Stand: 14.03.2018 11:32 Uhr

Merkel: Mädchen, Mutti, Machthaberin

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Angela Kasner kommt 1954 zur Welt. Heute heißt sie Merkel und ist die mächtigste Frau der Welt.

Zur Schulzeit galt sie als graue Maus, zu Beginn ihrer CDU-Karriere als Helmut Kohls "Mädchen". Heute ist Angela Merkel laut US-Magazin "Forbes" die mächtigste Frau der Welt, der nicht nur hochrangige Politiker die Wange küssen, sondern nach dem Titelgewinn auch Fußballweltmeister scharenweise um den Hals fallen. Als ostdeutsche Kanzlerin ist sie weithin bekannt - dabei ist Merkel eine gebürtige Hamburger Deern.

Geboren in Hamburg, aufgewachsen in der DDR

Am 17. Juli 1954 wird Angela Dorothea Kasner als Tochter eines evangelischen Pfarrers und einer Lehrerin in der Hansestadt geboren. Weil der mit dem Sozialismus sympathisierende Vater eine Stelle in Brandenburg annimmt, wächst sie in der DDR auf. In der Schule gilt sie als ruhig, glänzt in den Fächern Russisch und Mathematik und macht ihr Abitur 1973 mit einem Durchschnitt von 1,0. Trotz des herausragenden Abschlusses darf sie von Staats wegen nicht, wie gewünscht, Lehrerin werden. Grund ist die kirchliche Bindung des Vaters. Merkel entscheidet sich für ein Physikstudium. 1977 heiratet sie ihren Kommilitonen Ulrich Merkel, dessen Namen sie trotz der vier Jahre späteren Scheidung bis heute trägt. Merkel promoviert 1986 und arbeitet zunächst als Wissenschaftlerin.

Von der Camping-Köchin zur "Mutti" der Nation

Helmut Kohl fördert sein "Mädchen"

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Der Kanzler und das "Mädchen": Helmut Kohl fördert Angela Merkel besonders in den ersten Jahren ihrer politischen Karriere.

Das Ende des Ostblocks ist der Beginn von Merkels politischer Karriere. Der Fall der Mauer wird zum einschneidenden Erlebnis: "Was ich damals gefühlt habe, dafür kann ich keine Worte finden. Es war schier unfassbar", sagt sie später. Ende 1989 engagiert sie sich beim "Demokratischen Aufbruch" und wird nach der Volkskammerwahl im April 1990 stellvertretende Regierungssprecherin. Wenige Monate später wechselt sie zur CDU, kandidiert für den Bundestag - und gewinnt bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl ihren Wahlkreis Stralsund-Rügen-Grimmen.

Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl fördert Merkel, nennt sie sein "Mädchen" und macht sie 1991 zur Bundesministerin für Frauen und Jugend. Im Juni 1993 übernimmt sie den Landesvorsitz der CDU in Mecklenburg-Vorpommern und nach der Bundestagswahl 1994 das Amt der Bundesumweltministerin.

Erste Chefin einer Volkspartei

Nach der Wahlniederlage der Union 1998 steht die CDU vor einem personellen Neuanfang. Merkel gilt als "Zukunftshoffnung". Sie wird zur Generalsekretärin gewählt. Ende 1999 emanzipiert sich das mittlerweile 45-jährige "Mädchen" endgültig von seinem politischen Ziehvater: Als die CDU-Spendenaffäre um schwarze Konten und illegale Geldtransfers die Schlagzeilen beherrscht, bricht Merkel mit Kohl. Sie drängt auf Aufklärung und kritisiert den Altkanzler öffentlich.

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Angela Merkel hat sich in wenigen Jahren bis nach ganz oben gearbeitet.

Die Weichen für den innerparteilichen Neuanfang stellt die CDU auf ihrem Parteitag im April 2000. Merkel wird zur Parteichefin gewählt - und übernimmt als erste Frau in Deutschland den Vorsitz einer Volkspartei. Auf die Kanzlerkandidatur verzichtet sie bei der Bundestagswahl 2002 noch zugunsten von CSU-Chef Edmund Stoiber. Drei Jahre später steht sie bei der vorgezogenen Bundestagswahl auf Platz 1 der CDU-Liste - und gewinnt gegen Gerhard Schröder (SPD). Als erste Frau und Ostdeutsche wird Merkel am 22. November 2005 Kanzlerin und ist zudem mit 51 Jahren so jung wie keiner ihrer Vorgänger.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 17.07.2014 | 10:50 Uhr

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