Stand: 09.05.2018 11:10 Uhr

So halten es Profis mit der Rechtschreibung

von Katja Eßbach

Bewegt man sich häufig im Internet, kann man schon mal den Eindruck gewinnen, dass eine korrekte Rechtschreibung nur noch fakultativ ist; man kann sich daran halten, muss aber nicht. Besonders auf Facebook oder anderen sozialen Netzwerken geht es orthografisch drunter und drüber. Aber gilt das eigentlich nur für Privatpersonen und ihre Defizite und Schlampereien? Oder nehmen es auch öffentliche Institutionen, Verlage, Zeitschriften nicht mehr ernst mit der Rechtschreibung?

22 Jahre nach der großen Rechtschreibreform sollte man meinen, in Deutschland werde überall gleich geschrieben. Aber bei den Recherchen entsteht ein recht unübersichtliches Bild. Auch die deutschen Verlage handhaben die Regeln nicht gleich.

Einige Verlage setzen auf das Wahrig-Wörterbuch

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Der Fischer-Verlag hält sich bei seinen Büchern, wie diesem Kinderbuch, an das Wahrig-Wörterbuch und nicht an den Duden.

Jürgen Hosemann, Lektor beim Fischer-Verlag Frankfurt, schildert die Situation so: "Bei Fischer schreiben wir nicht nach Duden, sondern nach dem Wahrig-Wörterbuch, was bei den Wahlmöglichkeiten zu einer etwas konventionelleren Schreibung neigt, also näher ist an der alten Rechtschreibung. Aus Wahrig und den Festlegungen einer Arbeitsgruppe im Verlag wurde eine Hausorthografie geschaffen, das ist die Fischer-Fassung der neuen Rechtschreibung." In dieser Hausorthografie steht beispielsweise, dass Biografie weiterhin mit "ph" geschrieben wird oder Potenzial mit "t" statt "z".

Auch die überregionale "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) setzt auf die Vorschläge des Wahrig-Wörterbuches, das defensiver mit den Regeln umgeht. Nichtsdestotrotz sieht die "FAZ" in korrekter Rechtschreibung ein großes Qualitätsmerkmal und hat weitgehend auf die neue Rechtschreibung umgestellt.

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Daniel Beskos vom Mairisch-Verlag kombiniert den Duden mit eigenen Hausregeln.

Auch für den Hamburger Mairisch-Verlag ist Rechtschreibung ein großes Thema. Hier hält man sich allerdings an die Dudenvorgaben. Und es gibt, wie beim Fischer-Verlag, sogenannte Hausregeln, sagt Daniel Beskos vom Mairisch-Verlag. "Es gibt ein paar Sachen, auf die man sich einfach verständigen muss, als Hausregeln. Dass man zum Beispiel die Zahlen bis zwölf ausschreibt und danach in Ziffern, manchmal aber auch davon abweicht. Im Prinzip geht es darum, im Sinne des Textes abzuwägen, aber grundsätzlich die Regeln der neuen Rechtschreibung einzuhalten." Beim Mare-Verlag hält man sich streng an den Duden. Allerdings lässt der manchmal mehrere Varianten zu. Deshalb gilt bei Wahlmöglichkeiten stets die gelb markierte Variante im Duden.

Theater und Behörden halten sich an den Duden

Ein Mann schreibt das Wort Rechtschreibung auf eine Tafel. © dpa Fotograf: Armin Weigel

Wer schreibt nach welchen Regeln?

NDR Info - Kultur -

Rechtschreibung: wichtig oder egal? Diese Frage beleuchten die NDR Kulturredaktionen genauer. Denn es scheint, als hätten Verlage und Behörden jeweils eigene Regeln.

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An Theatern ist die deutsche Sprache natürlich ein wichtiges Arbeitsmittel, wenn auch meist in gesprochener Form. Für das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin ist korrekte Rechtschreibung dennoch ein wichtiges Thema, so die Pressestelle. Bei Publikationen und Programmheften gelten die Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung. Auf die Einhaltung dieser Standards werde konsequent geachtet.

Auch für kleinere Organisationen oder Sportvereine ist Orthografie ein Thema, sagt Friederike van der Laan vom Eimsbütteler Turnverband. "Wir bieten Sport an für ganz viele Zielgruppen und wir möchten professionell in jeder Hinsicht rüberkommen. Da ist die Rechtschreibung eben das A und O. Wenn wir einen Pressetext haben oder einen Werbetext haben, in dem mehrere Fehler sind, ist das eben für uns nicht professionell." Deshalb würden Flyer oder Pressetexte stets gegengelesen und auf Richtigkeit überprüft. Nach Dudenvorgaben.

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Die meisten Universitäten, Vereine und Behörden halten sich an den Duden.

Universitäten sind Orte der Forschung und der Lehre - auch der korrekten Orthografie? Für die Universitäten Rostock und Kiel beispielsweise gilt: Die aktuellen Regeln der deutschen Rechtschreibung sind die verbindliche Grundlage für alle Texte und Veröffentlichungen, auch im Online-Bereich.

Das Deutsche Meeresmuseum Stralsund legt ebenfalls Wert auf korrekte Rechtschreibung, allerdings wird in seltenen Ausnahmefällen auch nach Bauchgefühl oder Optik entschieden. Alle angefragten Behörden teilen mit, auf Einhaltung der geltenden Regeln zu achten. Allerdings liegt der Behördenfokus nach eigenen Angaben momentan nicht so sehr auf Rechtschreibung, sondern auf der besseren Verständlichkeit der Texte.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 15.05.2018 | 08:55 Uhr