Stand: 09.06.2010 07:53 Uhr  | Archiv

Wie eine Band die Massen begeisterte: Beatlemania

von Daniel Kaiser
Bild vergrößern
Wo immer die Beatles hinkamen, kannte die Begeisterung der Fans keine Grenzen.

"Es war ein so unglaublicher Rummel! Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen. Die ganze Stadt - wo immer die hinkamen - ist einfach ausgeflippt. Die Leute - egal in welcher Altersstufe - waren einfach in der Beatlemania. Man hat gedacht: Da kommen irgendwelche Götter." So schildert Christel Beyl ihre Erinnerungen aus dem Jahr 1966. Sie war damals mittendrin. Das war ein neues Lebensgefühl. Mädchen kreischten, warfen sich auf die Windschutzscheiben der Beatles-Limousinen und fielen einfach so in Ohnmacht. Symptome einer Boyband - im Endstadium!

Weitere Informationen

Als die Beatles Hamburg verrückt machten

Verzückte Teenager und erschöpfte Polizisten: Am 26. Juni 1966 geben die Beatles zwei Blitzkonzerte in Hamburg - und in der Hansestadt ist die Hölle los. mehr

Die triumphale Rückkehr der Beatles nach Hamburg versank damals im Chaos. "Hunderte von Blitzlichtern flackern auf, und in diesem Augenblick wird die Mauer durchbrochen. Die Teenager sind auf der Straße. Der Verkehr stockt. Hier scheint ein Chaos loszubrechen", schilderte damals ein NDR Reporter das Geschehen rund um die "Pilzköpfe".

Der Höhepunkt der Beatlemania ist am 31. März 1964 erreicht: Die Beatles belegen gleichzeitig die Plätze eins bis fünf in den US-Hitparaden. Die vier Musiker sind Vorbilder für tausende Teenager, die ihre eigene Band gründen. Mit Pilzkopf und Gitarre im Keller - in West und Ost. Der Sound weht auch über die Grenze. SED-Chef Walter Ulbricht muss reagieren. "Ist es denn wirklich so, dass wir jeden Dreck, der vom Westen kommt, kopieren müssen? Ich denke, Genossen, mit der Monotonie des 'Yeah! Yeah! Yeah!' sollte man doch Schluss machen", ruft der Politiker seinen Landsleuten zu.

Auf dem Höhepunkt des Erfolgs: 1965 erhalten die Beatles von Königin Elizabeth II. den Orden "Member of the Order of the British Empire".

Die Beatles spielen sogar vor der Königsfamilie. Die auf den billigen Plätzen sollen klatschen, sagt John Lennon. Die anderen können mit den Juwelen klimpern. Bald sind die Konzerte nur noch ein Inferno aus Kreischen. Dazu ohnmächtige Mädchen und vorsintflutliche Technik. Ambitionierte Songs wie "Eleanor Rigby" sind in dieser Kulisse unaufführbar. "Das hat dann einfach keinen Spaß mehr gebracht", sagt Paul McCartney.

John-Lennon-Interview sorgt für Eklat

Für einen handfesten Skandal sorgt dann noch ein Interview von John Lennon. Er sagt: "Wir sind populärer als Jesus Christus." Fromme Christen in Amerika verbrennen daraufhin Bilder und Platten der Band. Ihr Schlachtruf lautet: "Verbietet die Beatles!" "Bringt alle Eure Bilder und Platten von Beatles. Und am Tag des Beatles-Konzert werden wir sie verbrennen", rufen sie aus. Es folgen nervenaufreibende Pressekonferenzen. John Lennon versucht sich in Schadensbegrenzung: "Ich habe gemeint, dass wir den jungen Leuten in England mehr bedeuten als Jesus. Ich habe nicht gesagt, dass wir besser oder größer sind als Jesus Christus."

Aus Musikern werden Missionare

Die Beatles verzichten im Anschluss auf Konzerte. Sie betreten eine ganz neue Bühne. Am 25. Juni 1967 setzen sie einen Meilenstein der Musikgeschichte. Auf dem Höhepunkt des Vietnam-Krieges nehmen die Beatles ihre Liebeshymne "All you need is love" auf. Und die ganze Welt ist live dabei - dank der ersten derartigen Satelliten-Übertragung. 400 Millionen Menschen sehen zu, die ganze Welt schaut auf die Abbey Road Studios. "Das war für mich eine Art spiritueller Moment, meine Idole da live zu sehen. Und woran ich mich auch noch erinnern kann, ist, dass mein Bruder - sechs Jahre älter und eingefleischter Rock 'n' Roller - die Nase rümpfte und fragte: Was sind das für Opas, die da Trompete spielen? Und das Sinfonieorchester! Das ist doch kein Rock 'n' Roll mehr", erzählt NDR Redakteur Harald Wehmeyer - damals gerade einmal 14 Jahre alt.

Liebe im 7/4-Takt. Überall im Studio Luftballons, Luftschlangen und Pappschilder mit Liebesbotschaften. Mick Jagger und Keith Moon im Publikum. Die Beatles wollten keine Boyband sein. John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr hatten eine Botschaft. An diesem Abend wurden aus Musikern Missionare. Der Moderator sagt am Ende: "Wir haben heute hinter unsere Welt geschaut."

Weitere Informationen

Die Beatles: Wie alles anfing

Liverpool, 1960: Ein paar Jungs machen zusammen Musik: John, Paul und George - außerdem Pete Best, der zunächst am Schlagzeug saß. Erst spielten sie in Kellerbars, dann ging es nach oben. mehr

Beginn einer Weltkarriere: Die Beatles in Hamburg

Kaum hatten sich die Beatles 1960 in Liverpool gegründet, setzten sie auch schon aufs europäische Festland über: Auf der Hamburger Reeperbahn nahm ihre Karriere Fahrt auf. mehr

"Sgt. Pepper" - Das Beatles-Jahrhundertalbum

13 Studioalben haben die Beatles veröffentlicht. Das berühmteste davon: "Sergeant Pepper's Lonely Hearts Club Band". Die Platte, die vor 50 Jahren erschien, schrieb Musikgeschichte. mehr

Die Beatles: Wie alles auseinanderging

1960 fanden die Beatles zusammen und starteten eine einzigartige Karriere. Aber schon nach zehn Jahren ging die Band auseinander. Was waren die Gründe? mehr

Die Beatles auf dem Weg in die Unsterblichkeit

Nach der Auflösung der Beatles gingen die vier Musiker eigene Wege und starteten Soloprojekte. Der Schock kam am 8. Dezember 1980: Das Attentat auf John Lennon in New York. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 09.06.2010 | 07:53 Uhr

Mehr Geschichte

06:24
Nordmagazin

Zeitreise: Widerstand gegen Hitler

15.07.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin
02:57
Schleswig-Holstein Magazin

Rundflüge über Lübeck mit der DC-3

15.07.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
05:40
Hallo Niedersachsen

Was ist geblieben von der 68er-Bewegung?

15.07.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Norddeutsche Geschichte