Stand: 26.02.2020 06:00 Uhr

Verzicht aufs Rauchen: "Keine Heldentat"

Am Aschermittwoch ist die Fastenzeit gestartet. 40 Tage lang verzichten viele Menschen in Norddeutschland wieder einmal auf Alkohol, Süßigkeiten, den ständigen Blick aufs Smartphone oder aufs Autofahren. Die Kulturredaktionen des NDR beleuchten den Umgang mit dem Verzicht in dieser Woche. Dazu gehören auch persönliche Erfahrungsberichte. NDR Kultur Redakteur Jürgen Deppe verzichtet seit über zwei Jahren aufs Rauchen - und schreibt über seine Sicht der Dinge.

von Jürgen Deppe

Jürgen Deppe © NDR Foto: Christian Spielmann
Jürgen Deppe ist Redakteur bei NDR Kultur und hat sich vor mehr als zwei Jahren das Rauchen abgewöhnt.

Ich verzichte nicht. Zumindest nicht aufs Rauchen. Auch wenn mir nach über zwei Jahren immer noch Menschen sagen: "Wow, du hast dir ja das Rauchen abgewöhnt und verzichtest jetzt auf Zigaretten! Wie toll! Wenn es mir doch auch nur gelingen würde, darauf zu verzichten!" Meistens vorgetragen mit höchster Anerkennung in der Stimme für die vermeintliche Heldentat, die ich da vollbringe. In der Regel lasse ich das so stehen, lächele freundlich (schließlich steht man gern mal als Held da!) und frage mich: Was reden die da?

Ich tue schlicht und ergreifend gar nichts

Denn, mal ehrlich, was mache ich denn? Nichts. Ich tue schlicht und ergreifend gar nichts. Und im Nichtstun war ich schon immer ziemlich gut. Das ist nicht heldenhaft und hat auch nichts mit Verzicht zu tun. Verzicht würde heißen, dass ich (wofür auch immer) ein Opfer bringe. Im besten Fall noch altruistisch zugunsten irgendeines anderen. Am besten gleich zum Wohle der ganzen Menschheit. Ach, das wäre herrlich!

Alles wie vorher - nur eben ohne Zigarette

Aber ich? Ich tue einfach nichts. Oder zumindest tue ich etwas nicht mehr. Ich lasse einfach etwas, das niemandem genutzt und mir selbst nur geschadet hat, gesundheitlich wie finanziell. Wenn ich ehrlich mit mir selbst bin, dann hat das Rauchen mich ja auch nicht entspannt. Auch wenn ich mir (und anderen) das immer wieder eingeredet habe: die Zigarette morgens zum Kaffee! Die Zigarette nach dem Essen! Die Zigarette in der Pause auf der Arbeit! Und dann die abends zum Bier! – Ja, ja, ja, ich genieße weiter morgens meinen Kaffee, das Beisammensitzen nach dem Essen, die Pause bei der Arbeit und das Bier danach. Nur eben ohne Zigarette.

Bloßes Unterlassen des Falschen

Wie oft war ich im Gegenteil gestresst, weil ich mir bei Tag und Nacht, bei Wind und Wetter Gedanken über Nachschub machen musste. Oder darüber, wann und wo die nächste Gelegenheit zum Rauchen ist. Fahren Sie als Raucher mal stundenlang Zug: ein Horror! Nein, das fehlt mir nicht. Ganz und gar nicht. Aber das hänge ich lieber nicht an die große Glocke. Sonst steht mein ach-so-heroischer "Verzicht" plötzlich nur noch als das da, was so viele Verzichte sind: bloßes Unterlassen des Falschen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | kontrovers | 26.02.2020 | 19:30 Uhr

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