Stand: 10.09.2015 10:08 Uhr  | Archiv

Vom Flugplatz zum Kulturkosmos

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Der ehemalige Militärflugplatz in Lärz, aufgenommen am 1. Mai 1990.

Der alte Flugplatz in Lärz, einem kleinen Ort in der Mecklenburgischen Seenplatte, nicht weit entfernt von Mirow: Die meiste Zeit des Jahres dreht sich hier der Windsack träge im Wind, im Sommer brennt die Sonne auf die Asphaltbahn. In einiger Entfernung stehen alte, halbrunde Flugzeughangars. Ab und zu brummt es am Himmel, wenn kleine Privatflugzeuge auf dem Flugplatz in Lärz starten und landen. Hochbetrieb ist heutztage allerdings selten geworden, dabei war im Ort und auf dem Flugplatz seit den 1920er-Jahren richtig viel los, erzählt Bürgermeister Hartmut Lehmann.

Eine Erprobungsstelle in der Einöde

Aufgrund des Versailler Vertrages sei die "deutsche Fliegerei" nicht erlaubt gewesen, allerdings habe man damals versucht "das im Versteckten zu machen und da war unsere Gegend eben sehr prädestiniert, weil das so eine Einöde gewesen ist." Richtig in Gang kam der Flugplatz laut Lehmann mit der Nazi-Herrschaft ab 1933. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Flugplatz an die Rote Armee übergeben, ab 1949 hatte die sowjetische Armee dort Jagdflieger und Hubschrauber stationiert. Die militärische Geschichte des Flugplatzes endete 1993 mit dem Abzug der sowjetischen Armee. Seitdem hat es viele Ideen und Pläne für das 450 Hektar große Areal gegeben.

Vom Underground zum Massenphänomen

Die Fusion - das etwas andere Festival

Heute wird ein Großteil des ehemaligen Flugplatzes vom Kulturkosmus e.V. betrieben. Martin Eulenhaupt hat gemeinsam mit seinen Mitstreitern den Verein gegründet und etwa 45 Hektar des Flugplatzgeländes gekauft. 1996 kam er von Hamburg nach Lärz. Mit einem Freund war er auf der Suche nach einem passenden Gelände für eine Techno- und Goa-Party. Dabei fiel ihnen der Lärzer Flugplatz auf und mit Genehmigung der Gemeinde veranstalteten die beiden dort ihre erste Party.

Es kamen etwa 800 Leute, die Fusion war geboren. Inzwischen kommen jedes Jahr 60.000 bis 70.000 Menschen zum Festival. Seit 19 Jahren spielen jedes Jahr an einem Wochenende im Juni mehr als 500 Künstler auf über 20 Bühnen. Sowohl seinen alternativen und "anderen Charakter" als auch den "nicht-komerziellen Grundstock" hat sich das Festival in all den Jahren bewahrt, erzählt Eulenhaupt. "Das ist auch etwas, was die, die herkommen, im Großen und Ganzen sehr zu schätzen wissen und was uns auch von anderen Veranstaltungen unterscheidet." Bis heute gehe es weder den Veranstaltern, noch denen, die das Festival mitgestalten, darum kommerziell Geld zu verdienen, erklärt er.

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Die Vorgeschichte des Ortes prägt den Kulturkosmos

Eine Rakete als Symbol, das Wort Fusion in kyrillischer Schrift und der Verein Kulturkosmos - was wie eine gut durchdachte Marketingstrategie klingt, hat sich von selbst ergeben, sagt Eulenhaupt. Schließlich habe die Vorgeschichte des Ortes die Geschichte des Kulturkosmos entscheidend geprägt. Die Ideen ergaben sich aus den örtlichen Gegebenheiten und den Möglichkeiten, die das Gelände bot, erinnert sich Eulenhaupt.

Im kommenden Jahr findet die Fusion zum 20. Mal statt. Mit dem Verein Kulturkosmos haben er und seine Mitstreiter kulturelle Vielfalt in die Region gebracht und damit auch dem Flugplatz neues Leben eingehaucht - zumindest am letzten Juniwochenende eines jeden Jahres. Neben der Fusion veranstaltet der Verein alle zwei Jahre im September das Theaterfestival At.tension.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 10.09.2015 | 19:05 Uhr

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