hier bekommen talentierte junge Musikerinnen und Musiker noch vor dem Studium eine fundierte musikalische Ausbildung. Damals war das IFF deutschlandweit das erste Institut dieser Art. Heute haben 20 der 24 Musikhochschulen bundesweit ebenfalls ein Frühförder-Programm eingerichtet. Trotzdem kommen Kinder aus der ganzen Republik und auch aus dem Ausland ans IFF.

Junge Musiktalente: Förderung so früh wie möglich

10.000 Stunden etwa muss man an seinem Instrument üben, um eine Aufnahmeprüfung für das Musikstudium zu bestehen. Deshalb ist es wichtig, so früh wie möglich mit der Förderung eines jungen Musiktalents anzufangen. Am IFF können Kinder ab 13 Jahren eine Aufnahmeprüfung für das Frühstudium machen.

Martin Brauß, der Direktor des Instituts für Früh-Förderung musikalisch Hochbegabter posiert vor einer Wand © NDR.de Foto: Miriam Stolzenwald
IFF-Direktor Martin Brauß erzählt, dass die jungen Musiker durch die Corona-Pandemie auch Zukunftssorgen plagen.

Für die Kommission und den Direktor Martin Brauß keine leichte Aufgabe, unter den Talenten auszuwählen: "Wir schauen und hören uns die Kinder und Jugendlichen an. Sie spielen auf ihrem Instrument und zeigen uns bei wirklich anspruchsvollen Gehörbildungsaufgaben, was sie hören. Und wir versuchen daraus ein Gesamtgefühl für diesen jungen Menschen zu bekommen."

Ist die Prüfung bestanden, bekommen die jungen Musikerinnen und Musiker sechs Semester Unterricht an der Musikhochschule: in ihrem selbstgewählten instrumentalen Hauptfach, in Theorie und Gehörbildung, Rhythmus sowie Dirigieren. Auch das Konzertieren ist ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung.

Junger Cellist: Gemeinschaft ist wichtig

Thorben Diederichsen aus Hannover wurde gerade am IFF aufgenommen. Seit Anfang November besucht der 15-Jährige nun jeden Sonnabend gemeinsam mit seinen acht Kommilitonen die Musikkurse. Neben den Inhalten gefällt dem Cellisten noch etwas Anderes besonders gut: "Worum es mir am meisten geht beim IFF ist eigentlich die Gemeinschaft. Dass man andere Leute trifft, die ähnlich Musik machen wie man selbst."

Während die ersten Jahrgänge noch ein sehr durchmischtes Niveau hatten, bringen die Bewerber heute schon sehr ausgeprägte musikalische Fähigkeiten mit, sagt Bernd Goetzke, der das Institut gegründet hat: "Da gibt es Jugendliche, bei denen Sie, wenn Sie die Augen zumachen, kaum einen Unterschied zu erwachsenen Studierenden hören."

Igor Levit und Joana Mallwitz vor der großen Karriere

Die meisten Frühstudierenden nehmen später ein Musikstudium auf - und einige machen große Karriere, wie beispielsweise Igor Levit und die Dirigentin Joana Mallwitz.

Trotz Corona kommen die IFFler, wie Martin Brauß sie liebevoll nennt, weiterhin zum Präsenzunterricht. Dennoch beobachtet Brauß durch die Pandemie eine Veränderung unter den jungen Talenten: "Man merkt, dass manche anfangen nachzudenken: Was wird denn aus mir? Es gibt keine Konzerte. Die Spielpraxis geht verloren. Und für ältere Studenten fehlen die Einnahmen dieser Auftritte."

"Eine gewisse Ehre"

Pro Jahrgang werden maximal zehn der etwa 25 Bewerber am Institut zur Frühförderung aufgenommen. Als Teil der Hochschule wird es vom Land Niedersachsen finanziert. Diese exklusive Förderung wissen Thorben und seine Kommilitonen zu schätzen: "Man hat tolle Möglichkeiten”, erzählt Thorben. "Es ist auch eine gewisse Ehre, dabei sein zu dürfen."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 26.11.2020 | 06:40 Uhr