Stand: 24.01.2013 08:59 Uhr  | Archiv

Ernst Heinkel und der Traum vom Fliegen

von Janine Kühl, NDR.de

Aufrüstung: Heinkel expandiert

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 bringt den Heinkel-Werken viele Aufträge, die Parteimitglied Heinkel bereitwillig annimmt. Allerdings scheut der eigenwillige Ingenieur und Unternehmer keine Konflikte mit den neuen Machthabern, wenn es um die Durchsetzung seiner Pläne geht. Inzwischen hat er drei Konstrukteure und Ingenieure um sich geschart, die sich in seinem Sinne um die Entwicklung kümmern: die Brüder Walter und Siegfried Günter sowie Karl Schwärzler. Heinkel widmet sich vermehrt wirtschaftlichen Belangen und Baumaßnahmen. Im Zuge des zunächst geheimen Aufbaus einer deutschen Luftwaffe expandieren die Heinkel-Werke 1936/37 mit dem Bau eines großen Fertigungswerkes in Oranienburg bei Berlin.

Ebenfalls 1937 wird Heinkel zum Wehrwirtschaftsführer ernannt; es folgt ein Jahr später die Auszeichnung mit dem von Hitler gestifteten Deutschen Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft. Auszeichnungen, die der eigenbrötlerische und dickköpfige Konstrukteur für seine Verdienste im Flugzeugbau und trotz seiner häufigen Konflikte mit Parteifunktionären erhält. Das Haus Heinkel bringt eine Vielzahl von Kampfflugzeugen hervor, oft in Konkurrenz zu den Maschinen der Firma Messerschmitt.

Beginn des Düsenzeitalters

Flugzeuge schneller zu machen ist das Hauptziel Heinkels. Mit Wernher von Braun experimentiert er an einem neuartigen Raketenantrieb. Resultat der Forschungen ist die "He 176", die 1938 als erstes mit Flüssigtreibstoff betriebenes Raketenflugzeug der Welt getestet wird. Als bahnbrechend erweist sich die Zusammenarbeit Heinkels mit dem Physiker Hans von Ohain. Dieser erfindet als Chefingenieur der Heinkel-Werke das erste Strahltriebwerk der Welt. Der Jungfernflug des ersten Düsenflugzeugs, der "He 178", im Jahr 1939 ist ein Meilenstein der Luftfahrtgeschichte. Daneben arbeitet der unermüdliche Tüftler an der Entwicklung von Schleudersitzen.

Werke 1945 enteignet und demontiert

1943 wird das Unternehmen auf Druck der Rüstungsbehörde zur finanziellen Konsolidierung in die Ernst Heinkel AG umgewandelt, die rund 50.000 Mitarbeiter beschäftigt, darunter viele Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge. Als Aufsichtsratsvorsitzender hat der bisherige Chef weit weniger Einfluss auf das Firmengeschehen. Neben finanziellen Überlegungen ist nach Ansicht des Heinkel-Experten Hans Dieter Köhler auch der Unmut der Rüstungsbehörde über die Eigenwilligkeit und die Alleingänge Heinkels ein Grund für die Umgestaltung des Unternehmens. Das Kriegsende bedeutet schließlich das Aus für die Heinkel-Werke. Der Großteil der Firmenanlagen wird enteignet, zerstört oder demontiert.

Nach Kriegsende versucht Heinkel, sich als Gegner des Nazi-Regimes darzustellen. Dennoch wird er 1948 zunächst von den Alliierten verhaftet und als Mitläufer eingestuft. Aufgrund seiner Kontakte zum Widerstandskreis um Admiral Canaris erreicht der Flugzeugpionier in einem Berufungsverfahren seine Entlastung. Eine detaillierte Aufarbeitung seiner Rolle während der NS-Zeit steht aber noch am Anfang.

Neuanfang mit Motorrollern

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Der Heinkel Kabinenroller gehört in den 50er-Jahren zu den schnellsten Kleinwagen seiner Zeit.

In Stuttgart wagt Heinkel 1950 den Neuanfang. Er baut Motoren und bei der Ernst Heinkel Motorenbau GmbH in Karlsruhe bald auch Motorroller und Kabinenroller. Letzterer soll der Isetta von BMW den Rang ablaufen. Der Verkaufserfolg bleibt jedoch weit hinter den Erwartungen zurück. Doch Heinkel kann nicht vom Flugzeugbau lassen und baut erneut einen entsprechenden Unternehmenszweig auf. 1957 geht Heinkel eine Kooperation mit seinem alten Konkurrenten Willy Messerschmitt ein, um Kapazitäten zu bündeln. Ernst Heinkel stirbt am 30. Januar 1958 kurz nach seinem 70. Geburtstag an den Folgen einer Gehirnblutung.

Sein Sohn Karl-Ernst Heinkel übernimmt das Unternehmen, dessen Flugzeugsparte in weiteren Firmen aufgeht und heute als PFW Aerospace AG weiterbesteht. Von den Werken in Rostock-Marienehe ist lediglich eine zehn Meter hohe und 30 Meter lange Backsteinmauer geblieben, die seit 1993 unter Denkmalschutz steht.

Ernst Heinkels wichtigste Erfindungen

ab 1927: Entwicklung der Bordkatapulte und Katapultflugzeuge "He 12" und "He 58", die den transatlantischen Postverkehr um mehr als 24 Stunden verkürzten

1932: Bau der "He 70", damals weltschnellste Verkehrsmaschine

1934: Bau der "He 111", weiteres schnelles Verkehrsflugzeug für die Deutsche Luft Hansa

1939: Bau der "He 176", erstes Flugzeug mit regelbarem Raketentriebwerk

1939: Bau der "He 178", erstes Flugzeug mit Turbinenluftstrahltriebwerk

1939: Entwicklung des Schleudersitzes

Dieses Thema im Programm:

29.12.1985 | 18:15 Uhr

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