Stand: 25.06.2019 15:12 Uhr  - NDR Info

Denkmalschutz: Leidenschaft und Unermüdlichkeit

von Thomas Naedler

Die ehemalige Volksschwimmhalle Lankow und das Schloss Dreilützow sind zwei Gebäude, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Das eine stammt aus den 1970er-Jahren, das andere aus dem 18. Jahrhundert. Das eine steht in der Stadt, das andere auf dem Land. Doch gemeinsam haben sie den Status als Denkmal. Ihre Erhaltung verlangt den Menschen, die sich um sie kümmern, einiges ab.

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Architekt Ulrich Bunnemann verhinderte den Abriss der Volksschwimmhalle Lankow.

In 46 sanft geschwungenen Bögen spannt das Dach sich über den Bau aus Backstein und Beton. Von vorn sehen die Elemente wie Wellen aus - 46 Wellen mit spitzen Kämmen, darunter über die ganze Gebäudebreite eine Fensterfront. Das Schwimmbad wurde im Hallentyp Bitterfeld gebaut.

"Eigentlich wollte die Stadt das Gebäude abreißen", sagt Ulrich Bunnemann. "Die Bagger standen schon hier auf dem Grundstück". Der Architekt erwarb die Schwimmhalle 2015 kurz vor dem geplanten Abriss. Mit dem Kauf beendete er einen Streit zwischen der Stadt Schwerin und dem Landesamt für Denkmalpflege.

Das Landesamt wollte eine Eintragung in die Denkmalliste, die Stadt den Abriss der leerstehenden Halle. "Ich nehme an, dass es andere Pläne für das Grundstück gab", vermutet Bunnemann. "Es ist häufig so, dass man ein Denkmal gar nicht als Denkmal akzeptieren möchte und eigentlich etwas anderes vorhat."

Letzte Halle mit einer Dachkonstruktion aus HP-Schalen in MV

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Heute sind unter dem außergewöhnlichen Dach aus HP-Schalen 16 Wohnungen.

Die alte Volksschwimmhalle ist die letzte ihrer Art im Nordosten. Dabei war die Bauweise durchaus verbreitet: Allein in Schwerin gab es zwei Hallen dieses Typs, die andere Halle musste bereits einem Neubau weichen. "Das Besondere ist die Dachkonstruktion aus HP-Schalen", schildert der Architekt. "Hyperbolische, paraboloide Betonschalen - also mehrfach gekrümmt - und die sind durch ihre Form besonders leicht und sehr dünn."

Dort, wo einst Generationen von Schwerinern schwimmen lernten, hat Architekt Bunnemann jetzt 16 Wohnungen eingebaut. 2,5 Millionen Euro hat er investiert und wo es möglich war, sind die alten Kacheln noch zu sehen. Im Foyer steht sogar ein Startblock. Durch die Tür an der Stirnseite des Gebäudes geht es in ein kleines Schwimmbad. Neu und alt sind versöhnt.

Schloss Dreilützow: Fast 250 Jahre mecklenburgische Geschichte

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Das Schloss Dreilützow ist fast 250 Jahre alt und wird heute als Schullandheim und Begegnungsstätte von der Caritas genutzt.

Dass sein Schloss ein Denkmal ist, muss Stefan Baerens niemandem erklären. "Umso länger ich hier bin, desto mehr merke ich, dass man, wenn man die Geschichte mit reinholt, auf festeren Füßen steht."

In Dreilützow, eine halbe Autostunde südwestlich von Schwerin, steht die Gutsanlage aus dem Jahr 1771. Haupthaus, Seitenflügel, Scheunen, Torhäuser - fast alles am Schloss ist backsteinrot.

Historische Objekte, sorgsam restauriert

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Liebevoll wurden die Wandmalereien im Schloss Dreilützow in den vergangenen Jahren restauriert.

Vieles ist erhalten und fast alles gehört heute zu einem Schullandheim der Caritas. Stefan Baerens zeigt das Alte gern: "Das Alte, das man zeigen kann, das erzeugt bei Kindern heute staunende Blicke, oder ein Erstaunen, ein Wachsein, ein Hingucken." In den Räumen, in denen heute die Gäste Theater spielen oder Musik machen, sind historische Wandmalereien, die sorgsam restauriert wurden. Wer hier herkommt, der lebt Mitten in der Geschichte und ist Schlossherr auf Zeit.

Das alles so gut erhalten ist, liegt auch an der unermüdlichen Arbeit von Stefan Baerens. Im Schloss gebe es immer etwas zu tun, sagt Baerens. "Es geht darum zu gucken, ob es eine Perspektive für einzelne Gebäudeteile gibt", erklärt Baerens seine Arbeit. "Krieg ich die Fenster irgendwie wieder saniert, die jetzt langsam marode werden. Es ist jeden Tag eigentlich ein Denken an diesen Punkt."

Das Schullandheim in der denkmalgeschützten Gutsanlage Dreilützow funktioniert nur, weil es Stefan Baerens immer wieder schafft, Fördertöpfe zu öffnen und Spenden zu sammeln. In den vergangenen 20 Jahren hat er insgesamt etwa 2,5 Millionen Euro gesammelt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 25.06.2019 | 06:40 Uhr