Stand: 23.12.2015 16:34 Uhr  | Archiv

Heinrich Schliemann - Auf den Spuren Trojas

von Stefanie Grossmann, NDR.de

Amsterdam statt Amerika

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Mit seiner russischen Firma verdient Schliemann an die zehn Millionen Goldmark.

Nach einem kurzen, wenig erfolgreichen Intermezzo in Hamburg bekommt Schliemann eine Stelle in Kolumbien angeboten. Da er schon immer vom Reisen träumt, nimmt er an. Das Schiff strandet allerdings im Dezember 1841 vor der niederländischen Küste. Schliemann wird gerettet, kehrt aber nicht nach Hamburg zurück, sondern entscheidet sich für Amsterdam, dem Hauptumschlagplatz für den Farbstoff Indigo. Dort fängt er mit etwas geliehenem Geld eine neue Existenz an. In sechs Jahren lernt er Buchhaltung, Kalligrafie und 15 Sprachen, darunter russisch. Anfang 1846 kommt Schliemann nach St. Petersburg, wo sein unaufhaltsamer Aufstieg als Geschäftsmann mit dem blauen Farbstoff beginnt: "Schon im ersten Jahr meines Aufenthalts war ich bei meinen Geschäften so vom Glück begünstigt, dass ich mich bereits zu Anfang des Jahres 1847 in die Gilde der Großhändler einschreiben ließ". Er ist inzwischen russischer Staatsbürger und handelt neben Indigo auch mit Tee, Kaffee und Hölzern.

Profiteur vom Goldrausch

Zu seiner Leidenschaft für Sprachen kommt die fürs Reisen und Schreiben. Als Handlungsreisender bricht Schliemann 1850 zum ersten Mal nach Amerika auf. Bei seinem zweiten Besuch lässt er sich 1851 in der Goldgräberstadt Sacramento nieder und gründet die Bank "Henry Schliemann". Er handelt mit Goldstaub und Wechseln. Aus ständiger Angst vor Überfällen verkauft er im April 1852 seine Bank und kehrt als gemachter Mann nach St. Petersburg zurück - in sechs Monaten handelt er mit Gold im Wert von 1.350.000 Dollar. Jetzt glaubt Schliemann auch sein privates Glück gefunden zu haben: Am 12. Oktober heiratet er Katharina Lyshina - "eine russische Dame mit allen Vorzügen des Körpers und des Geistes".

Reich, aber unglücklich

Geschäftlich geht es weiter aufwärts. Im Krimkrieg zwischen 1853 und 1856 liefert Schliemann ein Drittel des russischen Schießpulvers und weitere wichtige Kriegsmittel. Den privaten Ehekrieg verliert Schliemann. Aus seiner Unzufriedenheit heraus schmiedet er neue Pläne. An den Vater schreibt er: "Ich glaube, man kann auch ohne Geschäfte leben". Schliemann träumt vom Aufbruch in die Welt, möchte Homers Heimatland kennenlernen. Er beschäftigt sich mit dem Dichter, außerdem sind "Wissenschaften und Sprachstudium zur wilden Leidenschaft geworden". Besonders Erstere seien eine unversiegbare Quelle seines Glücks, so Schliemann.

Aufbruch ins "zweite Leben"

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1419 gegründet, gehört die Universität Rostock zu den ältesten im Ostseeraum.

Ein rastloses Leben beginnt: Schliemann bereist Europa und Ägypten. Über mehrere Jahre versucht er sein Unternehmen in Russland zu liquidieren, was ihm 1864 endlich gelingt. Er transferiert all sein Vermögen nach Westeuropa. Zu diesem Zeitpunkt gehört Heinrich Schliemann zu den reichsten Männern Europas. Nach einer fast zweijährigen Reise kehrt der Weltenbummler 1866 nach Paris zurück, wo sein neuer Lebensmittelpunkt liegt. Dort veröffentlicht er 1867 sein erstes Buch auf Französisch. Er beginnt ein Studium an der Sorbonne. In der Folge erhält Schliemann 1869 auf der Grundlage seiner bisher erschienen Bücher an der Uni Rostock einen Doktortitel in Philologie.

Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 06.01.2014 | 19:30 Uhr

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