Stand: 18.01.2012 11:55 Uhr  | Archiv

Der Kampf gegen die Sturmfluten

Ende des privat finanzierten Deichbaus

1926-1938: Mit dem Bau des Neufelder Kooges in Dithmarschen und dem Sönke-Nissen-Koog in Nordfriesland endet die Zeit des privatfinanzierten Deichbaus. Nach ihrer Machtübernahme beginnen die Nationalsozialsten mit staatlichem Deichbau. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges entstanden neun neue Köge. Einerseits als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme gedacht, waren die auch nach NS-Größen benannte Köge vor allem für die Propaganda wichtig, weil neuer "Lebensraum" geschaffen wurde.

18.10.1936: "Mittagsflut" - eine schwere Sturmflut zur Springtidezeit, die ihren Höhepunkt an der Westküste am Mittag erreichte, Deiche überströmte und zahlreiche Böschungsschäden anrichtete.

10.02.1949: "1. Niedrigwasserorkanflut" - ein örtlich begrenzter sehr starker Sturmwirbel erreicht die Küste kurz vor dem Hochwasser und staute das Meer an den Deichen bis sechs Stunden bis zur Niedrigwasserzeit. Kaum Schäden.

01.02.1953: "Hollandsturmflut" - eine außergewöhnlich hohe Katastrophenflut, die erst auf die Westküste zulief und dann die Richtung änderte, um zu Rekordwasserständen im Rhein, Maas, Schelde Gebiet aufzulaufen. 67 Deiche brachen, 2.000 Menschen ertranken. Die Hollandflut löste an der Westküste eine Bestandsaufnahme aus, die dazu führte, dass in den Folgejahren fast die Hälfte der noch 580 Kilometer Festlandsdeiche "ertüchtigt" wurden. Die verstärkten Deiche hielten (weitestgehend) bei der "Hamburgflut".

16./17.02.1962: "Hamburgflut" – Sie richtete erhebliche Schäden von Ostfriesland bis Nordfriesland an. Vor allem Hamburg war betroffen, ein Sechstel der Stadtfläche wurde überschwemmt, 315 Menschen starben.

Weitere Informationen

Sturmflut 1962: Hamburg versinkt im Wasser

Vom 16. auf den 17. Februar 1962 wütet in Hamburg eine schwere Sturmflut. Die Deiche brechen, 315 Menschen sterben. Hintergründe, Bilder und Zeitzeugenberichte zur Katastrophe. mehr

20.12.1963: Schleswig-Holstein legt den "Generalplan Deichverstärkung, Deichverkürzung und Küstenschutz in Schleswig-Holstein" vor. Der Beginn des größten Deichbauprojektes in der Geschichte Schleswig-Holsteins. Bis heute sind über drei Milliarden Euro verbaut worden.

23.02.1967: "2. Niedrigwasser-Orkanflut" - Die höchste bis dahin gemessene Orkanstärke (14 Beaufort). Im Gegensatz zur "1. Niedrigwasserflut" kam der Orkan tatsächlich zur Niedrigwasserzeit und flaute vor dem Hochwasser ab. Es kam zu geringen Deich-, aber enormen Gebäudeschäden. Die Sturmflut wird auch "Adolph-Bermpohl-Orkan" genannt, weil der gleichnamige Seenotrettungskreuzer während des Sturmes sank.

03.09.1969: Der Küstenschutz wird zu einer nationalen Aufgabe. Mit dem Gesetz über die Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" wird vereinbart, dass der Bund 70 Prozent der Investitionskosten für Küstenschutzmaßnahmen übernimmt.

01.01.1971: Die Landesschutzdeiche (also die Erste- oder Seedeichlinie) werden verstaatlicht. Damit endet die jahrhundertealte Zuständigkeit der regionalen Deichverbände. Sie bleiben zuständig für die zweite Deichlinie und die Binnenentwässerung.

03.01.1976: "Jahrhundertflut" - sie brachte die bis dahin höchsten Wasserstände. Der außergewöhnliche heftige Sturm dauerte fünf Stunden. Dank der seit 1963 eingeleiteten Maßnahmen des "Generalplans Küstenschutz" brachen die Deiche nur an drei noch nicht ertüchtigten Deichstrecken.

24.11.1981: "Nordfrieslandflut" - Sie brachte die im nördlichen Nordfriesland die höchsten bis dahin gemessenen Wasserstände.

26.-28.02.1990: "Orkankette" - die bisher größte bekannte unmittelbare Abfolge von Sturmfluten, die innerhalb von zwei Tagen zwei Sturmfluten, zwei Orkanfluten und eine Windflut brachte. Beschädigt wurde nur der Seedeich in Dagebüll und es kam zu Landverlusten auf Sylt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 16.02.2017 | 21:10 Uhr

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