Stand: 10.10.2012 12:00 Uhr

Hajo Friedrichs - der Vollblut-Journalist

von Jonas Hirschfeld
Hanns Joachim Friedrichs im Tagesthemen-Studio: Ein "Nachrichtenonkel" wollte er nie sein.

Auslandskorrespondent, Sportchef und Tagesthemen-Gesicht: 40 Jahre lang prägt Hanns Joachim Friedrichs mit seinen Berichten und Moderationen die deutsche Fernsehlandschaft. 101 Mal geht er mit dem "Aktuellen Sportstudio", 700 Mal mit den Tagesthemen auf Sendung. Nach dem Abitur absolviert der junge Friedrichs 1949 ein Redaktionsvolontariat bei der Tageszeitung "Telegraf" in Berlin. Bald darauf wird ihm ein Job bei der BBC in London angeboten. Fünf Jahre lang lernt Friedrichs bei den Engländern, wird Sprecher und Nachrichtenredakteur. Sein erstes Werk: ein kleiner selbstgesprochener Bericht über Berlin.

"Cool bleiben, ohne kalt zu sein"

Vieles hat er in seiner Journalistenlaufbahn gesehen und erlebt, doch seinen Prinzipien ist er immer treu geblieben: "Ich hab' all diesen Mist nicht mitgemacht, Infotainment nicht, habe auch nicht unter irgendeinem Vorwand durch das Schlüsselloch anderer Leute geguckt - ich bin sauber geblieben", erzählt er 1995 "Spiegel"-Redakteuren beim letzten Interview vor seinem Tod. "Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in eine öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein" - das habe er während seiner Zeit in London gelernt. Bis zuletzt verteidigt er diese journalistischen Tugenden. Moderne Formen wie den Sensationsjournalismus lehnt er ab. Es sei nicht Aufgabe eines Moderators, die Leute zur Betroffenheit zu animieren.

Washington, Saigon, New York

Nach den lehrreichen Jahren bei der BBC wird der aus Hamm stammende Friedrichs Redakteur beim damaligen Nordwestdeutschen Rundfunk in Köln, aus dessen Aufspaltung kurz darauf NDR und WDR entstehen. Beim WDR arbeitet er als Reporter, Moderator, Kommentator und Autor. 1964 geht Friedrichs für das ZDF nach Washington und New York. Fünf Jahre berichtet er aus Amerika, bevor er für mehrere Reportagen nach Vietnam reist. Nach seinem ersten Besuch in Saigon wäre er am liebsten für immer geblieben, erzählt er später. Der Reporter erlebt die Höhepunkte der Vietnamkrieges hautnah - die traumatischen Bilder suchen ihn noch Jahre später heim. Nach Vietnam sei er allerdings nicht wegen des Krieges gegangen. Die Kriegsberichterstattung habe ihn nie sonderlich gereizt, sondern vielmehr die Besonderheiten des Landes und seiner Bewohner. 1981 kehrt der Fernsehjournalist ins ZDF-Studio New York zurück, wo er gemeinsam mit Dieter Kronzucker das erfolgreiche Magazin "Bilder aus Amerika" entwickelt.

Kohls Widerstand

Dass ausgerechnet Hanns Joachim Friedrichs 1973 Leiter des "Aktuellen Sportstudios" wird, passt Helmut Kohl, dem damaligen Vorsitzenden des ZDF-Verwaltungsrats, überhaupt nicht. Zähneknirschend muss er die Personalie hinnehmen. Friedrichs erinnert sich noch Jahrzehnte später an den launischen Kohl: Als "kleiner Provinzreporter" habe er den späteren Kanzler nach einer Landtagswahl mit seinem miserablen Wahlergebnis konfrontiert. Das habe Kohl ihm nie verziehen, meint Friedrichs. Auch mit der "nervigen Besserwisserei" von Helmut Schmidt hat der Journalist seine Schwierigkeiten. "Das ist ein komischer Vogel. Ich hab den Schmidt bestimmt 20 Mal interviewt. Das war immer ganz knapp und cool", sagt er 1995 im "Spiegel"-Interview. "Das müssen Sie anders fragen", soll Schmidt immer wieder arrogant geantwortet haben.

Dieses Thema im Programm:

DAS! | 29.03.1995 | 09:30 Uhr

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