Stand: 16.05.2017 10:30 Uhr  | Archiv

Die Laeiszhalle - Stätte des Musikgenusses

von Beatrix Hasse, NDR.de
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Beim Eröffnungskonzert 1908 spielt das Philharmonische Orchester.

"Hallelujah", der wohl bekannte Chorus aus Georg Friedrich Händels Oratorium "Der Messias" erklingt an jenem denkwürdigen 4. Juni 1908 - zur Eröffnung von Hamburgs spektakulärem Neubau. Als "würdige Stätte für die Ausübung und den Genuss edler und ernster Musik" erbaut, soll die Laeiszhalle fortan Konzertgänger anlocken, vorwiegend aus den oberen Gesellschaftsschichten.

Einweihung mit Klängen von Händel, Brahms und Bach

Der Stifter des Gebäudes, der Hamburger Reeder Carl Heinrich Laeisz, kann die feierliche Eröffnung nicht mehr miterleben - er stirbt bereits im Jahr 1901. Dafür ist seine Familie anwesend. Zu dem feierlichen Anlass hat sie Bürgermeister Johann Heinrich Burchard, Vertreter des Senats, der Wirtschaft und der Hamburger Kulturinstitutionen eingeladen. Auf dem Festprogramm stehen neben Werken von Händel auch Beethoven, Bach und die Fest- und Gedenksprüche von Johannes Brahms. Das Philharmonische Orchester spielt die ersten Takte in einem der wichtigsten Konzertsäle der Hansestadt - und das ist die Laeiszhalle bis heute.

Carl Heinrich Laeisz: Reeder und Mäzen

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Diese Gedenktafel erinnert heute an die Stifter des Konzerthauses.

Man könne ruhig "musikalisch unvermögend" sein, solange man auf eigene Rechnung etwas Gutes daraus mache, so zitiert der Autor Joachim Mischke in seinem Buch "Hamburg Musik" Carl Heinrich Laeisz. Ein Interesse an Musik hat der vermögende Hamburger Reeder. 1899, zwei Jahre vor seinem Tod, wird Laeisz in den Vorstand der Philharmonischen Gesellschaft gewählt. Für die Schaffung einer Spielstätte nach seiner Idee stellt er aus seiner Firma beträchtliche 1,2 Millionen Goldmark zur Verfügung. Den vorhandenen Sälen der Stadt will er damit etwas Besonderes entgegensetzen, einen Konzertsaal erster Klasse.

Nach seinem Tod tritt Laeisz' engagierte Witwe Sophie Christine auf den Plan, ihrer extravaganten Haarfrisur wegen als "Pudel" bekannt. Sie stockt kurzerhand die Geldsumme auf zwei Millionen Mark auf. Ihr bürgerschaftliches Engagement stößt nicht sofort auf fruchtbaren Boden. Erst 1903 bietet der Hamburger Senat der Laeisz-Witwe ein Grundstück an: 5.000 Quadratmeter, gelegen am damaligen Holstenplatz.

Eigenwilliger architektonischer Stil

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1908 noch außergewöhnlich: Der Anblick des Konzerthauses zieht die Blicke der Menschen an.

Unter Regie der Architekten Martin Haller und Erwin Meerwein entsteht in den Jahren 1904 bis 1908 die im neobarocken Stil gehaltene Konzerthalle. In der Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum der Laeiszhalle heißt es, dass der äußere Anblick des Neubaus mit seinem durchaus sehr eigenwilligen Stil damals für einige Verwirrung sorgte. Demnach habe ein Kritiker des "Hamburger Fremdenblattes" geschrieben, dass ihm "beim Anblick des Konzerthauses Anklänge an ein französisches Schlösschen des 18. Jahrhunderts gekommen seien, zumal man dem Bauwerk seinen Zweck kaum ansehe." Haller und Meerwein hatten etwa bei ihrem Hamburger Bau auf einen Portikus - eine Säulenhalle - verzichtet, der bei jeglichen Formen von "Musentempeln" damals als Vorbau nicht fehlen durfte.

Das Foyer in der ersten Etage der Laeiszhalle ist seit dem 7. Mai 1909 um eine Attraktion reicher: Seither ziert es eine Skulptur des Komponisten Johannes Brahms. Sie stammt von dem Leipziger Künstler Max Klinger - eine Hommage an den Sohn der Stadt Hamburg und sein bedeutendes Schaffen. Alfred Lichtwark, damals Direktor der Hamburger Kunsthalle, ist Initiator der Idee. Sophie Christine Laeisz hat das Kunstwerk gestiftet.

Von Vladimir Horowitz bis Udo Jürgens

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Prunkvoll: der kleine Saal im neuen Hamburger Konzerthaus.

Hamburgs neues Konzerthaus hält, was es verspricht. Ganz im Sinne von Carl Heinrich Laeisz finden bis Mitte der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts klassische Konzerte aller Art statt. So erlebt etwa der Pianist Vladimir Horowitz 1926 bei einem Konzert in der Laeizhalle seinen großen Durchbruch in Deutschland. Renommierte Musiker wie der Cellist Pablo Casals, die junge Pianistin Elly Ney, Dirigent Richard Strauss und die Berliner Philharmoniker geben sich in den ersten Jahren die Ehre. Im November 1930 steht der der Zwölfjährige Geiger Yehudi Menuhin auf der Bühne - und löst wahre Begeisterungsstürme aus. Eine schwierige Zeit erlebt die Musikhalle in der Nazi-Zeit: Ein städtischer Musikbeauftragter wacht über das Musikleben in der Stadt. Jüdischen Musikern sind Auftritte verboten.

Konzerthaus wird übergangsweise zum Radiosender

Als hätte das ehrwürdige Gemäuer einen Schutzengel gehabt, bleibt die Laeiszhalle im Zweiten Weltkrieg als einziges großes Hamburger Konzerthaus während des verheerenden Feuersturmes 1943 verschont. In der Folgezeit gastiert dort die Hamburger Staatsoper, deren Zuschauerraum durch eine Bombe zerstört wurde. Ab Juli 1945, in den ersten Nachkriegsjahren, wird die Laeiszhalle zum "Broadcasting House" des britischen Militärsenders British Forces Network (BFN). Als Sendestudios und Redaktionsbüros dienen die Garderoben im ersten Rang links.

Repertoire erweitert sich um Jazz und Popmusik

Nach einer kurzen Spielpause erblüht das klassische Musikleben neu. In Hamburgs Traditions-Konzerthaus dürfen wieder Werke von Komponisten aufgeführt werden, die zur NS-Zeit verboten waren - darunter Hector Berlioz und Felix Mendelssohn Bartholdy. Das Sinfonieorchester des NWDR und die Philharmoniker bestreiten viele Konzerte, oft mit Gastdirigent Wilhelm Furtwängler. In den 50er-Jahren wird das Repertoire vielfältiger: Erste Jazzbands gastieren in der Laeiszhalle. Schlager- und Chansonabende sind in den 60er-Jahren angesagt. Künstler wie Lale Andersen, die Bee Gees oder Udo Jürgens brechen die klassische Ausrichtung des Konzertsaales auf und öffnen endgültig die Tür zu modernen Musikformen.

Große Schwester: Die Elbphilharmonie

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2005 wird die Musikhalle umbenannt, der Name Laeiszhalle erinnert nun wieder an die Stifter.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat sich der Name "Musikhalle" für das Konzerthaus etabliert, der Name des Stifters gerät zunehmend in Vergessenheit. Erst seit dem Jahr 2005 nennt sich die Musikhalle wieder offiziell nach ihrem Stifter. Bis heute ist sie mit rund 400.000 Besuchern jährlich ein Zentrum der Hamburger Musikkultur geblieben und hat mit der Elbphilharmonie 2017 Verstärkung bekommen: Das Konzerthaus in der Hafencity und die Laeiszhalle stehen unter der Intendanz von Christoph Lieben-Seutter. Die gemeinsame Leitung soll sicherstellen, dass beide Häuser sich ergänzen anstatt miteinander zu konkurrieren.

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