Stand: 26.02.2020 17:24 Uhr  - NDR Info

Plastik-Fasten: Wie sieht das aus?

Plastik-Fasten bedeutet unter anderem, im Supermarkt auf die kleinen Plastiktüten, die sogenannten Hemdchen, zu verzichten.

Nach der Karnevalszeit beginnt die Fastenzeit. 40 Tage lang verzichten viele Menschen wieder einmal auf Alkohol oder Süßigkeiten. Die Kultur-Redaktionen des NDR beleuchten in dieser Woche unser Verhältnis zum Verzicht. Denn Fasten beschränkt sich schon lange nicht mehr auf die Ernährung. Auch das Smartphone bleibt immer häufiger in der Schublade oder das Auto wird stehen gelassen. Vielleicht ist aber auch das folgende Konzept etwas für Sie: Plastik-Fasten! Was steckt dahinter?

von Anina Pommerenke

Der Plastikfreie Stammtisch in Winsen an der Luhe ist noch recht jung. Bei der vierten Sitzung sind aber schon 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem ganzen Landkreis Harburg dabei. Gegründet hat ihn Ulrike Bauer-Hasslinger. Sie ist im vergangenen Jahr durch die "Fridays for Future"-Bewegung auf das Thema Plastik-Verzicht gestoßen: "Ich habe mich gefragt: 'Was bedeutet das eigentlich?' Der Verzicht auf Plastik ist kein Verzicht im klassischen Sinne. Ich ändere mein Bewusstsein und gebe meine Faulheit auf", sagt sie.

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Ulrike Bauer-Hasslinger und Dagmar Penzlin haben beide einen Plastikfreien Stammtisch gegründet.
"Das geht nicht von heute auf morgen"

Bei der selbstständigen Anwältin hat sich seither schon einiges getan: In ihrem Haushalt verwendet sie keine Alu- oder Plastikfolie sowie keine Plastikverpackungen oder -tüten mehr. Im Badezimmer hat sie Shampoo in Flaschen durch eine Haarseife ersetzt, einkaufen geht sie auf dem Markt. Ihre freie Zeit am Wochenende nutzt sie, um zum Beispiel Putzmittel aus Natron und Zitronensäure selbst herzustellen. "Das funktioniert, aber nicht von heute auf morgen. Da ich das weiß und mich kenne, versuche ich es Schritt für Schritt anzugehen. Und wenn ich dann wieder was schaffe, macht mich das glücklich", erzählt Bauer-Hasslinger.

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Auf dem Stammtisch zeigt Dagmar Penzlin Teilnehmern wie sie selber Putzmittel herstellen können.
Industrie und Politik zum Umdenken bewegen

Deswegen schlägt sie beim Stammtisch auch verschiedene Varianten des Plastik-Fastens vor. Es gibt zum Beispiel die Möglichkeit zuerst nur auf eine Produktkategorie zu verzichten, so wie Tetra-Packs oder PET-Flaschen. Oder aber man wählt den radikalen Ansatz, bei dem man komplett auf Plastik verzichtet. Beim Stammtisch tauschen sich die Teilnehmer über ihre Erfahrungen aus. Die meisten der Teilnehmer setzen auf eine moderate Herangehensweise. Wenn es ein Produkt partout nicht ohne Plastik zu kaufen gibt, dann ist das eben so. Doch die Gruppe will auch Industrie und Politik zum Umdenken bewegen: Über die App "Replace Plastic" melden sie zum Beispiel Produkte, die sie lieber ohne Plastikverpackung kaufen würden. Und sie unterstützen auch eine Initiative, die es möglich machen will, mit eigenen Gefäßen an der Käse- oder Fleischtheke einkaufen zu gehen, erklärt Bauer-Hasslinger. Nach dem Motto "Geht nicht gibt's nicht, es ging früher auch ohne, teilweise sogar besser."

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Viele Menschen interessieren sich für Alternativen zum Plastik.
Bewusste Ernährung und Verzicht auf wahllosen Konsum

Obwohl sie erst seit einem Jahr dabei ist, hat sich für sie durch das Plastik-Fasten vieles geändert: Bauer-Hasslinger ernährt sich bewusster und sie kauft nicht mehr wahllos Klamotten oder Kosmetikartikel ein. Vermissen tut sie in ihrem Leben deshalb aber nichts: "Heilfasten für den Körper ist fast das Gleiche: Erst denke ich, dass ich verhungern werde. Doch nach einer Zeit stellt sich etwas ein und ich fühle mich richtig gut. Und so ist das für mich beim Plastik-Fasten auch. Jeder Schritt, den ich schaffe, macht mich glücklich! Deswegen vermisse ich nichts! Eher im Gegenteil."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 26.02.2020 | 06:55 Uhr