Stand: 19.04.2017 18:05 Uhr

Mit Tablets in die Schulzukunft starten?

von Claudio Campagna

"Wer bestimmt, was Kinder lernen?" - dieser Frage gehen die Kulturredaktionen des NDR in unserer aktuellen Debatte nach. Und neben der Frage, was Kinder lernen, spielt natürlich auch eine Rolle, wie Kinder lernen. Immer stärker beeinflussen Computer und Internet Bildung und wissenschaftliches Arbeiten - auch an den Schulen. Wie genau hat sich Claudio Campagna in Hamburg-Billstedt angesehen. Dort werden seit gut fünf Jahren Tablets im Unterricht eingesetzt.

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Konzentriert oder gelangweilt? Schüler der 11. Klasse des Kurt-Körber-Gymnasiums in Hamburg arbeiten mit Tablets.

"Guten Tag allerseits. Setzt euch so, dass ihr gut zusammenarbeiten könnt und dann fangen wir mit der Recherchephase an." Schüler der elften Klasse aus dem Profilkurs Medien/Gesellschaft am Kurt-Körber-Gymnasium bereiten einen Aktionstag vor. Workshops zu den Themen "Darknet", "Fakenews" und "Verschwörungstheorien" sind geplant. Gefördert wird das Projekt von der Bertini-Initiative "Mut im Netz". Das Internet nutzen die Schüler nun auch zur Recherche. In Zweier- und Dreier-Gruppen wischen und tippen sie auf ihren Tablets. Lydia Hebbelmann, die Lehrerin im Fach Politik/Gesellschaft/Wirtschaft, hat auch einen Laptop vor sich auf dem Pult stehen. Wenn die Schüler ein Anschreiben fertig haben, um Referenten einzuladen, schaut sie noch einmal drüber und gibt Hinweise.

Der Bertini-Tag ist Teil der Digitalisierungsoffensive am Kurt-Körber-Gymnasium. Schulleiter Christian Lenz hat sie 2011 gestartet: "Wir sind der Meinung, dass wir eine Verpflichtung haben, junge Menschen für die zukünftige Gesellschaft fit zu machen. Und diese Gesellschaft wird schon jetzt ganz massiv durch digitale Medien und das Internet beeinflusst. Und deshalb sind wir der Meinung, dass die Auseinandersetzung damit schon in die Schule gehört."

Bildung vs. Wirtschaft

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Christian Lenz ist Schulleiter des Kurt-Körber-Gymnasiums und sagt: "Ich habe dezidiert nicht vor, einen Kulturkampf gegen das Buch zu starten."

Das findet auch die GEW. Die Lehrergewerkschaft fordert daher eine angemessene Ausstattung für alle Schulen. Fredrik Dehnerdt vom Hamburger Landesverband warnt aber auch vor den Gefahren der Digitalisierung: "Es ist einfach so, dass die Ausrüstung mit Hard- und Software ein Wahnsinnsmarkt ist. Natürlich möchte man als Unternehmen seine Produkte an den Markt bringen und die Schüler auf spezifische Produkte sozialiseren. Da ist einfach Vorsicht geboten."

Am Körber-Gymnasium dürfen Schüler deshalb auch ihr eigenes Gerät mitbringen. Dafür müssen die Lehrer sich dann auf verschiedene Systeme einstellen. Genau die von der GEW geforderte kritische Kompetenz sollen die Schüler im Unterricht erwerben. Dazu gehört auch: Sorgsam mit den eigenen Daten umzugehen und respektvoll miteinander oder: Seriöse von unseriösen Quellen zu unterscheiden. Sportlehrer nutzen Videos zur Bewegungsanalyse, Geschichtslehrer lassen im Netz nach Quellen suchen, Mathe-Apps zeigen den Schülern, wie der Graph zu einer Funktion aussieht.

Kein Kulturkampf, nur Umbruch

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Wie umgehen mit den digitalen Möglichkeiten? Eine Schülerin der 11. Klasse des Kurt-Körber-Gymnasiums recherchiert im Internet.

Als Ergänzung sehr gut, findet Lehrergewerkschaftler Dehnerdt. Er befürchtet aber, digitale Medien könnten im Unterricht irgendwann zu sehr dominieren: "Für uns ist es total wichtig, die Grundkulturtechniken - Rechnen, Schreiben, Lesen, auch händisch zu erlernen. Erst die analoge, dann die digitale Welt." Von einer Umbruchphase, spricht der Schulleiter Lenz. Er betont jedoch: "Ich habe dezidiert nicht vor, einen Kulturkampf gegen das Buch zu starten oder gar gegen die Handschrift. Ich bin froh, dass wir eine schöne Bibliothek haben mit hoher Ausleihzahl. Und so lange das Abitur noch mit Stift und Papier geschrieben wird, ist es unsere Pflicht, den Schülern das beizubringen."

Digitale Medien verändern das Lernen. Die Herausforderung für die Schulen besteht darin, dass die positiven Einflüsse am Ende überwiegen.

 

Dieses Thema im Programm:

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