Stand: 26.02.2015 11:33 Uhr

18. Juni 1984: Dioxinskandal schockt Hamburg

von Irene Altenmüller, NDR.de

Erstes Sanierungskonzept scheitert

Doch der Plan geht nicht auf. Die aggressiven Stoffe beschädigen die Anlage, deren Abgase zudem weitere Umweltprobleme verursachen. 1994, zehn Jahre nach der Schließung des Werks, steht fest: Die Sanierung ist gescheitert.

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Das ehemalige Boehringer-Werksgelände in Hamburg-Moorfleet wird heute von LKW-Verkaufsniederlassungen als Parkplatz genutzt.

Unternehmen und Stadt einigen sich auf ein neues Konzept: Sichern statt sanieren, heißt es nun. Das verseuchte Werksgelände erhält eine Art Betonsarg, es wird "eingekapselt", um zu verhindern, dass weitere Giftstoffe in das Grundwasser gelangen können. Rund herum wird ein unterirdische Betonwand gezogen, sie ist bis zu 50 Meter tief und 80 Zentimeter dick. Von oben verhindert eine Asphaltdecke, dass Regenwasser die Stoffe im Boden erneut löst, von unten dient eine undurchlässige Schicht Glimmerton als Boden. 1998 sind die Sicherungsarbeiten abgeschlossen, die Kosten trägt Boehringer Ingelheim.

Bis zum Jahr 2054 soll das Grundwasser entgiftet sein

Um das bereits vergiftete Grundwasser zu reinigen, sind seither fünf Pumpen und eine Wasserreinigungsanlage rund um die Uhr im Einsatz. Auf mehr als 160 Millionen Euro belaufen sich die Kosten der Sanierung bislang. Das Geld stammt von Boehringer Ingelheim und aus der Verpachtung des Geländes.

Im Februar 2015 einigt sich das Unternehmen mit der Stadt und Umweltverbänden auf eine beschleunigte Sanierung ab 2016. Der Chemiekonzern gibt bis 2027 zunächst 6,2 Millionen Euro aus, die Stadt gibt einmalig 500.000 Euro dazu. Damit sollen zwei zusätzliche Brunnen errichtet werden, die das vergiftete Grundwasser hochpumpen, um es anschließend reinigen zu lassen. Bis 2054 soll das verunreinigte Grundwasser aus dem Boden entfernt sein. Anschließend soll der Schadstoff-Abbau für weitere 40 Jahre überwacht werden - bis 2094.

Erkrankte Ex-Mitarbeiter kämpfen um finanzielle Unterstützung

Bis 2054 dauert es also noch, bis das Dioxin aus Boden und Grundwasser rund um das frühere Werksgelände verschwunden ist, innerhalb des Betonsargs schlummert es dagegen im Boden weiter - und auch in den Körpern der ehemaligen Boehringer-Mitarbeiter. Zwar hat der Konzern 215 von ihnen eine freiwillige Entschädigungszahlung geleistet. Auch können sich ehemalige Mitarbeiter in einer unternehmensfinanzierten Beratungsstelle von einem Epidemiologien beraten lassen. Doch denjenigen, die mit der Berufsgenossenschaft noch um Anerkennung ihrer Leiden als Berufskrankheit kämpfen, läuft die Zeit davon: Viele von ihnen sterben während der langwierigen Verfahren - häufig an Krebs, Nervenschädigungen oder anderen Leiden, die Mediziner mit Dioxinvergiftungen in Verbindung bringen.

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