Stand: 14.04.2009 12:13 Uhr  | Archiv

Die Geburt der Bundesrepublik

von Carina Werner, NDR.de

Flüchtlingsströme und "Neudänentum": Schleswig-Holstein

Bild vergrößern
Flüchtlinge suchen in norddeutschen Städten und Dörfern Unterschlupf.

Was in Niedersachsen ein Problem ist, verschärft sich noch einmal in Schleswig-Holstein: Die zahllosen Flüchtlinge und "Displaced Persons", wie die nach Deutschland verschleppten ehemaligen Zwangsarbeiter und befreiten Lagerinsassen heißen. Das wirtschaftlich ohnehin leidende Schleswig-Holstein ist mit der Versorgung der Neuankömmlinge überfordert. In vielen Kleinstädten und Dörfern stellen die Flüchtlinge bald die Mehrheit der Einwohner. Viele Einheimische lehnen die Flüchtlinge ab, kämpfen sie doch selbst ums Überleben. In Schleswig blüht das sogenannte Neudänentum auf und damit die Hoffnung, Schleswig wieder unter die dänische Krone zu bringen - wohl auch, weil die Versorgungslage in Dänemark besser ist. Schleswig bleibt Teil Schleswig-Holsteins und damit deutsch, die Minderheitenrechte der Dänendeutschen werden jedoch gestärkt.

Die Regierung zieht nach Kiel

Am 23. August 1946 lässt die britische Militärregierung die Bildung von Ländern in ihrer Besatzungszone zu. Dieses Datum gilt als Geburtsstunde des Landes Schleswig-Holstein, das zuvor preußische Provinz war. Gegen Widerstände aus Schleswig wird der Sitz der Regierung nach Kiel verlegt. Die britische Militärregierung ernennt Theodor Steltzer zum Ministerpräsidenten.

Briten lehnen Nordstaat ab

Im April 1947 finden die ersten freien Landtagswahlen statt. Hermann Lüdemann wird neuer Ministerpräsident. 1949 tritt Lüdemann zurück - unter anderem, weil sein Plan, mit Hamburg und Niedersachsen einen Nordstaat namens "Unterelbe" zu bilden, bei den britischen Besatzern sowie in Hamburg auf Ablehnung stößt. Nach der Währungsreform und dem Inkrafttreten des Marshallplans erlebt Schleswig-Holstein einen wirtschaftlichen Aufschwung. Branchen wie der Schiffbau, die Elektroindustrie und der Fremdenverkehr blühen nun auf.

Demontage und Wohnungsmangel: Hamburg

Bild vergrößern
1946 wird Max Brauer Erster Bürgermeister der Hansestadt Hamburg.

Hamburg bleibt auch nach dem Krieg Hamburg: Die britische Militärregierung bestätigt die eigenstaatliche Existenz der Freien und Hansestadt. Die Stadt ist bereits stark ausgebombt. Jetzt wird sie auch wirtschaftlich schwer getroffen: Durch Demontage verliert Hamburg einen wesentlichen Teil seiner Werftindustrie sowie - durch zwangsweise Übereignung an die Siegermächte - den größten Teil der Handelsschiffe. Im November 1946 findet die erste Bürgerschaftswahl statt. Aus dieser geht Max Brauer als Sieger für das Amt des Ersten Bürgermeisters hervor.

Zehntausende Wohnungen fehlen

Eines der gravierendsten Probleme ist in Hamburg der Wohnungsmangel: Mehr als 280.000 Wohnungen wurden im Krieg völlig zerstört, weitere 172.000 beschädigt. Noch 1948 leben 200.000 Hamburger in Notunterkünften wie Baracken, Bunkern oder Ruinen. Nur kulturell kann sich die Hansestadt schnell berappeln: Theater und Verlage werden gegründet oder wiedereröffnet, der NWDR, zunächst der britischen Militärregierung unterstellt, weitet sein Programm schrittweise aus, 1948 kommt das "Hamburger Abendblatt" auf den Markt.

Der Weg zum Grundgesetz

Bild vergrößern
Am 1. September 1948 wird in Bonn der Parlamentarische Rat eröffnet. Dessen Präsident ist Konrad Adenauer.

Die Spannungen zwischen den USA und der UdSSR nehmen zu. 1948 erregt die Berlin-Blockade über Monate großes Aufsehen. Die Teilung Deutschlands - und damit die Gründung zweier deutscher Staaten - wird immer wahrscheinlicher. Am 1. Juli 1948 übergeben die westlichen Militärgouverneure den westdeutschen Ministerpräsidenten die "Frankfurter Dokumente": Sie enthalten den Auftrag, einen westdeutschen Staat zu gründen und eine Verfassung auszuarbeiten. Dabei besteht die Sorge, dass dies die Spaltung Deutschlands weiter verfestigen könnte. Deshalb soll die Verfassung zunächst nur ein Provisorium sein, bis ein deutscher Gesamtstaat wieder hergestellt wird. Aus diesem Grund wird sie nicht "Verfassung", sondern "Grundgesetz" genannt. Am 1. September 1948 wird in Bonn der Parlamentarische Rat eröffnet. Sein Auftrag ist es, das Grundgesetz auszuarbeiten.

Bayern lehnt das Grundgesetz ab

Eine Hand hält eine Ausgabe des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. © dpa bildfunk Foto: Stephanie Pilick

Wie das Grundgesetz entstanden ist

NDR 90,3 -

Ein Bericht über die Feierstunde zur Unterzeichnung des Grundgesetzes. Mit Originaltönen von Konrad Adenauer und anderen.

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Streitigkeiten bei diesem Vorhaben gibt es weniger zwischen den Ländern als zwischen Parteien, vor allem zwischen CDU und SPD - etwa was das Machtverhältnis zwischen Bund und Ländern betrifft. Am 8. Mai 1949 wird das Grundgesetz vom Parlamentarischen Rat mit 53 zu 12 Stimmen beschlossen und wenige Tage später von den Westalliierten genehmigt. Auch die Länder sprechen sich für das Grundgesetz aus - alle bis auf Bayern, das eine stärkere föderale Prägung des Grundgesetzes fordert. Die Norddeutschen stimmen dem Grundgesetz nahezu einhellig zu: In der Hamburger Bürgerschaft beispielsweise mit 97 zu 3 Stimmen.

Am 23. Mai 1949 wird das Grundgesetz feierlich verkündet - dies ist die Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland.

Weitere Informationen

1949: Das Grundgesetz tritt in Kraft

Es sollte ein Provisorium sein, doch es gilt noch immer: das Grundgesetz der Bundesrepublik. Weltweit orientierten sich viele Staaten an der Verfassung vom 23. Mai 1949. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 12.05.2005 | 08:30 Uhr

Mehr Geschichte

06:27
Nordmagazin

1979 auf Rügen: Notfall-Geburt im Schneesturm

30.12.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin
01:23
Schleswig-Holstein Magazin

Erfolgreiche Bombenentschärfung in Kiel

18.12.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
03:44
Hamburg Journal

Lass uns reden über... Wolf Biermann

18.12.2018 19:30 Uhr
Hamburg Journal

Norddeutsche Geschichte