Stand: 26.02.2018 06:00 Uhr

Die Alternativen zum 31. Oktober

von Patric Seibel

Auch wenn die norddeutschen Regierungschefs den Reformationstag als neuen Feiertag wollen oder bereits beschlossen haben - es gibt auch Alternativ-Vorschläge. Eine Übersicht.

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Das letzte Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs, Großadmiral Karl Dönitz (Mitte), am 11. Mai 1945 in Flensburg-Mürwik.
8. Mai: Tag der Befreiung

In vielen Ländern weltweit wird der 8. Mai als Tag der Befreiung vom Hitler-Faschismus gefeiert. Am 8. Mai 1945 um 23.01 Uhr tritt die von Großadmiral Karl Dönitz unterzeichnete bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht in Kraft. Das NS-Regime ist am Ende. Der Zweite Weltkrieg ist vorbei.

Seit Mitternacht schweigen nun an allen Fronten die Waffen. Auf Befehl des Großadmirals hat die Wehrmacht den aussichtslosen Kampf eingestellt. Damit ist das fast sechsjährige heldenhafte Ringen zu Ende. Reichssender Flensburg, 9. Mai 1945: Auszug aus letztem Wehrmachtsbericht

Die Schreckensbilanz des vom nationalsozialistischen Terrorregime entfesselten Krieges: 65 Millionen Tote. Der vor den Nazis geflohene deutsche Literaturnobelpreisträger Thomas Mann wendet sich in einer Radioansprache an seine Landsleute: "Ich sage, es ist trotz allem eine große Stunde. Die Rückkehr Deutschlands zur Menschlichkeit."

Aber lange wird der 8. Mai in Westdeutschland allgemein als Tag der Niederlage erlebt. Erst im Jahr 1985 spricht Bundespräsident Richard von Weizsäcker vom Tag der Befreiung.

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Konrad Adenauer unterzeichnete das Grundgesetz im Mai 1949.
23. Mai: Tag des Grundgesetzes

Vom Herbst 1948 bis Frühjahr 1949 erarbeitet der Parlamentarische Rat das Grundgesetz für die noch zu gründende Bundesrepublik. Am 23. Mai 1949 tritt der Vorsitzende des Parlamentarischen Rates, Konrad Adenauer vor die Mikrofone: "Gemäß Artikel 145 verkündige ich im Namen und im Auftrage des Parlamentarischen Rates unter Mitwirkung der Abgeordneten Großberlins das Grundgesetz. Es tritt mit Ablauf des heutigen Tages in Kraft."

Der Weg zu den ersten freien Wahlen und der Gründung der Bundesrepublik ist frei. Das Grundgesetz wird zum Passierschein in eine offene Gesellschaft und mit den Jahren zur DNA einer selbstbewussten, verlässlichen, stabilen Demokratie auf deutschem Boden.

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Am 9. Mai 1950 veröffentlichte Robert Schuman die historische Erklärung für die Neukonstruktion Europas, beginnend mit der Montanunion.
9. Mai: Europatag

Am 9. Mai 1950 tritt der der französische Außenminister Robert Schuman in seinem Amtssitz im Pariser Quai d'Orsay vor die Presse und sagt: "Europa lässt sich nicht mit einem Schlage herstellen und auch nicht durch eine einfache Zusammenfassung. Es wird durch konkrete Tatsachen entstehen, die zunächst eine Solidarität der Tat schaffen."

Und dann macht Schuman einen sensationellen Vorschlag: Die militärischen Schlüsselindustrien Frankreichs und Deutschlands - die Kohle- und Stahlproduktion - sollten einer gemeinsamen europäischen Behörde unterstellt werden, die weiteren Mitglieder offen stehe. Damit, so der Grundgedanke, werde ein neuer Krieg zwischen den europäischen Partnern unmöglich.

So entsteht die erste supranationale Behörde Europas. Die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl mit den Gründungsmitgliedern Frankreich, Deutschland, Italien, Belgien, Niederlande, Luxemburg wird zur Keimzelle der Europäischen Union.

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Die Frauenrechtlerin Clara Zetkin war in der Weimarer Republik von 1920 bis 1933 Reichstagsabgeordnete für die KPD.
8. März: Internationaler Frauentag

Der Internationale Frauentag entsteht als Initiative sozialistischer Organisationen für das Frauenwahlrecht. Er wird auf Mitinitiative der deutschen Sozialistin Clara Zetkin erstmals im März 1919 in mehreren Ländern begangen. Die Hymne der Frauenbewegung kommt aus England: The March of Women.

Am 8. März 1917 - nach julianischem Kalender noch im Februar - löst ein Streik der Arbeiterinnen in Petrograd die russische Februarrevolution aus, die zum Sturz des Zaren führt. Seitdem gehen die Frauen in aller Welt am 8. März auf die Straßen: Für Wahlrecht, Emanzipation und Gleichberechtigung. 1975 richten erstmals die Vereinten Nationen eine Feier zum Internationalen Frauentag aus.

Weitere Informationen

Reformationstag: Der richtige Feiertag?

Der 31. Oktober als zusätzlicher Feiertag in Norddeutschland: Nicht für alle ist der Reformationstag ein Grund zum Feiern. Die Debatte der NDR Kulturredaktionen beleuchtete das Thema im Februar. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 27.02.2018 | 10:55 Uhr