Sendedatum: 27.11.2016 21:05 Uhr

Geschichte eines Frauenmörders als Hörspiel

von Lena-Maria Reers

Heinz Strunk ist viel gelobt worden für sein Buch "Der goldene Handschuh".  Es erzählt grotesk komisch die düstere und wahre Geschichte von Fritz Honka, der im Hamburg der 1970er-Jahre vier Frauen getötet hat, die anschließend niemand vermisste. Autor Heinz Strunk schafft es, seinen Lesern dieses Milieu nahezubringen. Regisseur Fatih Akin hatte in der NDR Talkshow angekündigt, den Stoff zu verfilmen. Der NDR hat das Buch bereits jetzt als Hörspiel umgesetzt.

Derber Witz trifft sexuelle Fantasie

Fritz Honka, genannt Fiete, sitzt mal wieder mit mehreren Frauen in der Kneipe "Zum Goldenen Handschuh" auf dem Hamburger Berg. Sie ist der Anlaufpunkt für alle, denen das Leben böse mitgespielt hat, die kaputt sind. Schauspieler Lars Rudolph, der zuletzt als Kioskbesitzer in "Er ist wieder da" zu sehen war, spricht die Rolle des Fiete: latent aggressiv, knarzig und schnodderig.

Es ist genau dieses Milieu, das Regisseur Martin Zylka reizt: Wie setzt man die heruntergekommene Hoffnungslosigkeit, den Suff und die düstere Lähmung im Hörspiel akustisch um? Gerade weil man in dieser Geschichte immer wieder auf derben Witz, leidenschaftliche Streitereien und sexuelle Fantasie trifft.

Inhaber des "Goldenen Handschuh" spielt mit

Für seine Produktion hat Zylka viele Dialoge von Heinz Strunk übernommen, der diese Widersprüche und Kontraste eingefangen hat. Der Hörspielregisseur will die Geschichte so authentisch umsetzen wie möglich: "Wir haben den Goldenen Handschuh besucht, haben dort auch mit dem Wirt Jörn Nürnberg Aufnahmen gemacht, um tatsächlich ein realistisches Bild von diesem Milieu von dieser Szene zu bekommen", erzählt er.

Weil in der legendären Kneipe seit den 70er-Jahren eigentlich nichts verändert wurde, wird sie im Hörspiel also wahrscheinlich genauso klingen wie damals. Außerdem fließen die Beobachtungen des Teams vor Ort in die Produktion ein. Und: Zylka hat Jörn Nürnberg, den Inhaber des "Goldenen Handschuhs",  der dort seit 34 Jahren hinter der Theke steht, davon überzeugt,  in dem Hörspiel mitzuwirken.

So facettenreich wie das Buch

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Heinz Strunk und sein Buch "Der goldene Handschuh" © picture alliance, Rowohlt Verlag Foto: Angelika Warmuth

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Nürnberg übernimmt die Rolle seines Großvaters. Eine nicht ganz leichte Aufgabe, sagt Nürnberg. Seinen Text habe er mit dem Regisseur noch einmal überarbeitet. "Das was hier geschrieben ist, das war ein bisschen steif", meint er. "Wir haben das ein bisschen aufgelockert, damit auch dieses Hamburgische ein bisschen rüberkommt."

Ziel sei ein Hörspiel, das so echt wie möglich klingt, sagt Zylka, das den Hamburger Schnack widerspiegelt und die richtige Gewichtung zwischen Tragik und Humor trifft, ohne die Unterschicht vorzuführen. Es ist zwar die düstere Geschichte eines Frauenmörders, eines Monsters. Doch das Hörspiel soll so facettenreich sein wie das erfolgreiche Buch, sagt Zylka: "Ich würde es nicht als düster bezeichnen, überhaupt nicht. Eher als dreckig. Es ist auch sehr obszön, was natürlich der Geschichte geschuldet ist."

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Ein Mann schreit in ein Mikrofon. © NDR

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 27.11.2016 | 21:05 Uhr