Stand: 22.01.2019 21:30 Uhr

Kölln: Mit Haferflocken zum Erfolg

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Die blaue "Köllnflocken"-Verpackung ist längst ein Klassiker. Seit 80 Jahren hat sie sich kaum verändert.

"Blütenzarte Köllnflocken": Die charakteristische hellblau-dunkelblaue Packung mit Haferflocken gehört in vielen Familien zum allmorgendlichen Frühstücksritual. Seit rund 80 Jahren hat sich die Verpackung der Flocken kaum verändert. Das Unternehmen, das die Flocken produziert, ist noch deutlich älter: Bereits seit 1820 produziert die Peter Kölln AG in Elmshorn Haferflocken. Bis heute befindet sich die Firma in Familienbesitz.

Mit Schiffszwieback und Viehfutter fing alles an

Die Anfänge des Unternehmens reichen sogar bis ins späte 18. Jahrhundert zurück: Im Jahr 1795 kauft Hans Hinrich Kölln in Elmshorn eine pferdebetriebene Grützmühle und versorgt vor allem Seeleute mit Schiffszwieback. Nach seinem Tod führt zunächst seine Frau das Geschäft weiter, später übernimmt Sohn Peter. Er gründet 1820 das heutige Unternehmen. Peter Kölln setzt auf den technischen Fortschritt und ersetzt schon bald den Pferdeantrieb durch eine Dampfmaschine. 

Die Firma Peter Kölln in Elmshorn ist fast 200 Jahre alt. © NDR/Manfred Uhlig

Köllnflocken - die Haferdynastie

Unsere Geschichte -

Kölln ist ein traditionsreiches, norddeutsches Unternehmen mit einer interessanten Geschichte. Seit 1820 stellt die Firma aus Elmshorn die bekannten Haferflocken her.

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Per Schiff über Elbe und Krückau nach Elmshorn

Der Standort des Unternehmens ist günstig: Per Schiff wird das Importgetreide über den Fluss Krückau aus dem Hamburger Hafen nach Elmshorn angeliefert, dort zu Schrot gemahlen und unter anderem als Tierfutter an die Viehzüchter in der Region geliefert. Noch bis ins 21. Jahrhundert kommt das Getreide für die Kölln-Produkte größtenteils per Binnenschiff, zeitweise besitzt das Unternehmen vier eigene Schiffe. Erst 2001 stellt Kölln endgültig auf Lkw um: Die zunehmend verschlickte Krückau ist nicht mehr schiffbar.

1938: "Blütenzarte Haferflocken" werden zur Marke

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Das Unternehmen in den 1930er-Jahren. Damals wurde ein Großteil des Getreides noch per Schiff angeliefert.

Im 19. Jahrhundert wächst das Unternehmen, neben der Haferverarbeitung ist der Getreidegroßhandel ein Schwerpunkt des Geschäfts. Zur Marke werden die Haferflocken aus Elmshorn aber erst in den 1930er-Jahren: Peter Kölln, Ur-Enkel des Firmengründers, hat die Idee, die Flocken nicht lose, sondern fertig verpackt in kleinen Haushaltsmengen zu verkaufen. Da die Preise für lose Haferflocken reguliert sind, entwickelt er auf diese Weise ein Produkt, das sich außerhalb der festgelegten Preise verkaufen lässt. Zugleich lässt er die "Blütenzarten Köllnflocken" als Markenzeichen eintragen und schafft mit der hellblau-dunkelblauen Packung eine Markenikone.

Beliebte Sammelbilder

Auch ein Werbetrick lässt die Menschen zu Kölln-Produkten greifen: Jede Packung enthält kleine Sammelbildchen mit Märchenmotiven, besonders beliebt sind die Serien der Künstlerin Roswitha Bitterlich. Bis in die 1950er-Jahre verkauft das Unternehmen Sammelalben und unterhält eine Tauschzentrale. Die kleinen Haferflockenbilder finden noch heute Sammler.

Kölln während der NS-Zeit

Die NS-Zeit geht an dem Elmshorner Unternehmen nicht spurlos vorüber. Inhaber Peter Kölln tritt 1937 in die NSDAP ein, schon vorher ist er Mitglied des antidemokratisch gesinnten "Stahlhelm"-Bundes. Den Akten zufolge ist die NSDAP-Mitgliedschaft allerdings nicht ganz freiwillig: Zuvor war Kölln von überzeugten Nazis in seiner Belegschaft angeschwärzt worden, weil er ein Nicht-Parteimitglied befördert hatte. Man hatte ihn durch die Straßen geschleift, bespuckt und beschimpft, wenig später ließ ihn die Gestapo verhaften.

Die Parteimitgliedschaft schützt ihn später vor weiteren Angriffen. Die Firma macht zugleich gute Geschäfte - unter anderem, weil Haferflocken zur Verpflegung beim Reichsarbeitsdienst und bei der Wehrmacht gehören. Die Firma profitiert zudem von der Arbeitskraft von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern. 55 Jahre nach dem Krieg beteiligt sich das Unternehmen am Entschädigungsfonds für Zwangsarbeiter.

Speiseöle erweitern die Produktpalette

In den 1970er-Jahren wird Müsli populär - Kölln erkennt die Zeichen der Zeit und produziert erste Fertigmüslis. Sie sind bis heute wichtiger Bestandteil der Produktpalette. Diese erweitert das Unternehmen im neuen Jahrtausend kräftig und kauft 2004 mehrere bekannte Marken dazu, darunter die Speiseölhersteller Biskin und Livio. Die Speiseölmarke Mazola folgt 2014 - das Traditionsunternehmen wächst.

"Haferland": Flagshipstore in Hamburg

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Die 27-jährige Firmenerbin Friederike Driftmann arbeitet sich noch in ihre Aufgaben an der Unternehmensspitze ein.

Derzeit testet Kölln neue Vertriebswege: Mit dem "Haferland" hat in der Hamburger Innenstadt der erste Kölln-Flagshipstore eröffnet. Dort können Kunden die Produkte kennenlernen und sich eigene Müslis zusammenstellen.

Noch immer ist Kölln in Familienbesitz, mittlerweile in siebter Generation. Die Geschäfte führt momentan noch der frühere CDU-Politiker Christian von Boetticher, in Zukunft wird die 27-jährige Firmenerbin Friederike Driftmann übernehmen.

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Dieses Thema im Programm:

Unsere Geschichte | 23.01.2019 | 21:00 Uhr

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