Stand: 05.02.2018 16:09 Uhr

Rickmers - ein Leben für die Schifffahrt

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1946 übernehmen Claus, Bertram und Peter Rickmers nach dem Tod ihres Vaters das Unternehmen (Foto aus dem Jahr 1938).

Am Ende des Krieges steht die Reederei vor dem Nichts, denn sie hat ihre gesamte Flotte verloren. Für die Werft sieht es besser aus: Dort läuft der Reparaturbetrieb schnell wieder an. Auftraggeber ist die US-Navy. 1946 stirbt Patriarch Paul Rickmers in der Schweiz. Seine drei Söhne Peter, Bertram R. J. und Claus übernehmen die Führung. Peter und Claus widmen sich dem Wiederaufbau der Reederei, Bertram der Werft. Sie erlebt Anfang der 1950er-Jahre einen Aufschwung. Gebaut werden Hochseedampfer für die Fischerei. Rickmers Neukonstruktionen haben einen guten Ruf. Mehr als 1.000 Beschäftigte hat die Werft 1953. Das erste Schiff auf eigene Rechnung ist 1954 das Frachtschiff "Paul Rickmers". In den 1960er-Jahren fahren auch wieder regelmäßig Frachtschiffe nach Asien, auch wenn die Margen im Liniendienst gering sind.

Das Ende der Werft

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Bertram Rickmers (r.), hier mit seinen Söhnen Bertram (l.) und Erck (Mitte), leitet das Unternehmen von 1946 bis 1971.

Als Bertram R. J. Rickmers 1971 überraschend an einem Herzinfarkt stirbt, befindet sich die Schifffahrtsbranche bereits in der Krise. Die Rickmers-Linie wird deshalb 1974 an Hapag Lloyd verkauft. Um Aufträge zu bekommen, beteiligt sich die Werft an den Kosten für Schiffsneubauten und nimmt dafür Kredite auf. Der Schuldenberg wächst unaufhaltsam: Als die Firma am 1. Februar 1986 Konkurs anmeldet, sind es 148 Millionen D-Mark. Das Land Bremen übernimmt keine Bürgschaft mehr, ein Vergleich wird abgelehnt.

Die Ururenkel wagen den Neuanfang

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1992 wagen Bertram Rickmers und sein Bruder Erck (rechts) den Neuanfang.

Rickmers ist am Ende - vorerst. 1992 wagen Bertram Rickmers und sein Bruder Erck den Neuanfang: Sie gründen das Emissionshaus Nordcapital, das unter anderem Geld für Schiffsneubauten sammelt, trennen sich jedoch bereits vier Jahre später. Bertram kauft im Jahr 2000 die Rickmers-Linie von Hapag Lloyd zurück und baut einen Konzern auf, der weltweit verschiedene Dienstleistungen in der Schifffahrtsindustrie anbietet. Die Rickmers-Gruppe beschäftigt über 2.000 Mitarbeiter. Den Namen der Dynastie darf nur er im Firmennamen führen. Doch im Zuge der Schifffahrtskrise gerät die Rickmers-Reederei erneut in Schieflage. Im Juni 2017 muss sie schließlich Insolvenz anmelden. Große Teile des Unternehmens werden wenig später von der Bremer Zeaborn-Gruppe übernommen.

Bertrams Bruder Erck Rickmers gründet 1998 die Schifffahrtsgruppe E.R. Schifffahrt, eine der weltgrößten Charter-Reedereien für Containerschiffe. Nach einem Zwischenspiel als SPD-Politiker in der Hamburger Bürgerschaft von 2010 bis 2011 widmet er sich wieder voll seinem Unternehmen. Im Februar 2018 verkauft Erck Rickmers sein Unternehmen ebenfalls an die Zeaborn-Gruppe.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 23.10.2016 | 19:30 Uhr

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