Stand: 08.08.2018 18:16 Uhr

Hansa-Theater - Varieté seit 1894

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Prächtiger Bau mit Schmuckfassade: In diesem Gebäude am Steindamm residierte das Hansa-Theater nach seiner Gründung.

1894 ist der Steindamm ein Prachtboulevard mit schicken Geschäften und Bürgerhäusern mit verzierten Fassaden. Das Publikum in der Hamburger Vorstadt St. Georg ist elegant und geht gerne aus. Am 4. März eröffnet der Bierbrauer Paul-Wilhelm Grell in dem ehemaligen Ausflugslokal Hansa Concert-Saal am Steindamm 11-13 eine Programmbühne mit Ausschank. Damit die Gäste ein bisschen länger sein "Heider Export" trinken, lässt er Artisten auftreten: Clowns, Akrobatinnen, Muskelmänner und musizierende Tiere. So gründet Grell vor 120 Jahren ganz nebenbei das Hansa-Theater. Es wird Deutschlands berühmtestes Varieté.

Weltstars treten am Steindamm auf

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1936 stehen die Hamburger Schlange, um den legendären Clown Charlie Rivel im Hansa-Theater zu sehen.

In den folgenden Jahren treten viele weltweit gefeierte Stars am Steindamm auf - die Tänzerin Cléo de Mérode, die um die Jahrhundertwende als eine der schönsten Frau der Welt gilt, das italienische Jongleur-Wunder Enrico Rastelli oder die Gesangshumoristen Ludwig und Leopold Wolf. In den 30er-Jahren fegt die Tänzerin und Schauspielerin Josephine Baker im Bananenröckchen über die Bühne und die Menschen stehen Schlange, um den legendären Clown Charlie Rivel in der Show zu sehen. Das Gesangsquartett Comedian Harmonists gibt seine Hits zum Besten. Aber am Hansa-Theater werden auch Stars gemacht: 1914 etwa hat ein junger Mann aus St. Georg seinen ersten Auftritt als Botenjunge Lothar: Hans Albers.

Zerstörung und Wiederaufbau

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Das jüdische Künstlerduo Ludwig und Leopold Wolf hatte ab 1939 in Deutschland Auftrittsverbot.

1927 übernimmt Grells Sohn Kurt die Leitung des Theaters. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten brechen schwere Zeiten an: Jüdische und viele ausländische Künstler werden verfolgt und haben Auftrittsverbot, so auch die Gebrüder Wolf. Trotzdem geht der Betrieb weiter, bis Bomben das Haus im Juli 1943 komplett zerstören. Grell errichtet am Steindamm 17 einen Neubau, der allerdings im Gegensatz zum alten Haus mit 1.500 Plätzen nur über wenige Hundert Plätze verfügt. Bereits im August 1945 öffnet die Bühne wieder - als erstes Theater in Hamburg.

1953 erfolgt der bisher letzte Umbau zum Showtheater mit integriertem Restaurant und 491 Plätzen. In den Nachkriegsjahren erlebt das Varieté eine zweite Blüte und setzt programmlich weiterhin auf Stars wie den Zauberkünstler Kalanag, den Kabarettisten Wolfgang Neuss oder die Sängerinnen Caterina Valente und Conny Froboess. Dressuren mit Tieren wie Elefanten, Pferden und Großkatzen sind ebenfalls Teil der Show. 1964 etwa ist im Hansa-Theater erstmals ein noch völlig unbekanntes Duo zu sehen - Siegfried und Partner, so nennen sich Siegfried und Roy damals. Auch prominente Gäste kann das Theater anlocken: Im Februar 1965 besuchen der Schah von Persien und seine Frau eine Vorstellung.

"Nie im Fernsehen - unsere Stars gibt's nur hier!"

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Pudelparaden gehören zum traditionellen Programm des Varietés.

Nach Kurt Grells Tod 1967 leitet seine Ehefrau Telse das Traditionshaus. "Nie im Fernsehen - unsere Stars gibt's nur hier!" Mit diesem Slogan sorgt sie zunächst für meist ausverkaufte Plüschsessel. Das Programm setzt ausdrücklich auf artistische Nostalgie mit Seiltanz, Pudelparade, Bauchredner sowie dem berühmten "Theater-Teller": gabelfertige Häppchen mit Räucheraal, Schinken, Cervelat, Ei und Käse. Viele Jahre lang ist das Konzept erfolgreich, aber ab Mitte der 90er-Jahre schreibt das Varieté Rote Zahlen. Immer weniger Besucher kommen in die Vorstellungen, die Leitung des Theaters macht dafür auch die Drogenszene im Stadtteil St. Georg verantwortlich. Am Silvesterabend 2001, nach 107 Jahren mit gut 36 Millionen Besuchern und mehr als 25.000 Künstlern in 51.188 Shows, senkt sich der Bühnenvorhang zum vorerst letzten Mal.

Comeback einer Legende

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Akrobatik auf höchstem Niveau - das verspricht das Hansa-Theater den Besuchern.

Sieben Jahre später kommt wieder Leben ins Hansa-Theater. Am 3. Januar 2009 öffnet das Haus unter Leitung der Intendanten des St.-Pauli-Theaters Thomas Collien und Ulrich Waller. Bei der Ausstattung setzen die beiden erfahrenen Theatermacher ganz auf Nostalgie, lassen das plüschige Interieur behutsam renovieren und auch beim Service alte Zeiten wieder auferstehen. Auf Wunsch servieren Kellner bei den Vorstellungen Kulinarisches, unter anderem eine Variante des traditionellen Theater-Tellers. Das Programm ist modern und abwechslungsreich: Varieté mit internationalen Künstlern, Musik und Comedy.

Im Mai 2018 führt ein Erbschaftsstreit zwischen den drei Töchtern der Theatergründer dazu, dass das Theater zwangsversteigert wird. Im Verlauf des Streits wird das Gebäude samt Inneneinrichtung von der Stadt unter Denkmalschutz gestellt. Nach dem Besitzerwechsel scheint die Zukunft des Theaters gesichert. Es gibt sogar Pläne, das Hansa-Theater wieder ganzjährig bespielen - in der Sommersaison mit Theaterstücken, im Winter würde weiterhin Varieté das Programm bestimmen.

Weitere Informationen

Hansa-Theater öffnet künftig ganzjährig

Das ist die Kulturmeldung des Tages: Das Hansa-Varieté-Theater am Hamburger Steindamm soll künftig das ganze Jahr bespielt werden. Möglich wird das mit Geld von der Kulturbehörde. mehr

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Varieté: Das Hansa-Theater

Rund um den Michel

Thomas Kretschmar ist Hausregisseur in Deutschlands einzigem Varieté-Theater, dem Hansa-Theater: Hier gibt es Akrobatik, Clownerie, Magie, eine Live-Band und einen einmaligen Restaurantbetrieb. Video (03:45 min)

Dieses Thema im Programm:

Nordtour | 20.10.2018 | 18:00 Uhr

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