Stand: 09.07.2018 11:25 Uhr

Eldena: Ruhe im Winter, Trubel im Sommer

von Nicolas Bernhard

Im Sommer verändern sich einige Orte in Norddeutschland. Durch viele Gäste, Touristen oder Besucher zum Beispiel von Festivals oder Freiluftdarbietungen. Ein solcher Ort ist die Klosterruine Eldena bei Greifswald.

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Die Klosterruine Eldena - einst Sinnbild der deutschen Romantik - ist heute ein beliebter Veranstaltungsort.

Leise raschelt das dichte Blattwerk. Die alten Bäume werfen ihren Schatten auf die alten Mauern. Die Ruine des Klosters Eldena, vielfach verewigt von Caspar David Friedrich, liegt versteckt hinter alten Mauern in einer kleinen Parkanlage am Stadtrand von Greifswald.

Zurzeit ist das mit der Ruhe allerdings so eine Sache. Denn seit die Temperaturen wieder regelmäßig über die 20 Grad klettern, wird es auch wieder voll im eigentlich beschaulichen Greifswalder Vorort. An der einzigen Eisdiele muss man lange anstehen, die Zimmer in der einzigen Pension sind längst ausgebucht und auch der Campingplatz ist voll bis auf den letzten Stellplatz. Im Park trillert die Vogelwelt auf höchster Lautstärke - es hilft ihr nichts.

Ein perfekter Ort für das Schauspiel

Robin von Loxley treibt in diesem Jahr regelmäßig sein Unwesen hier - auch bekannt als Robin Hood. 200 Zuschauer sind heute gekommen, Familien mit Kindern, Studenten, Rentner. Markus Voigt und ein Kollege vom Theater Vorpommern haben diesen Ort als Spielstätte wiederentdeckt - und inszenieren seit dem vergangenen Jahr dort den Klassiker Robin Hood. Es gäbe ein Tradition in Eldena, erklärt Markus Voigt: "Wir haben schon in früheren Jahren immer hier gespielt. Es gab die Musketiere und Pippi Langstrumpf. Gerade für das Schauspiel ist es ein perfekter Ort!"

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Beleutet bei Nacht hat die Klosterruine Eldena fast etwas Mystisches.

Und ein Magnet - nicht nur für Gäste von Auswärts. "Im Sommer häufen sich natürlich die Veranstaltungen und im Winter hat man seine familiäre Ruhe für Spaziergänge mit den Kindern. An Abendveranstaltungen nehmen wir nicht so oft teil wegen der schwierigen familiären Situation - mit vielen Kindern - aber grundsätzlich ist das eine gute Sache!", findet ein Passant.

Jede Jahreszeit hat für Markus Voigt ihren besonderen Reiz: "Im Winter hat man hier Schnee, Einsamkeit, man fühlt sich ein bisschen wie bei Caspar David Friedrich. Und umso schöner ist es im Sommer, wenn hier alles blüht, alles wächst, alles wieder belebt wird. Also, diese beiden Seiten sind einfach eine fantastische Farbe für die Stadt Greifswald."

Die Anwohner stört der Sommertrubel nicht

Im letzten Jahr stellten Voigt und seine Kollegen hier 15 Vorstellungen mit knapp 3.000 Zuschauern auf die Beine. Und das waren nur die Theatervorstellungen. Jedes Jahr im Sommer steigen auch die weit über Norddeutschlands Grenzen bekannten Eldenaer Jazz Evenings, dann geben sich hier internationale Jazzgrößen die Ehre.

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Romantik im Schnee: die Klosterruine Eldena bei Greifswald.

Zur Fête de la Musique erwartet das Theater auch einige hundert Menschen in den Mauern des ehemaligen Klosterkircheninnenraums. Der hat schon lange kein Dach mehr und bietet so im Sommer einen uneingeschränkten Blick auf den Nachthimmel.

Die Verwandlung vom stillen, dunklen Ort zum lebendigen, lauten Konzert- und Veranstaltungsplatz nehmen die Bewohner des Stadtteils gelassen, jedenfalls die meisten. Justus Fröhlich beispielsweise kommt auch gern mal selbst vorbei: "Durch Sachen wie die Open Airs wird das schon mal etwas lauter. Mich stört das nicht, ich wohne am Rand des Waldes, also etwa einen Kilometer weg. Aber von Freunden weiß ich, dass das schon etwas stört, vor allem die PKWs!"

Sie werden es wieder überleben - wie in allen anderen Jahren auch. Denn spätestens im Herbst haben die Eldenaer wieder das, wofür der kleine Vorort der quirligen Hansestadt bekannt ist: ihre Ruhe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 09.07.2018 | 09:20 Uhr