Stand: 24.01.2013 08:59 Uhr  | Archiv

Ernst Heinkel und der Traum vom Fliegen

von Janine Kühl, NDR.de
Die "He 178" ist 1939 das erste Flugzeug der Welt, das von einem Turbinenstrahltriebwerk angetrieben wird.

Am 27. August 1939 startet das erste Düsenflugzeug der Welt auf dem Flughafen Rostock-Marienehe. Mit dem erfolgreichen Abheben der "He 178" hat das Team um Flugzeug-Konstrukteur Ernst Heinkel eine wahre Pionierleistung erbracht. Es ist nur eine von zahlreichen Erfindungen im Bereich der Luftfahrt, die auf das Konto von Heinkel gehen. Wie kaum ein anderer widmet sich der kleine, eigenwillige Mann dem Traum vom Fliegen.

Zeppelin-Unglück als Schlüsselerlebnis

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Ernst Heinkel entwickelt ständig neue Flugzeugtypen und experimentiert mit unterschiedlichen Antriebsarten.

Schon früh begeistert sich der Maschinenbau-Student der Technischen Hochschule Stuttgart, der am 24. Januar 1888 im baden-württembergischen Grunbach geboren wird, für die Fliegerei. Das Zeppelin-Unglück vom 5. August 1908 in Echterdingen bei Stuttgart stellt für Heinkel einen Wendepunkt dar. Für ihn liegt die Zukunft der Luftfahrt klar bei den Flugzeugen, mit denen er sich nun intensiv beschäftigt.

Inspiriert von der internationalen Flugschau 1909 in Frankfurt am Main baut er bereits ein Jahr später sein erstes Flugzeug. Der Autodidakt unternimmt mit dem Doppeldecker zahlreiche Flugversuche auf dem Cannstatter Wasen bei Stuttgart. Nicht alle gelingen: Am 19. Juli 1911 stürzt Heinkel über Untertürkheim aus 40 Metern Höhe ab. Doch auch schwere Brüche und Verbrennungen können seine Faszination vom Fliegen nicht schmälern. Noch im gleichen Jahr nimmt er eine Anstellung als Konstrukteur bei der Luft-Verkehrs-Gesellschaft AG in Johannisthal bei Berlin an. Parallel dazu absolviert er 1912/13 seine Diplom- und Doktorprüfung und wechselt als Chefkonstrukteur zu den benachbarten Albatros-Werken.  

Erste Erfolge - Jähes Ende

Mit einem aerodynamischen Eindecker gewinnt eine Konstruktion Heinkels 1913 beim großen Bodensee-Wettbewerb - der erste von zahlreichen Siegen in den kommenden Jahrzehnten. Heinkels Flieger erringen bei Seeflugwettbewerben Höhen- und Weitenweltrekorde. Während des Ersten Weltkriegs konstruiert Heinkel als technischer Direktor bei den Hansa Flugzeugwerken in Brandenburg Land- und Wasserflugzeuge, darunter viele Kampfflugzeuge. Nebenher leitet er Flugzeugwerke in Wien und Budapest. Das deutsche und das österreich-ungarische Heer sowie die Marine nutzen Flugzeuge, die Heinkel konstruiert hat. 1919 setzen die Bestimmungen des Versailler Vertrages dem Schaffen Heinkels ein jähes Ende. Flugzeugbau ist in Deutschland bis auf Weiteres verboten.

Die Heinkel-Werke in Rostock

Doch nur für kurze Zeit lässt sich Heinkel vom Flugzeugbau fernhalten. Als die Auflagen 1922 gelockert werden, gründet Heinkel sein eigenes Unternehmen: die Ernst-Heinkel-Flugzeugwerke in Marienehe zwischen Rostock und Warnemünde. Heinkel entwickelt vor allem Flugzeuge für Auftraggeber aus dem Ausland. Die Einschränkungen umgeht Heinkel, indem er seine Konstruktionen unter Lizenz im Ausland bauen lässt. Ein wichtiger Partner ist Japan, für dessen Kriegsmarine die Rostocker Firma ab 1925 katapultgestartete Wasserflugzeuge und die entsprechenden Katapulte entwirft, die in Schweden gebaut werden. Auch an Dänemark, Finnland, Ungarn, die Sowjetunion, die USA und China verkauft das norddeutsche Unternehmen Maschinen und Lizenzen.

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Ernst Heinkel (r.) - hier vor einer Konstruktionszeichnung - ist ein Tüftler.

Heinkels Flugzeuge sorgen zudem bei europäischen Flugwettbewerben und im nationalen Passagierbetrieb für Aufsehen. Wegen seiner Verdienste verleiht ihm die Technische Hochschule zu Stuttgart 1925 die Ehrendoktorwürde.

"Postvorausflüge" per Katapult

Auch in der zivilen Luftfahrt sieht Heinkel Möglichkeiten für seine Katapultflugzeuge, nämlich im Postdienst zwischen Europa und den USA. Die Kombination Schiff-Flugzeug mit den Schnelldampfern des Norddeutschen Lloyd und Katapultflugzeugen, die von Bord der Schiffe abfliegen, verringert die Auslieferung der Post zwischen New York und Berlin um 36 Stunden.

Als 1926 die Beschränkungen in der deutschen Luftfahrt erneut gelockert werden, wendet sich Heinkel wieder seinem Lieblingsprojekt zu: der Konstruktion von Hochgeschwindigkeitsflugzeugen. So entsteht Anfang der 1930er mit der "He 70" für die Deutsche Lufthansa das schnellste Passagierflugzeug seiner Zeit, das eine Geschwindigkeit von 362 km/h erreicht. Die Universität Rostock belohnt die Leistungen mit einer weiteren Ehrendoktorwürde für Heinkel.

Dieses Thema im Programm:

29.12.1985 | 18:15 Uhr

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