Stand: 14.11.2012 12:00 Uhr

Der Bipol Gerhart Hauptmann

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Der junge Hauptmann versuchte sich zunächst als Bildhauer.

Gerhart Hauptmann erblickt am 15. November 1862 als Sohn eines Gastwirts in Obersalzbrunn (heute Polen) das Licht der Welt. Nach einem für ihn qualvollen Schulbesuch beginnt er mit 16 Jahren eine landwirtschaftliche Lehre auf einem Gutshof, mit 18 Jahren eine weitere Ausbildung zum Bildhauer. Doch bald versucht sich Hauptmann auch im Schreiben und reist viel - unter anderem nach Spanien, Italien und in die Schweiz.

Hochzeitreise nach Rügen

Mit Anfang Zwanzig arbeitet der spätere Literaturnobelpreisträger ohne Erfolg als Bildhauer in Rom. Nach einer schweren Krankheit heiratet er 1885 seine bis dahin heimliche Verlobte, Marie Thienemann. Sie ist die Tochter eines Dresdener Wollgroßhändlers. Der Künstler Hauptmann hat nun keine finanziellen Sorgen mehr und kann als freier Schriftsteller arbeiten. Während der Hochzeitsreise nach Rügen fährt er mit Freunden zum ersten Mal nach Hiddensee, das später seine zweite Heimat wird. Doch zunächst zieht es das junge Paar nach Berlin.

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Naturalistische Dichtung

In Berlin lernt er moderne, naturalistische Schreibmethoden wie die detailgenaue Beschreibung aller Vorgänge im sogenannten Sekundenstil. Hauptmann vereint dies mit sozialen Themen, die sich - damals eine Neuheit im Theater - um Proletarier drehen und die Gesellschaft verändern wollen. Mit seinem Drama "Vor Sonnenaufgang" (1889) und nach einer von Skandalen begleiteten Uraufführung in der "Freien Bühne", wird Hauptmann bekannt. Obwohl er auch romantische Märchenstücke schreibt, bleibt er der naturalistischen Methode treu.

Skandal um "Die Weber"

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Der Kaiser war empört über Hauptmanns Werk, in der Fachwelt kam es jedoch gut an.

In der letzten Dekade des 19. Jahrhunderts entsteht neben der Komödie "Der Biberpelz" das Stück "Die Weber". Als die heute klassische Schullektüre 1894 im "Deutschen Theater" in Berlin zum ersten Mal öffentlich aufgeführt wird, erklärt Kaiser Wilhelm II. aufgebracht, er werde das Theater nicht wieder betreten und kündigt seine Loge. Doch Gerhart Hauptmann setzte sich durch: 1905 erhält er zum dritten Mal den Grillparzer-Preis, 1912 den Nobelpreis für Literatur.

Widersprüchliche Haltung in der NS-Zeit

Hauptmann glaubt an die Weimarer Republik, beteiligte sich daran, sie aufzubauen. Mit dem Anbruch des Dritten Reiches 1933 hält er seine Zeit für beendet. Er äußert sich nicht gegen die Nazis, hat ihnen aber in "Vor Sonnenuntergang" 1932 eine Absage erteilt. Zwar sind sie ihm wegen ihrer Brutalität und Dummheit zuwider, doch meidet er Auseinandersetzungen und nimmt 1942 zu seinem 80. Geburtstag zahlreiche Ehrungen entgegen.

Am 6. Juni 1946 stirbt Gerhart Hauptmann in Agnetendorf im Riesengebirge. Später wird er auf Hiddensee in der Nähe seines ehemaligen Sommerhauses beigesetzt.

Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 15.11.2012 | 19:30 Uhr

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