Stand: 26.06.2014 10:00 Uhr  | Archiv

Kinderchöre und Superstars: Kultur im Stadtpark

von Dirk Hempel, NDR.de

Arbeiterchor, Hochbahnorchester, Indianertheater

Nach dem Zweiten Weltkrieg dauert es einige Jahre, bevor Flakstände, Nissenhütten für Obdachlose und Kartoffeläcker aus dem Stadtpark verschwinden. Ab Sommer 1952 wird auf der Freilichtbühne wieder musiziert, gesungen, Theater gespielt und getanzt, vor allem von Laiengruppen. Den Anfang macht der Arbeiterchor Barmbek "mit einer bunten Liederfolge". Das Betriebsorchester der Hochbahn spielt heitere Blasmusik, und mehr als 15.000 große und kleine Zuschauer sehen in einer Saison das Indianerschauspiel "Der letzte Mohikaner".

Hunderte Turnerinnen schreiten über den Rasen

1953 strömen 50.000 Menschen in den Park, um anlässlich des Deutschen Turnfests die abendliche Uraufführung des Hamburg-Festspiels "Stadt am Ufer zu den Meeren" zu sehen. Scheinwerferlicht lässt die Festwiese zu einer riesigen Bühne werden. 900 Turnerinnen in weißen und schwarzen Gewändern schreiten, laufen und tanzen zu Musik von Bach, Schubert und Haydn über den Rasen, dazu treten Fahnenschwingerinnen, Fackelläufer, Speerwerfer und Ballspieler auf. Das Publikum ist begeistert.

Jazz, Beat, Reggae, Klassik

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Der Musikgeschmack hat sich verändert, aber die Stadtparkbühne ist noch immer beliebt.

Die Veranstaltungen der folgenden Jahrzehnte erzählen auch ein Stück Kulturgeschichte, vor allem den Wandel des Publikumsgeschmacks. Nach Kinderliedern, Männerchören und Polizeiorchestern kommt in den 60er-Jahren der Jazz auf. Zunächst spielen in den Sommermonaten Hamburger Amateurbands Dixieland, Oldtime und Skiffle. "Jazz im Stadtpark" wird eine feste Größe bis weit in die 80er-Jahre hinein. Bald kommen weitere Musikrichtungen hinzu, Beat und Pop halten Einzug auf der Freiluftbühne, in den 80er-Jahren werden auch Reggae und Folklore populär. Die Hamburger Symphoniker geben ihre beliebten Promenadenkonzerte. An einem Abend im August 1988 spielt das Orchestre National de France unter Lorin Maazel beim "Open Air Classic" Stücke von Berlioz und Dvorak vor 50.000 Menschen, bevor ein spektakuläres Feuerwerk in den Himmel steigt.

40 Jahre Stadtpark Open Air

Schon 1970 ist mit den niederländischen Hardrockern von Golden Earring eine der ersten namhaften Bands aufgetreten. Aus anfangs wenigen Rock- und Blueskonzerten entsteht über die Jahre die Reihe "Stadtpark Open Air", die jeden Sommer ein vielseitiges musikalisches Programm auf die Bühne bringt, das von kleinen Independent-Bands über Deutschrock  bis hin zu den Legenden der internationalen Rockmusik reicht. Vor jährlich mehr als 100.000 Zuschauer treten hier nun Ina Müller und Anastacia auf, Udo Lindenberg, Supertramp, Bob Dylan und Peter Gabriel.

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Publikum bei Lotto King Karl and the Barmbek Dreamboys auf der Freilichtbühne im Stadtpark Hamburg am 18. September 2009.

Noch immer tönt wie seit Jahrzehnten abends die Musik über den Stadtpark, zur Freude der Zuhörer, die außerhalb der Freilichtbühne auf Decken und Klappstühlen den Klängen ihrer Favoriten lauschen. Theater hingegen wird heutzutage zumeist auf der Sommerbühne im Sierichschen Forst gespielt oder im ehemaligen Licht- und Luftbad. Und Laienkonzerte gibt es an verschiedenen Orten, vor dem Planetarium, am Seeufer oder in der Trinkhalle. Auf der Freilichtbühne hingegen singen kaum noch Jugendgruppen oder Männerchöre, doch die Verbindung zum nahen Barmbek bleibt bestehen, wenn alljährlich die Lokalgröße Lotto King Karl mit seinen Barmbek Dream Boys auftritt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 21.06.2014 | 19:00 Uhr

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