Stand: 24.04.2013 16:42 Uhr  | Archiv

Der Skandal um Hitlers "Tagebücher"

von Helene Heise, NDR.de

Von der "Stern"-Stunde zur Katastrophe

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Die Hitler-Tagebücher - Stationen eines Presseskandals

Am 25. April 1983 erklärte Stern-Chefredakteur Peter Koch vor versammelten Medien, der Stern sei im Besitz von Hitlers geheimen Tagebüchern. Elf Tage später war der Skandal perfekt. Bildergalerie

Am 25. April 1983 ist es soweit: Mit großem Getöse veröffentlicht der "Stern" den ersten Teil der Serie über die Hitler-Tagebücher. Auf der Pressekonferenz präsentiert sich Heidemann mit den schwarzen Kladden, die Chefredaktion verkündet im drei Tage später erscheinenden Heft, nun müsse die Geschichte umgeschrieben werden. Doch schon an diesem Tag werden ernsthafte Bedenken laut. Namhafte Experten bezweifeln vom ersten Moment an die Echtheit der Quellen.

Kujau schreibt aus Fachbüchern ab

Nach nur zwölf Tagen ist der Spuk vorbei: Bundesarchiv und Bundeskriminalamt kommen mithilfe chemischer Analysen und historischer Recherche übereinstimmend zu dem Ergebnis: Die Tagebücher sind eine Fälschung - und zudem eine recht plumpe. Seitenweise hatte Fälscher Kujau aus veröffentlichten Hitler-Reden und Fachbüchern abgekupfert, das Ganze mit banalen Anmerkungen aus dem täglichen Leben angereichert. Verlagsleitung und Chefredaktion müssen zurückrudern, "Stern"-Gründer Henri Nannen entschuldigt sich bei den Lesern.

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Die beiden "Stern"-Ausgaben zur "Entdeckung" der Tagebücher und zum Auffliegen des Schwindels liegen im Hamburger Polizeimuseum.

Die Verlagsleitung wollte es nicht sehen: Einwände wurden abgetan, selbst die im Film "Schtonk" zum Witz verarbeiteten falschen Initialen auf den Tagebüchern ließen niemanden beim "Stern" am vermeintlichen Sensationsfund zweifeln. Über den Fehler habe Hitler selbst sich damals aufgeregt, soll Chefredakteur Felix Schmidt auf die berechtigte Nachfrage nach dem "F." bei der Pressekonferenz geantwortet haben.

Haftstrafen für Heidemann und Kujau

Der Imageschaden für das vormalige Renommier-Blatt ist enorm: Die Auflage bricht ein, die Glaubwürdigkeit ist dahin. In der Folge geben sich die Chefredakteure beim "Stern" die Klinke in die Hand. Kujau und Heidemann werden zu mehrjährigen Haftstrafen wegen Betrugs und Fälschung verurteilt. Bis heute gilt der Skandal um die Hitler-Tagebücher als Paradebeispiel für die möglichen Folgen, die eine zu enge Vermischung von wirtschaftlichen und redaktionellen Interessen haben kann.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Hamburg Journal | 07.04.2013 | 19:30 Uhr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 07.04.2013 | 19:30 Uhr

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