Stand: 23.12.2015 16:34 Uhr  | Archiv

Heinrich Schliemann - Auf den Spuren Trojas

von Stefanie Grossmann, NDR.de

Die Suche nach Troja

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1880 sind Heinrich Schliemanns Funde im Londoner South-Kensington-Museum zu sehen.

Auf der Reise zu den türkischen Dardanellen findet am 15. August 1868 eine schicksalhafte Begegnung zweier Autodidakten statt: Nur weil Schliemann sein Schiff verpasst, trifft er auf Frank Calvert. Der Brite beschäftigt sich schon lange mit Troja und ist sich sicher, dass der Ort nur auf dem Hügel von Hisarlik liegen kann. Deshalb hat er dort Land erworben, für umfangreiche Ausgrabungen fehlt ihm allerdings das Geld. Heinrich Schliemann weiß zu dem Zeitpunkt nur wenig über Troja, verfügt aber über die finanziellen Mittel. Am 26. Dezember 1868 schreibt Schliemann aus Paris an Calvert: "Ich bin nun entschlossen, den ganzen künstlichen Hügel von Hisarlik abzutragen." Das zeugt nicht gerade von erfahrener Archäologie. Calvert bremst den vorpreschenden Schliemann und mahnt ihn zu gründlichen Vorbereitungen und einer Grabungserlaubnis.

Schliemann weilt unterdessen in den USA. Dort nimmt er die amerikanische Staatsbürgerschaft an und lässt sich scheiden. Kurz darauf ordnet er sein Privatleben neu: 1896 lässt er sich in Athen nieder und heiratet die Griechin Sophia Engastroménos. Doch auch diese Ehe verläuft nicht besonders glücklich, die beiden passen nicht zusammen - er ist 48, sie 18. Seine Frau sollte den Platz einer imaginären Heldin einnehmen, wie im Theater. Schliemann spricht am liebsten altgriechisch mit ihr - in homerischen Versen. Sophia ist überfordert, weil ihr Mann alles bestimmte, "alles nach seinen sonderbaren Ideen ging". Erst nach einigen Jahren findet das Ehepaar zusammen und Sophia unterstützt Schliemann in dessen archäologischen Bestreben.

Schliemann findet einen Schatz

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Mit der Entdeckung des Goldschatzes wird Heinrich Schliemann zu einer bekannten Persönlichkeit.

Nach einer zehntägigen unerlaubten Grabung 1870 beginnen im Oktober 1871 die ersten offiziellen Arbeiten auf dem Hügel in Hisarlik. In den folgenden Jahren legt Schliemann mit Helfern Mauern frei und findet unter anderem einen Goldschatz, den er "Schatz des Priamos" nennt. "Meine Hoffnungen sind übertroffen, meine Mission ist erfüllt", schreibt Schliemann 1873. Ein Verhängnis ist, dass er nicht auf Calvert hört, der ihn auf einen Irrtum bei der Datierung der Funde hinweist, die aus einer früheren Epoche stammen - etwa 1.300 Jahre vor dem Trojanischen Krieg. Der Schatz kann also nicht von dem legendären König Priamos stammen. Dennoch sind die Funde Schliemanns, die mehr als 30.000 Exponate umfassen, archäologisch bedeutend. Er vermacht sie zu Lebzeiten dem Deutschen Staat. Heute ist ein Teil davon im Neuen Museum in Berlin zu sehen.

Eine umstrittene Persönlichkeit

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In diesem Raum im Neuen Museum in Berlin sind Teile des Schatzes des Priamos zu sehen. Einige sind Repliken.

Bis heute spaltet Heinrich Schliemann Archäologen und Philologen, denn er ist ein Held zweier Welten, der realen und der imaginären. Dieses Wandern zwischen den Welten tritt auch immer wieder in seinen Büchern und Briefen zu tage. Hier verquicken sich nur allzu oft Wahrheit und Fälschung, Anekdoten werden hinzugefügt oder umgedichtet, Erlebtes überhöht. Er lebt sein Leben wie ein Roman, den er gleichsam entwirft. Den Mythos Troja überführt er in die Wirklichkeit. Dafür erntet Schliemann den Ruhm und die Anerkennung, nach der er sich sein Leben lang gesehnt hat.

Am 26. Dezember 1890 stirbt Heinrich Schliemann in Neapel.

Weitere Informationen

Ein Museum für den großen Schatzsucher

Der Kaufmann Heinrich Schliemann wurde 1822 in Mecklenburg geboren und wuchs in Ankershagen an der Müritz auf. Dort erinnert ein Museum an den Mann, der Troja entdecken wollte. mehr

Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 06.01.2014 | 19:30 Uhr

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