Stand: 05.04.2018 07:50 Uhr

Science-Fiction für die Ohren

von Nadine Gräser

Die Menschheit lebt unter der Erde. Bedürfnisse werden von einer allumfassenden Maschine geregelt. Für viele klingt das schrecklich. Für die Figuren in der Kurzgeschichte "Die Maschine steht still" des britischen Schriftstellers Edward Morgan Forster ist es der Normalzustand. Beschrieben hat er diese Visionen bereits 1909. Der Hamburger Komponist und Hörspielmacher Felix Kubin hat sie nun als Hörspiel umgesetzt. Eine Produktionsreportage.

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Susanne Sachsse übernimmt im Hörspiel "Die Maschine steht still" die Rolle der Vasháti.

Regisseur Felix Kubin sitzt an einem Pult im Regieraum. Immer wieder drückt er einen Knopf am Regiepult und spricht über Mikrofon mit Schauspielerin Susanne Sachsse, die der Figur der Vasháti ihre Stimme leiht. Vor ihr liegt das Manuskript. Um sie herum richtet der Toningenieur das Mikro ein. Wenn die Kleidung zu sehr raschelt, wenn sich Sachsse zu weit vom Mikrofon wegdreht, wenn der Magen plötzlich knurrt - beim Hörspiel gibt es viele Gründe, warum eine Aufnahme wiederholt werden muss.

Für die 52-Jährige ist das Arbeiten an dem Hörspiel "Die Maschine steht still" ein anderes Arbeiten als sonst, wie etwa auf der Bühne im Hebbel am Ufer (HAU) in Berlin: "Mir kommt es so vor, als würde ich eine Oper singen, wo man nicht alles rauslassen darf, sonst ist man verloren. Das ist so ähnlich beim Sprechen. Ich finde die Rolle großartig. Sie hat so viele Facetten und der Text ist grandios geschrieben. Der ist eigentlich wie Musik."

Erschreckendes Zukunftsbild wird wahr

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Zusammen gehen Schauspielerin Susanne Sachsse und Regisseur Felix Kubin den Text durch.

Die Erzählung "Die Maschine steht still" hat Edward Morgan Forster vor mehr als 100 Jahren geschrieben. Hörspielmacher Felix Kubin ist fasziniert: "Er hat im Grunde alles vorhergesagt. Bestellungen per Amazon. Man kann Musik bestellen, so wie bei iTunes. Man kann sich Nachrichten schicken. Und die Menschen haben mehr und mehr Angst vor dem sogenannten direkten Leben - das ist die soziale Phobie. Das hat er soziologisch und psychologisch unglaublich perfekt vorhergesagt."

Üblicherweise vertont Kubin eigene Texte. Diesmal hat er eine Ausnahme gemacht und sich an der Vorlage orientiert, denn "als ich das gelesen habe, diese Art von Dystopie, Science-Fiction, fantastischen Ideen, auch ein gewisser Humor, der zwischen den Zeilen schwebt, neben all der Tragik, die da ist, da konnte ich nicht Nein sagen. Ich habe allerdings mehrere Sachen geändert in der Geschichte, die auch entscheidend sind. Bei Forster hat die Maschine keine Stimme und da möchte ich etwas Besonderes ausprobieren, weil ich die Geräusche in diesem Hörspiel eher von der musikalischen Seite angehe."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 05.04.2018 | 09:20 Uhr

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