Stand: 28.01.2019 09:39 Uhr

Ihre Meinung: Wie tierlieb sind wir?

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Wie tierlieb sind wir wirklich? Was meinen Sie? Schreiben Sie uns!

Früher hatten Haustiere eine eindeutige Funktion - Hunde wurden zum Jagen, Hüten und Bewachen eingesetzt, Katzen hielten Haus und Stall mäusefrei und Hühner, Kühe und Schweine wurden zur Versorgung der Menschen mit Eiern, Milch und Fleisch gehalten. Das hat sich mittlerweile grundlegend geändert. Unser Verhältnis zum Heim- und Nutztieren ist widersprüchlich: Hunde und Katzen werden von ihren Besitzern häufig verhätschelt - Hühner, Kühe und Schweine dagegen in Massentierhaltungen gequält.

Was denken Sie?

Wie tierlieb sind wir wirklich? Warum unterscheiden wir zwischen Heim- und Nutztieren? Und wann wird aus Tierliebe Tierquälerei? Wir haben an dieser Stelle einige Meinungen veröffentlicht.

  • U. Klemm, Tostedt

    Art und Umfang der (Heim)Tierhaltung vermitteln uns die Geisteshaltung unserer Mitmenschen. Auch wenn Tierhalter immer wieder Naturliebe anführen, Natur und Heimtierhaltung stehen im krassen Widerspruch zueinander. Sozialkontakte und der fehlende Wille, diese in allen - auch unbequemen - Konsequenzen zu pflegen, lassen sich leicht durch ein abhängiges Tier ersetzen. Hunde sind überwiegend hochgezüchtete Konsumgüter und alles andere als natürlich. Katzen sind eine invasive Art und vermehren sich – menschenbedingt – ungehindert weltweit bis hin zur Plage. Sie sorgen überall für die Vernichtung echter Natur, nämlich von Singvögeln und teils bedrohten kleineren Wildtierarten. Umweltschmutzgesichtspunkte spielen für Heimtierhalter schon gar keine Rolle. Da wird "nur das Feinste" in Einzelportionen gekauft, ohne Rücksicht auf den Verpackungsmüll. Und es wird ganz gleichgültig, wie viel zusätzliche Nahrungsmittel, darunter Unmengen von Fleisch, für die Tiere produziert werden müssen. Die Lüge von der Tierliebe soll den Egoismus der Halter kaschieren. Wer Tiere und Natur wirklich liebt, lässt beide dort, wo sie sind und lässt nicht zum Ausgleich persönlicher Defizite Lebewesen für sich züchten und denaturiert sie noch weiter durch krankhafte Vermenschlichung. Nur Mutige wagen Kritik, für die meisten Heimtierhalter tabu. Und wer nicht in den  Lobgesang aufs Heimtier einstimmt, ist ganz schnell als "Tierhasser" abgestempelt, auf den man anklagend mit dem Finger zeigt.

  • E.-F. Sedat, Neubrandenburg

    Ich kann gut nachvollziehen, dass Menschen Tiere so sehr lieben, dass sie sich komplett für vegane Ernährung entscheiden. Gerade den Prinzipien der Massentierhaltung, die zurecht oft kritisiert werden, wirkt das ausnahmslos entgegen. Dass der Fleischkonsum trotz dessen sehr hoch ist, zeigt jedoch, dass viele Menschen verantwortungsloser denn je konsumieren. Wenn ich sehe, wie Menschen ihre Haustiere vergöttern und dann das Billigsteak aus dem Supermarkt verzehren, ist das für mich einfach ignorant. Ich selbst habe meinen Fleischkonsum aus ökologischen Gründen erheblich reduziert und finde es ätzend, dass Tiere sowohl im Labor als Versuchstiere, als auch in der Massentierhaltung, aber auch in Form von Überzüchtung und dem Zwang zu unnatürlichen Verhaltensweisen, und hier meine ich nicht nur den Zirkus, sondern auch das "Verhätscheln" und Misshandeln von Haustieren, gequält werden. Tiere sind, trotz mancher Ähnlichkeiten, nun mal keine Menschen und dies sollte jedem stets bewusst sein. Wir müssen also bewusster mit Tieren umgehen und darüber nachdenken, welchen Umgang wir uns für die Zukunft wünschen, wie artgerecht wir mit Tieren umgehen und welches Konsumverhalten aus moralischer Sicht für uns vertretbar ist.

  • A. Söfker, Lüneburg

    Auch in dieser Diskussion wird wieder die angeblich unterschiedliche Behandlung sogenannter Nutz- und Haustiere beschworen. Vordergründig könnte das Bild sich so darstellen. Das intensive Bemühen um das Wohl des "Hausgenossen" einzelner Tierhalter zeugt von der intensiven Sorge um dieses Individuum. Wenn man aber die Erzeugung dieser Lieblinge betrachtet, wird schnell deutlich, dass auch hier das Wohl des Tieres menschlichen Vorlieben untergeordnet wird. Es geht nicht um schwarze Schafe, die Nachwuchs unter unwürdigen Umständen produzieren lassen, sondern um die zunehmende Tendenz, Rassemerkmale in einem Maße hervorzuheben, dass Qualzüchtungen dabei herauskommen, die für erhebliche gesundheitliche Probleme verantwortlich sind. Der Tierliebhaber ist dann häufiger Gast in der Tierarztpraxis, um diese Schäden zu mildern. Eigenartigerweise erlebe ich selten, dass einer dieser "Tierliebhaber" solche Qualzüchtungen anprangert. Es mag so aussehen, als würden Haustiere besser behandelt als Nutztiere, dieser Unterschied ist allerdings eher graduell als grundsätzlicher Natur. Beide Tiergruppen werden für den jeweiligen Zweck erzeugt zur Erfüllung menschlicher Bedürfnisse, Moden und Vorlieben, Hochachtung vor dem Tier sind in beiden Fällen eher selten zu erkennen. Die augenblickliche Diskussion um den scheinbaren Gegensatz der Behandlung von Nutz- und Haustieren kreist damit wieder um die gängigen Klischees. Schade

  • S. Dreyer, Karwitz

    Das Thema Tierliebe und artgerechte liebevolle Nutztierhaltung, ist ein Thema das uns seit mehreren Jahren sehr beschäftigt. Auf der einen Seite leben bei uns im Haus und auf dem Hof 6 Katzen/Kater die tagsüber draußen leben und abends bei uns im Haus schlafen. Andererseits leben bei uns 222 Bio Legehennen mit Ihren Hähnen und 4 Alpaka-Wallache die auf unsere Damen aufpassen (Habicht, Fuchs, Mader und Co. würden unsere Hühner sehr gerne fressen). Unsere Hühner und Alpakas werden von uns auch als "Haustiere" wahrgenommen, denn auch sie haben ein Anrecht auf eine artgerechte Haltung. Wir versuchen alles was geht, damit sie schönes Leben haben. Unsere Hühner leben in einem mobilen Hühnerstall und bekommen jede Woche 1600 qm Weidefläche neu abgesteckt. Sie werden täglich 2 mal gefüttert damit sie optimal versorgt sind. Täglich wird mehrfach geschaut ob es allen gut geht. Sind unsere Damen zu für die professionelle Eierproduktion zu alt, werden sie nicht geschlachtet, sondern bekommen alle ein neues Zuhause und dürfen dort ihren wohlverdienten Lebensabend verbringen. Dasselbe gilt für unsere Alpaka-Wallache. Auch sollte man sich bewusst machen wie alt ein Tier werden kann. Wir besitzen eine Henne die mittlerweile 9 Jahre alt ist, Katzen und Alpakas können ohne weiteres 20 Jahre alt werden und bin ich bereit, mich so lange um ein Tier zu kümmern. Ganz schlimm mutet uns das Thema "Trendtier" an. Ja wir selber halten auch Alpakas, aber wir haben uns sehr lange mit der Haltung und den Bedürfnissen der Tiere auseinandergesetzt. Positiv ist nur, wer ein Alpaka halten und kaufen (seriöser Züchter) möchte muss einen Kurs über Haltung, Pflege, Umgang, Fütterung und Weidepflege besuchen. Mein Mann unsere 3 Kinder und ich lieben all unsere Tiere, aber ohne sie zu vermenschlichen. Ein Leben ohne sie ist  für uns kaum vorstellbar.

  • B. Peters, Süderbrarup

    Man kann an der heutigen Art der (Nutz-)Tierhaltung sicher manches kritisieren, aber in meinen Augen ist es Heuchelei, dass wir Menschen egozentrisch bestimmen, was Leben ist, das geschützt werden muss und was nicht, nämlich nur das uns ähnliche. Der Satz von A. Schweitzer (sinngemäß zitiert) "Alles Leben ist Leben, das leben will", gilt selbstverständlich auch für Pflanzen, die die schönsten und unschuldige Lebewesen sind, denn sie leben nicht auf Kosten anderer Lebewesen. Von den meisten Menschen werden sie aber eher wie tote Materie angesehen. Deswegen: Ich esse (bewusst und in Maßen) Fleisch, denn in dieser Welt ist es nun einmal so, dass sich (außer Pflanzen) Lebewesen von anderen Lebewesen ernähren, aber ich töte keinen Weihnachtsbaum, um ihn nach 2 oder 3 Wochen zu entsorgen!

  • W. Steinhöfel, Bergen

    Unser großartiges Gehirn ermöglicht es uns logisch zu denken, Moral, Ethik, und vieles mehr zu entwickeln. Daraus entsteht auch Verantwortung, die wir alle dem reinen Genuss und der Gier voranstellen sollten. Ich bin als Kind bei Schlachtungen dabei gewesen und habe gelernt damit umzugehen. Doch was ich heute beobachte, empfinde ich als furchtbar. Die Haltung ist schrecklich und der Umgang mit den Tieren ebenso. Das MUSS sich ändern. Ich esse auch Fleisch, aber ich habe den Konsum aus Überzeugung heraus auf ein Mindestmaß eingeschränkt. Die Natur zu schonen und die Tierhaltung auf ein Niveau zu bringen, dass die Tiere mit Respekt und artgerecht gehalten werden, sollte unser aller Bestreben sein und gesetzlich klar geregelt werden ohne Hintertürchen für Unternehmer und Züchter. Der häusliche Umgang mit Tieren sollte auch auf artgerecht reduziert werden. Vielleicht kann man das in die Früherziehung der Kinder mit einbeziehen. So ändert sich Gesellschaft.

  • K. Lüders, Steinhorst

    Ich möchte auf den Beitrag eingehen, in dem gesagt wurde, dass das Halten von Tieren - also Hunde, Katzen und vielleicht Pferde - für die Psyche eines Menschen gut sei. Da bin ich der Meinung der Psychologen. Es ist etwas ganz Besonderes, die Verantwortung für ein Tier zu übernehmen, es mit uns vertraut zu machen. Das prägt einen Menschen, besonders Kinder. Aber man hat auch eine große Verantwortung gegenüber dem Tier. Oft werden - vielleicht auch aus dem Grunde - Tiere angeschafft, ohne dass die Familie weiß, was es bedeutet. Oft wünschen Kinder sich Tiere und geben die Eltern nach - und es wird eine Katze oder ein Hund gekauft. Oft ist das Interesse schnell wieder vorbei und die Eltern haben die Tiere dann immer noch Jahre lang, auch wenn das Kind das Elternhaus verlässt. Dann ist so ein Tier schnell über… Vieles wird auf dem Rücken der Tiere ausgetragen, deshalb bin ich der Meinung, man müsste eine Tierhalter-Prüfung ablegen.

  • B. Volpe Freiwald, Ubstadt-Weiher

    Ich finde, das Foto, welches Sie zum Thema ausgewählt haben, sehr passend. Es zeigt den krassen Widerspruch, der in unserer Gesellschaft vorherrscht: Sein Hündchen abgöttisch lieben, aber gleichzeitig Pelz tragen! In meinen Augen geht sowas gar nicht. Als Tierärztin bin ich oft mit diesen Gegensätzlichkeiten konfrontiert. Hund, Katze & Co. werden verhätschelt und viel Geld für sie ausgegeben, während Billigfleisch in Massen konsumiert wird und das Leiden und Sterben der so genannten "Nutztiere" vollkommen ignoriert wird, von den Pelztieren ganz zu schweigen. Es handelt sich hierbei um ein kulturell bedingtes und anerzogenes Verhalten bzw. Wegsehen. Erst wenn der Mensch echte Empathie entwickelt, sein Gewissen den Tieren gegenüber erwacht, kann ein Umdenken in unserer Gesellschaft eintreten. Heutzutage kann sich jeder informieren über Tierhaltung, Folgen des Fleischkonsums und Alternativen und nach seinem Gewissen handeln. Viele junge Menschen machen es uns schon vor. Immer mehr leben vegetarisch oder vegan. Kurzum: Tierlieb ist für mich eigentlich nur, wer konsequent auf Tierqualprodukte verzichtet! Und falsch verstandene Tierliebe, die in Tierquälerei ausartet, sehe ich bei Hundequalzuchten, bei nicht artgerechter Haltung z.B. in Zirkussen und bei Tiermessies (Animal hoarding).

  • P. Tacken, Rümpel

    Bekannt ist, dass wir zu viel Fleischprodukte essen. Dass Fleisch zu billig angeboten wird ist ebenso trivial. Immer wieder wird allerdings von Industrie und Medien darauf hingewiesen, der Verbraucher wünsche billiges Fleisch. Diese Darstellung finde ich sehr vereinfacht und unrichtig. Dem Verbraucher kann man nicht anlasten, dass Supermärkte im gegenseitigen Preisdumping Preise nach unten schrauben und somit ihre Machtposition gegen Erzeugerbetriebe missbrauchen. Die Alternative „Bio-Hofverkauf“ ist oft mit etlichen Autokilometern verbunden und kaum einer kann diesen Aufwand in seinen Tagesablauf integrieren. Der Kunde greift zu; mir ist aber noch niemand begegnet, der diese Dumpingpreise fordert, im Gegenteil. In meinem Bekanntenkreis ist jeder bereit, mehr für Fleischprodukte zu zahlen, wenn es dem Tierwohl und damit letztendlich auch der Ökologie unserer Welt dient. Meiner Meinung nach ist hier der Gesetzgeber gefragt. Klare Richtlinien zur Nutztierhaltung mit Augenmerk auf Tierwohl und Ökologie. Daraus werden Produktionskosten entstehen, die die Verbraucher zu zahlen haben und zahlen werden. Auch erpresserisches Gebaren des Handels gegenüber Erzeugern muss vom Gesetzgeber reglementiert werden. Der Erzeuger kalkuliert den Abgabepreis seiner Produkte, nicht der Handel. Es wird teurer, vielleicht viel teurer. Ein TK-Hähnchen in einem bekannten Bio Markt kostet beispielsweise heute 25,- €. Dann werden wir automatisch weniger Fleisch konsumieren, Ställe werden sich lichten, Medikamenteneinsatz wird deutlich reduziert. Das verstehe ich unter Agrarwende und die muss kommen!

  • S. aus München

    Ich bin in einer Landwirtschaft groß geworden und bin der Meinung, dass man auch Tiere, die für den Verzehr bestimmt sind, lieben kann, ja sogar sollte. Und es möglich ist, Fleisch zu essen, obwohl ich Tiere liebe. Aber auch diese Tiere haben ein Recht auf Liebe und artgerechte Haltung genauso wie Haustiere. Es sollte jedem bewusst sein, dass für jedes Fleisch, dass ich esse, ein Tier sterben muss. Gerade deshalb sollten wir auf die Haltung, Menge, Schlachtung und vernünftigen Preis beim Verzehr von Fleisch achten. Ich denke dabei ist ein gewisses Maß an Tierliebe sogar gut, weil ich dann mehr auf dies achte und Fleisch wesentlich bewusster verzehr. Ich persönlich mache keinen großen Unterschied zwischen Haustieren und Nutztieren. Beides sollten artgerecht behandelt werden. Am besten wäre, wir würden alle wissen wie das Tier, das wir essen, gelebt und geschlachtet wurde - nur so können wir sicherstellen, dass das Tier artgerecht gelebt hat und ordentlich geschlachtet wurde. Wir sollten unsere Augen nicht davor verschießen! Nur dann kann ich Fleisch ohne schlechten Gewissen essen.

  • G. Kitten aus Ibbenbüren

    Wir halten 140 Kühe, alle haben einen Namen, viele werden jeden Tag gekuschelt, und trotzdem werden sie alle einmal geschlachtet. Und natürlich esse ich auch Fleisch. Das war immer schon so und ist ganz normal. Nicht normal sind diese Verniedlichungen und Vermenschlichungen von Tieren, gerade von Städtern. Ob deren Art Tiere zu halten tier- und artgerecht ist, bezweifle ich sehr!

  • B. Hoffmann, Heide

    Ich bin der Meinung, dass wir nur friedlich miteinander leben können, wenn wir aufhören Tiere zu töten, zu quälen und abzuschlachten. Echte Tierliebe bedeutet kein Tier mehr zu verzehren. Keiner kann mehr sagen, er/sie habe nicht gewusst wie grausam Massentierhaltungen sind. Und das ist noch milde ausgedrückt. Schau doch mal in die sanften Augen einer Kuh und gehe in dein Herz. (Ich bin seit 35 Jahren Vegetarierin bzw. seit 3 Jahren Veganerin.)
    "Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen wieder zurück" - Pythagoras
    "Solange es Schlachthöfe gibt, wird es auch Schlachtfelder geben" - Leo Tolstoi.

  • W. Gerhardt, Arendsee

    Ich halte ein Pferd zum Reiten, im Haushalt lebt ein Hund, der auch auf die Schafe aufpasst, welche nach dem Schlachten -  an dem ich beteiligt bin - auch von mir verzehrt werden. Auch Gänse und Kaninchen, die von mir geschlachtet und auch zubereitet werden, werde ich auch weiterhin halten und auch essen. Ich bin der Meinung es sollte ein "gesundes Verhältnis" zum Tier bestehen. Was für mich bedeutet: Dass ich weiß, was mit dem Tier passiert, wenn ich es essen möchte und dass dieses bis zum Schlachten und auch beim Schlachten so wenig Leid wie möglich erleidet. Wer das nicht ertragen kann sollte sich vegan ernähren! Nicht gut finde ich, dass das Fleisch "verschleudert“ wird und dadurch der Wert und auch das Verhältnis zum Tier verloren geht - wie es leider die Tiere die in Massenhaltung erleiden müssen.

  • P. Schmidt, Magdeburg

    Tieren ist immer stark persönlich geprägt und leider ist es fast unmöglich geworden, darüber zu diskutieren. Auf Meinungen von anderen Menschen wird nicht eingegangen und nur die eigene Meinung ist das non plus ultra. Geht es um Versuchstiere, dann ist es das arme, gequälte Mäuschen. Wühlt das niedliche Mäuschen im Garten und nagt die Wurzeln von Nutzgehölzen ab, wird keine Maßnahme gescheut, um dem ach so niedlichen Mäuschen den Garaus zu machen.

    Man schaue sich manche Hunde an, die derart überfüttert sind, dass der Bauch auf der Erde schleift und die Tiere kaum noch japsen können. Das ist dann ein Ausdruck von Tierliebe. Ebenso sind die Qualzuchten brachycephale Hunde (Hund mit kurzem Kopf wie Französische Bulldogge, Mops oder Pekinese (Anm. d. Redaktion)) einzuschätzen. Die Tiere können kaum atmen, die Qual dient aber einem perversen Schönheitsideal. Man kann auch Hunde sehen, denen Röckchen, Höschen, Mäntelchen u.a. aufgezwungen werden. Das ist nicht etwa Tierquälerei, das ist sooooooooooo niedlich. Die Krone der Perversität ist für mich, wenn sich erwachsenen Leute als Mutti oder Vati des Tieres bezeichnen bzw. darüber diskutiert wird, ob man Hunde vegetarisch ernähren kann. Hier werden der geschundenen Kreatur die krausen Ansichten der Besitzer aufgezwungen. Man sollte endlich wieder dahin kommen, ein Tier Tier sein zu lassen.

  • S. Engel, Dettenhausen

    Ich bin der Meinung: Wer Tiere liebt, isst sie nicht, trägt nicht ihre Haut und verwendet sie auch sonst nicht auf eine Weise, die sie quält und/oder tötet. Da sind auch vermeintlich "harmlose" Dinge wie Kauf beim Züchter oder gar die Unterstützung von Qualzuchten eingeschlossen.

    Wer dies dennoch tut, liebt nicht die Tiere, sondern liebt, was Tiere ihm geben: Ein warmes Gefühl beim Kuscheln, ein Lächeln im Gesicht bei der Betrachtung von Schafen, Kälbern oder Katzenbabys.

    Echte Liebe zum Tier fragt: Ist es richtig, das Meerschweinchen ein Leben lang allein im Käfig einzusperren? Ist es richtig, beim Einschläfern meines Hundes Tränen zu vergießen und eine Stunde später ein Kalbsfilet auf dem Teller liegen zu haben? Ist es richtig, dass meine Faszination für Reptilien dazu führt, dass diese ihr restliches Leben in einem kleinen Glaskasten fristen müssen? Ist es richtig, mein Selbstbewusstsein mit Pelzbesatz und Lederstiefeln, mein Lebensgefühl mit Lammfell im Wohnzimmer aufzupeppen? Echte Liebe zum Tier hinterfragt all das - und zieht ihre Konsequenzen.

  • S. Hauschild, Winseldorf

    Tierrechtler haben die Menschen schnell auf ihrer Seite. Denn sie kümmern sich um ausgenutzte – meist sagen sie "vernutzte" – Nutztiere. Tiere haben doch Rechte, vor allem das Recht auf Leben! Doch welche Rechte haben die armen Schweine in der Massentierhaltung? Diese wollen die Tierrechtler in die Freiheit führen, denn nur diese sei artgemäß, auch für Stallschweine. Doch wer wartet da, in der Freiheit? Neuerdings der Wolf.
    Eine spannende Frage ist daher: Darf der die Schweine eigentlich fressen? Antwort der Tierrechtler: Er darf. Weil er nicht anders kann, weil er Fleischfresser ist. Weil weder er noch das Schwein weiß, was Recht ist, könne er kein Unrecht tun, und dem Schwein widerfahre damit auch kein Unrecht. Der Wolf ist sozusagen Tierrechtlers Liebling: Er hat ein Recht auf Leben und er hat das Recht, Leben zu nehmen. Nur der Mensch darf es nicht, weil er sich anders ernähren könne. Manch einer gesteht den Eskimos zu, dass sie Fleisch essen, weil in ihrer Heimat außer Eisblumen nun mal keine Pflanzen wachsen. Manch andrer ist da strikt: Auch die Nordmenschen dürfen das nicht. Aber der Eisbär darf natürlich Fische und Robben fressen. Er kann ja nicht anders.
    Soweit scheint das schlüssig, aber nur solange man die Perspektive des "Täters" einnimmt, sei es Mensch oder Wolf. Aber was ist mit der Sicht des Opfers? Dem Schwein oder der Robbe ist es doch herzlich egal, ob der Mensch es isst oder der Wolf/Eisbär es frisst. Noch mehr: Das Schwein würde eine saubere Schlachtung sicher den Fangzähnen des Raubtieres vorziehen. Die Schlachtung ist weniger schmerzhaft, dafür schneller. Was der Wolf dagegen macht, ist sehr natürlich, aber eine große Qual für das Opfer. [...]*
    Tiere haben keine individuelle Würde. Aber sie haben einen Wert, den wir achten sollten, solange sie leben. Milch, Eier und Fleisch dagegen sind Nahrung. Auch die sollten wir mehr wertschätzen. Gerade wenn sie von Tieren stammt. In einer Gesellschaft, in der der Stärkere, solange er kein Mensch ist, das Recht hat, zu nehmen, was er bekommt, wollen wahrscheinlich nicht mal die Tierrechtler selber leben. Denn in dieser Welt hätte der Wolf sogar das Recht, Menschen zu töten, wenn er denn nicht anders satt wird. Und wir dürften nichts dagegen tun. Diese Täter-Ethik ist unmenschlich.

    * Der Beitrag wurde an dieser Stelle von der Redaktion gekürzt.

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NDR Info | 24.01.2019 | 07:38 Uhr

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