Stand: 17.09.2013 11:38 Uhr

Das flenst: Bier von der Förde

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Flensburger Pilsener ist die Hauptmarke des Unternehmens.

"Das flenst" - mit diesem pfiffigen Slogan bewirbt die Flensburger Brauerei Emil Petersen ihr Bier. Mit Erfolg: Während der Bierkonsum in Deutschland seit Jahren abnimmt, freut sich das Traditionshaus von der Förde über gute Geschäfte. Schleswig-Holsteins größte Brauerei stellt pro Jahr rund 55 Millionen Liter Bier her, führende Markenhersteller wie Oettinger, Krombacher oder Bitburger produzieren rund zehn Mal soviel. Doch anders als die Konkurrenz gehört Flensburger zu keinem Konzern, sondern ist eine der noch wenigen großen Privatbrauereien.

Am 6. September 1888 gründen Flensburger Kaufleute die Brauerei als Aktiengesellschaft. Damals boomt die deutsche Wirtschaft. Der Standort der Brauerei am Flensburger Mühlenteich ist mit Bedacht gewählt: Im Winter kann man hier das Eis brechen, um das Bier zu kühlen. Flensburger Bier wird schon bald bis nach Australien geliefert. Doch der Großteil der Produktion bleibt an der Förde. Mit Pferd und Wagen wird das Bier zu den Wirten gebracht.

Emil Petersen führt das Unternehmen zum Erfolg

Nach dem Ersten Weltkrieg geht es mit Flensburg und der Brauerei bergab. Das Absatzgebiet Nordschleswig gehört jetzt zu Dänemark und bricht weg. Die Weltwirtschaftskrise treibt die Brauerei fast in den Ruin. Die Lage ändert sich erst, als Emil Petersen, Sohn eines Gründungsaktionärs, Anfang der 30er-Jahre in den Vorstand rückt. Er macht aus dem Unternehmen eine der führenden Brauereien des Landes, kooperiert dabei aber mit den Nationalsozialisten. Nachdem diese die Macht übernommen haben, rekrutiert er neue Mitarbeiter ausschließlich aus Nazianhängern. Als die Arbeiter ab 1939 zum Kriegsdienst eingezogen werden, ersetzt sie das Unternehmen unter anderem durch Zwangsarbeiter aus Russland.

"Das ist auch etwas, was mir ein Stück weit weh tut, weil das in der Familie untergegangen ist. Man hat darüber nicht gesprochen. Alle, die heute dazu noch Stellung nehmen könnten, leben nicht mehr", sagt Andreas Dethleffsen, Enkel von Emil Petersen, und derzeit einer der beiden Chefs der Familienholding. Ein Historiker erforscht derzeit, welche Rolle Petersen und seine Firma während der NS-Zeit genau spielten.

Nach dem Krieg ist Bier der Renner

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In den 50er-Jahren arbeiten viele Frauen in der Produktion. Heute wird die meiste Arbeit von Maschinen erledigt.

In den 50er-Jahren profitiert die Flensburger Brauerei vom Wirtschaftswunder. Die Deutschen können sich wieder etwas leisten, das tägliche Bier ist der Luxus des Kleinen Mannes. Getrunken wird nicht nur am Feierabend, sondern auch bei der Arbeit, etwa auf Baustellen. "Es wurde schon viel konsumiert", erinnert sich Dieter Pawel, der mehr als 40 Jahre als Fahrer für die Brauerei arbeitete. "Man hat an Sicherheit und Schutz überhaupt nicht gedacht. Das war täglich Brot. Und eine Buddel Bier gehörte zum Mauermann". Das Bier verkauft sich, ohne dass die Firma groß in Werbung investieren muss. In der Abfüllung arbeiten jetzt überwiegend Frauen. Die Arbeitsplätze sind begehrt, denn Frauen bekommen den gleichen Lohn wie Männer.

Bügelverschluss statt Kronkorken - Der "Plopp" stärkt die Marke

Anfang der 70er-Jahre setzt sich bei Bierflaschen der Kronkorken durch. Die Flensburger widersetzen sich dem Trend und produzieren weiter mit Bügelverschluss. Eine gute Entscheidung, denn heute gehört der "Plopp" zum Markenkern. Allerdings steckte dahinter keine echte strategische Überlegung: "Da mögen Ihnen die Marketingstrategen erzählen, dass man das immer so geplant hat, aber das stimmt nicht wirklich. Emil Petersen hatte im Alter keine große Investitionsneigung mehr. Und als es notwendig wurde, in neue Technik zu investieren, weil der Kronkorken ja sehr viel billiger war, da sagte er schlicht nein", erzählt sein Enkel Andreas Dethleffsen.

Der Schwiegrsohn übernimmt das Ruder

1974 stirbt der Patriarch Emil Petersen. Da er selbst nur Töchter hat, übernimmt sein Schwiegersohn Hans Dethleffsen die Leitung der Brauerei, denn eine Nachfolgerin kommt nicht in Frage. "Was heute selbstverständlich ist, dass man eine Tochter genauso sieht wie einen Sohn - das war für ihn unvorstellbar", erinnert sich Hans Dethleffsen.

Comic-Figur "Werner" macht Flens bundesweit bekannt

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Durch die "Werner"-Comics wurde Flensburger bekannt. Heute bietet die Brauerei es auch als "Bölkstoff" an.

Während andere Bierhersteller seit Anfang der 70er-Jahre auf Fernsehwerbung setzen und ihre Produkte bundesweit anbieten, ist Flensburger noch eine lokale Marke. Das ändert sich schlagartig, als die Comic-Figur "Werner" Anfang der 80er ins Rampenlicht tritt. Zeichner Rötger Feldmann nutzt das Flensburger Bier als Vorlage für seine erfolgreichen Bücher und Filme. Darin trinken die Pratogonisten Werner und Holgi Bier aus Flaschen mit Bügelverschluss, die sie mit einem lauten "Plopp" öffnen. Das Bier, das im Comic "Bölkstoff" heißt, wird zum Kult und ist fortan bundesweit heiß begehrt. "Alle Studenten haben diese Comics gelesen. Alle wollten sie jetzt endlich 'Bölkstoff' trinken und meinten, es sei Flensburger. Also hat man sich deutschlandweit um Flensburger gerissen. Die Großhändler standen bei uns Schlange", erinnert sich Dieter Pawel.

"Werners" Karriere seit 1978

Rötger "Brösel" Feldmanns Comicfigur "Werner" tauchte erstmals 1978 in der Satirezeitschrift "Pardon" auf und prägte seitdem gängige Worte und Sprüche wie "Bölkstoff", "Tass Kaff", "Dat muss kesseln" oder "Hau wech den Scheiß".

Seit 1981 sind 14 Comicbücher und mehrere Sonderbände erschienen und millionenfach verkauft worden. Die Comicbücher wurden zum Teil verfilmt, aktuell gibt es fünf "Werner"-Filme.

Und wie beurteilt das Unternehmen den unerwarteten Erfolg? Der Marke Flensburger haben die "Werner"-Comics aus Sicht von Andreas Dethleffsen gutgetan: "Die Marketingstrategen haben sich immer gefragt: 'Passt das zu unserem Image oder ist das zu prollig?' Ich glaube aber, von heute aus gesehen oder auch von damals aus gesehen: Das war alles viel zu sophisticated. Das war einfach etwas, das jungen Leuten Spaß machte. Da lachte man drüber. Das fand man witzig. Das war, finde ich, etwas Gutes".

Arbeiten an der "Plopp-Quote"

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Der Bügelverschluss ist das Markenzeichen des Biers aus Flensburg. An seiner Optimierung wird laufend getüfftelt.

Der Erfolg durch die "Werner"-Comics macht der Brauerei auch deutlich, wie wichtig der Bügelverschluss mit dem "Plopp" als Marketinginstrument ist. "Für den Verbraucher ist es ein besonderes Erlebnis, wenn er unser Bier konsumiert", sagt Laborleiter Sascha Wunderlich. Er arbeitet deshalb daran, die sogenannte Plopp-Quote zu steigern. Derzeit liegt sie bei 99,6 Prozent, das heißt, von 100 Flaschen ploppen 99 beim Öffnen. Mehr als vier Millionen Euro hat die Brauerei investiert, um einen Bügelverschluss zu entwickeln, der den Druck besser hält. Das Ziel: ein akustisch optimaler "Plopp" bei allen Flaschen.

Der Kampf am Markt ist hart

Der "Plopp" allein reicht allerdings nicht, um sich am Markt durchzusetzen. In Deutschland geht der Bierkonsum zurück, viele Konkurrenten setzen auf niedrige Aktionspreise, die eine kleine Brauerei nicht bieten kann. Die guten Plätze im Supermarkt sind hart umkämpft. "Dort geht es um Platzierungen, um jeden Zentimeter, den man an Platzierung bekommt. Wenn ich als Außendienstlerin nicht da bin und mich um die Platzierung kümmere, dann werde ich immer kleiner gemacht. Ich werde nach ganz unten in das Regal gestellt und irgendwann bin ich ganz weg", erklärt Bezirksleiterin Maren Heitmann.

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Mit Vielfalt im Markt bestehen: Heute hat die Brauerei viele verschiedene Biersorten im Sortiment.

Doch entgegen dem Branchentrend wächst die Flensburger Brauerei, vor allem über den Export. Die Chinesen etwa lieben das Bier von der Förde, sie verbinden damit norddeutsche Kneipengemütlichkeit. Jede Woche liefert die Brauerei einen Container nach China und der Markt wächst. Andreas Dethleffsen blickt deshalb optimistisch in die Zukunft: "Ich möchte mein Familienunternehmen über die Zeit führen und in eine nächste Generation bringen. Wir müssen uns einfach der Tatsache stellen, dass sich Menschen, dass sich Märkte, dass sich Umgebungen verändern. Und mir ist es sehr wichtig, dass wir in diesem veränderten Umfeld unseren eigenen Weg und unseren richtigen Weg finden".

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